Donnerstag, 26. Februar 2009

Türkenbashing via Gericht:

Müssen nun unsere Legastheniker, Lernschwachen und Analphabeten ausgebürgert werden? --- Müssen diese einen Einbürgerungsantrag bei der Türkei, oder in sonstigen Ländern stellen, wo man nicht so kleinlich ist?

Meine ganz persönliche Meinung: Ein schlimmes Urteil. Denn, aus dem Bericht geht hervor, dass der Betroffene offenbar die deutsche Sprache, zum Mindesten verbal, gut beherrschte.


http://bazonline.ch/ausland/europa/Analphabeten-werden-in-Deutschland-nicht-eingebuergert/story/19203948

Analphabeten werden in Deutschland nicht eingebürgert

Aktualisiert um 11:08 Uhr

Ein Ausländer, der weder lesen noch schreiben kann, hat mangels Kenntnis der deutschen Schriftsprache keinen Anspruch auf Einbürgerung.

Dies geht aus einer am Donnerstag in Mannheim veröffentlichten Entscheidung des baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) hervor.

Allein mündliche Sprachkenntnisse seien nicht ausreichend, heisst es in dem Urteil. Der Mann müsse zumindest in der Lage sein, zu schreiben und Formulare und sonstige Schriftstücke in deutscher Sprache selbstständig zu lesen und zu verstehen. Das Gericht hob mit seinem Urteil eine anderslautende Entscheidung der Vorinstanz auf.

Geklagt hat ein Türke

Geklagt hatte ein seit 1989 in Deutschland lebender Türke. Er hat nach eigenen Angaben nie die Schule besucht und kann weder lesen noch schreiben. Seit 1993 ist er als Asylberechtigter anerkannt und im Besitz einer Niederlassungserlaubnis. Seinen Antrag auf Einbürgerung lehnten die Stadt Pforzheim und das Regierungspräsidium Karlsruhe ab, weil er nicht die sprachlichen Voraussetzungen dafür erfülle.

Auch der Verwaltungsgerichtshof entschied jetzt, dass der Mann keinen Anspruch auf Einbürgerung habe, da er nicht über die geforderten Kenntnisse der deutschen Sprache verfüge. Eine soziale, politische und gesellschaftliche Integration setze die Möglichkeit voraus, hiesige Medien zu verstehen und mit der deutschen Bevölkerung zu kommunizieren. Für eine ausreichende Integration sei zu verlangen, dass er schriftliche Erklärungen, die in seinem Namen abgegeben werden, zumindest ihrem wesentlichen Inhalt nach selbstständig auf Richtigkeit überprüfen könne.

Deutschkurs immer noch zumutbar

Es sei auch vertretbar, wenn die Behörden bei einem Ausländer, der selbst in seiner Heimatsprache Analphabet sei, keine Ausnahme machten, entschied der Verwaltungsgerichtshof weiter. Angesichts seines Lebensalters von nur 19 Jahren beim Zeitpunkt der Einreise sei es ihm zumutbar gewesen, an Alphabetisierungskursen teilzunehmen. Auch mit jetzt 39 Jahren sei im Übrigen noch kein Alter erreicht, das den Besuch eines solchen Kurses als unzumutbar erscheinen liesse. Eine Revision wurde nicht zugelassen. (sam/ap)

Erstellt: 26.02.2009, 11:08 Uhr


Es dämmert...

http://karlweiss.twoday.net/stories/5535953/


Endzeitkrise des Kapitalismus

Götterdämmerung

Von Karl Weiss

Ganz, ganz, ganz langsam beginnen die Politiker, die Bankiers, die ‚unfehlbaren’ Manager der Grosskonzerne, die Mogule der Medien und deren Lakaien zu begreifen, diese Krise, die im „Schwarzen September 2008“ mit dem Paukenschlag des Bankrotts der Lehman Bothers begann, hat nichts mit solchen Krisen wie jene zu Ende der 80er-Jahre zu tun oder solchen wie zu Beginn des neuen Jahrtausends, diese Krise ist auch nicht mit jener Depression zu vergleichen, die 1929 mit einem Börsen-Crash begann und sich praktisch bis zum Beginn des 2.Weltkriegs 1939 hinzog, nein, diese Krise hat Ausmasse und wird sie zum Teil noch erreichen, die alles vorher gesehene in den Schatten stellen, sie wird die Endzeitkrise des Kapitalismus sein, sie ist die Götterdämmerung.

Deutschland Absatzentwicklung Markit Flash bis 1.09
Der hier gezeigte Index Markit Flash ist einer der schnellsten und zuverlässigsten Anzeiger der aktuellen Entwicklung des Absatzes der gewerblichen und Dienstleistungs-Firmen in Deutschland. Der Absturz da am Ende ist nicht nur beängstigend, weil das niedrigste Niveaus des Indexes erreicht wurde, der seit 14 Jahren besteht, sondern vor allem wegen der Steilheit des Absturzes. Hält dies weitere Monate an, werden Halbierungen von Absatzzahlen erreicht.

Gewagte Vorhersage? Wir werden sehen. Eine einigermassen realistische Abschätzung wird damit beginnen müssen, was noch an Schulden, an abzuschreibenden Werten auf die Banken und Zentralbanken der Welt zukommt. Wie bereits in früheren Artikeln gezeigt, ist da noch zumindest eine gleiche Grössenordnung angesagt wie das, was bereits bekannt ist und zu den grossen „Banken-Unterstützungspaketen“ geführt hat.

Der Rettungs-Plan

Doch damit sind die Banken und Zentralbanken noch keineswegs aus dem Schneider. Was im Moment anrollt ist nach der Finanzkrise und der Wirtschaftskrise (die mit vielen Firmen-Bankrotten ja noch viele Kredite platzen lassen wird) die Krise der Währungen und der Länder. Was ein Land mit winzig kleiner Bevölkerung, Island, vorgemacht hat, wird von einer bisher noch unbekannten Anzahl von Ländern nacherxerziert werden und das wird weit gigantischere Folgen haben als alles, was wir bisher in der Krise gesehen haben.

Nach allem, was man heute weiss, sind eine Anzahl von Ländern Kandidaten für solche Bankrott-Erklärungen, darunter die Ukraine, Ungarn, die baltischen Staaten, Griechenland, Irland und Portugal, mit Einschränkungen auch Spanien, sowie eine Unzahl von Staaten der dritten Welt, die angesichts der fallenden Rohstoff-Preise (und Rohstoffe sind fast immer die einzigen Werte, über die sie verfügen) in immer schwierigere wirtschaftliche Lagen geraten.

Verschuldung osteuropäischer Länder bei westlichen Banken - Stand Sept. 2008
Wenn einige dieser Osteuropa-Staaten zahlngsunfähig werden, wird dies westliche Baken im Dutzend hinwegfegen.


Als unmittelbar gefährdet gelten laut einer Studie, die von der „Financial Times Deutschland“ zitiert wird, Benin, Burundi, Gambia, Liberia, Mosambik, Niger sowie São Tomé und Príncipe. Ein hohes Risiko, zahlungsunfähig zu werden, laufen ausserdem Guinea, Mali, der Sudan, Burkina Faso, Ruanda und Äthiopien.

Wer diese Aufzählung aufmerksam verfolgt hat, wird unweigerlich gestutzt haben: Moment mal, Griechenland, Irland und Portugal, ebenso wie Spanien, sind Teil des Euro-Systems – und da beginnen bereits die wirklich grösseren Probleme. Wenn die stärkeren Staaten des Euro – und das heisst natürlich zunächst Deutschland, danach eventuell noch Frankreich – beginnen müssen, den Euro über eine Unterstützung von bankrott gehenden Staaten zu verteidigen, dann werden die Banken-Rettungsprogramme und Konjunkturprogramme lächerlich kleine „Peanuts“ sein im Vergleich zu den Summen, die dann fällig werden.

Europäische Union: Zinsdifferenz für Staatsanleihen gegen Deutschland, 15/02/09
Diese Übersicht zeigt, welche EU-Staaten um wieviel mehr an Zinsen für Staatsanleihen zahlen müssen als Deutschland. Grosse Unterschiede bedeuten: Die Anleger haben kein Vertrauen mehr in die Staatsfinanzen jenes Staates.

Wenn die Grosse Koalition plant, mit einer Grundgesetzänderung einer Obergrenze der Verschuldung festzulegen, „um die kommenden Generationen nicht über alle Massen zu belasten“, so belegt das nur: Sie haben nichts begriffen. Sie gehen entweder wirklich immer noch davon aus, dass es sich um eine Krise „wie gehabt“ handelt und bald wieder der Aufschwung kommt, was belegen würde, sie sind nicht einmal in der Lage, Statistiken zu lesen, oder sie betrügen wissentlich die Menschen.

Deutschland - Brutto-Inlandsprodukt - 2000 bis 2008 Quartale gegen Vorquartale
Die 2,1% pro Quartal an Einbruch im 4. Quartal 2008 bedeuten eine Jahresrate von 8,4%!

Die plötzliche Sorge um die „kommenden Generationen“ ist ausserdem nicht glaubwürdig, denn es waren ja genau diese Politiker, die den Raubbau von allen Werten der Menschheit zum Wohle der Konzerne getätigt haben, was den kommenden Generationen tatsächlich eine ungehäure Bürde auferlegt.

BÖrsenkurse Dow Dax und Nikkei von Juli 2007 bis 23/02/2009

Nur, wenn eine wesentliche Anzahl von Ländern bankrott geht, darunter Euro-Länder, so gibt es keine überlebenden Banken mehr, denn alle diese Länder sind verschuldet und ihr Bankrott bedeutet, alle diese Werte sind verloren. Die Banken müssen sie abschreiben und das übersteigt fast immer ihr Eigenkapital.

Am Anfang der Krise, gleich am ersten Tag, nachdem die Lehmann Brothers den Bach hinunter gegangen waren, wurden – alle erinnern sich noch – riesige Bankenrettungspakete geschnürt. In den USA war ein solches Riesenpaket von 740 Mrd. Dollar innerhalb von einer Woche anwendungsfertig.

Die gleiche USA hat aber kurz danach mit bedauerndem Achselzucken reagiert, als der grösste Staat der USA, Kalifornien, den Bankrott anmeldete. Keinerlei „bailout-plan“, es ging ja nur um staatliche Dienstleistungen am Bürger, um Schulen, Universitäten, Kindergärten, Behörden und vieles andere.

Was ist denn nun so heilig an Banken, dass man sie unbedingt retten muss, während die Belange der Bevölkerung unwichtig sind? In Deutschland zum Beispiel wurden bereits deutlich über 100 Milliarden Euro in die Hypo Real Estate gepumpt, während man für die Konjunkturspritze nur 50 Mrd. bereit stellte. Man sagt uns, sie würden das Welt-Finanzsystem repräsentieren. Das ist mit anderen Worten der Kapitalismus. Die Banken sind die Hohepriester der Religion Kapitalismus, die das Privateigentum anbetet.

Es wird aber keine Bank überleben, das ist unmöglich, wenn der grösste Teil aller Kredite auf der Welt platzt – wenn eine grosse Anzahl hochverschuldeter Staaten die Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen. Das wird um das Zehnfache das Eigenkapital aller Banken zusammen überschreiten.

Natürlich kann man versuchen, einzelne Banken zu retten, indem man sie verstaatlicht. Aber dann muss der Staat alle diese Abschreibungen übernehmen. Und je mehr er davon übernimmt, wird er selbst und seine Währung zum nächsten Bankrott-Kandidaten.

Angesichts der Billionen-Pakete der USA steht jetzt schon fest: Der Dollar wird fallen. Die USA werden pleite gehen und nie mehr sein, was sie waren. Jetzt wird angesichts der Spekulation gegen die „Südschiene“ der Euro-Staaten (Spanien, Italien, Portugal, Griechenland) bereits deutlich: Auch der Euro wird letztlich nicht überleben. Wenn man versuchen wird, ihn zu retten, wird damit nur gutes Geld dem schlechten nachgeworfen – was die Euro-Regierungen natürlich nicht hindern wird, es trotzdem zu versuchen.

Nur werden sie damit wertvolle weitere Zig Milliarden verlieren, die sie eigentlich noch gebraucht hätten, um selbst mit einer Währung zu überleben. Auf diese Art und Weise werden reihenweise weitere Staaten die Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen, weil sie versucht haben, mit riesigen Milliardenprogrammen das System zu retten. Diese Staats-Bankrotte werden dann erneut riesige Abschreibungsbedürfnisse bei den überlebenden Staaten, Banken und Währungen hervorrufen.

Und das Ganze, während die Produktions- und Absatzzahlen der gewerblichen Wirtschaft ebenso wie die Umsatzahlen der Dienstleister sich praktisch in freiem Fall befinden – und das praktisch weltweit! Die pleite gehenden Firmen werden bald Legion sein und jede von ihnen hinterlässt geplatzte Kredite.

Die Länder, die dringend Steuereinnahmen brauchen werden, um alle diese Ausfälle bei Banken, Staaten und Währungen zu versuchen zu kompensieren, werden einer zweistelligen Prozentzahl der Verringerung an Steuereinnahmen gegenüberstehen und das Jahr für Jahr die nächsten Jahre. Was werden sie tun? Steuern erhöhen? Für die Vermögenden?

Nun, am Ende mögen sie wirklich dazu übergehen, aber dann wird es längst zu spät sein. Alle Kinder werden schon im Brunnen liegen und man wird sowieso ein völlig neue Basis brauchen, wenn man noch einmal versuchen sollte, die Grundlagen eines kapitalistischen Systems neu zu definieren.

Und was wird man mit den Ländern der dritten Welt tun, die reihenweise Bankrott gehen? Die Währungen all dieser Länder werden nichts mehr Wert sein. Sie werden kein Geld mehr haben, um Lebensmittel einzukaufen. Das Charakteristikum praktisch aller Entwicklungsländer ist, dass sie keine ausreichende interne Nahrungsmittelproduktion haben. Die reichen Länder haben dies mit allen Mitteln verhindert, um ihren eigenen Landwirtschaften die Absatzmärkte zu öffnen.

Wird man lächelnd zusehen, wenn Hunderte von Millionen oder sogar Milliarden Menschen verhungern? Wird man ihnen Lebensmittel schicken? Wie lange? Die nächsten hundert Jahre? Wer will das zahlen?

In zehn Jahren, wenn wir Anfang 2019 stehen, wird die Krise noch nicht ausgestanden sein, wenn es bis dahin noch einen Kapitalismus geben wird, was nach aller Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein wird. Nur werden alle jetzigen verzweifelten Bemühungen, da noch etwas zu retten, aus der Sicht jener Zeit als lächerlich erscheinen. Man wird darüber spotten, dass man fragte, ob Opel gerettet werden solle, statt zu fragen: Wollen wir eigentlich noch Autos? Statt einem Welt-Kapitalismus kann sich dann schlimmstenfalls die kapitalistische Barbarei herausbilden, wo die Superreichen ihre eigenen Privatarmeen haben und den Rest der Menschheit (soweit er überlebt hat) versklaven und terrorisieren.

Aber was ist denn nun eigentlich passiert, dass alles zusammenbricht, werden Sie fragen? Was passiert ist: Die Gesetze der Ökonomie sind ehern. Karl Marx hat sie genau dargelgt. Man kann sie nicht zu seinen Gunsten umbiegen. Aber genau das wurde versucht.

Karl Marx

In den Jahren nach dem Zusammenbruch des Imperiums der Sowjetunion wurden die Kapitalisten masslos. Sie merkten, sie können sich durch eine generelle Neuorientierung der weltweiten Wirtschaft noch weit mehr bereichern („Globalisierung“). Da aber diese Trillionen und Trillionen von Zusatzverdienste infolge der Umverteilung aller Werte zu den Grosskonzernen nicht für profitbringende Produktion oder Dienstleistungen eingesetzt werden konnten, denn die Weltbevölkerung konnte ja nicht mehr konsumieren, weil ihre Einkommen ja nicht in gleichem Masse stiegen, wurden sie zu Trillionen und Trillionen von Spekulationsgeldern.

Sie erinnern sich, wie Deutsche-Bank-Ackermann noch vor nicht allzu langer Zeit erklärte, seine Bank werde mindestens 25% auf eingeseztes Kapital an Profit pro Jahr machen und gleich eine Anzahl von Angestellten entliess, um dies zu unterstreichen? Wo waren da alle die Ökonomen, die Volkswirte, um zu fragen, wie dies möglich sei. Haben sie im Volkswirtschaftsstudium nicht aufgepasst? Wie kann in einer Realwirtschaft, in der selbst mächtige Grosskonzerne mit Produkten und Dienstleistungen Schwierigkeiten haben, 10% auf eingesetztes Kapital pro Jahr zu verdienen (ausgenommen von kurzzeitigen Ausnahmesituationen), wie kann dann eine Bank zu 25% pro Jahr kommen?

Nun, was die Banken und eine Menge anderer Institutionen taten: Sie schoben eine Trillionen-dicke Kreditblase an. Das führte zu höherem Konsum auf der Basis von Krediten und führte sogar für die Jahre von 2005 bis 2008 zu einem gewissen Wirtschaftswachstum in einer Anzahl von Ländern, aber alles auf Kredit. Damit konnte der Ausbruch der Überproduktionskrise hinausgeschoben werden aber nur um nun umso gewaltiger zuzuschlagen. Alle jene hohen Gewinne aber waren Luftbuchungen, sie waren Ausgeburt einer Blase. Nur – sie fielen wirklich an. Die Deutsche Bank hat ja ihre 25% aufs Jahr erreicht und entsprechend an ihre Aktionäre ausgezahlt.

Doch dann, ausgehend vom Jahr 2006, als die Immobilienpreise in den USA, aufgeblasen durch Kredite, zu purzeln begannen, platzten die Kredite, zuerst lokal und ohne grosse internationale Auswirkungen, dann immer mehr und nun in frenetischem Rhythmus und sie sind weiterhin am Platzen und werden noch Jahre platzen.

USA: Foreclosure Zwangsversteigerung

Alle die Trillionen von Dollars und Euros und Yen, die da an Privatpersonen gingen aufgrund der Kreditblase, sind nun da in den Händen von Reichen, Superreichen und Super-Superreichen. All dies Geld muss vernichtet werden, denn ihm stehen keine wirklichen Werte gegenüber, es waren nur Luftbuchungen. Aber wie bringt man die Kapitalisten dazu, ihr Geld zu vernichten? Klar, das geht nicht im Kapitalismus. Der betet ja das Privateigentum an. Man kann diese Leute nicht auffordern, sich auf einem öffentlichen Platz zu treffen und all ihr Geld dorthin in Banknoten zu bringen und zu verbrennen. Genau das fordern aber die ehernen Gesetze der Ökonomie. Die Ökonomie akzeptiert keine Scheinwerte, denen nichts Wirkliches gegenübersteht und sie wird die Krise weiter vertiefen, bis alle diese Werte vernichtet sind.

Die Besitzer dieser Werte könnten dies im Grunde wissen, denn sie sind ja meistens keine Vollidioten, aber sie wollen es natürlich nicht wahrhaben. Sie haben nichts dagegen, dass die Werte der anderen vernichtet werden, aber bitte nicht ihre eigenen. Viele von ihnen haben ja schon beträchliche Mengen an Geld verloren, weil sie Aktien hatten, die jetzt auf vorher unvorstellbare Tiefstände gefallen sind, weil sie Geld bei Lehmann Brothers oder in Island hatten, weil sie Anteile von Northern Rock hatten oder weil ihre Anteile an Unternehmen gewaltig im Wert verloren haben.

Northern Rock Pleite

Verfolgt man die grossen Kapitalflüsse seit dem September 2008, so ist klar: Die Besitzer all dieser Werte sind in panischer Flucht vor der Kapitalvernichtung, sie versuchen auf Teufel komm raus „sichere Häfen“ zu fnden, wo ihr Geld zumindest nicht wegschmilzt wie Butter an der Sonne. Sie haben ihre Gelder fast vollständig aus Entwicklungs- und Schwellenländern abgezogen, denn dort erwarten sie grössere Risiken als in den führenden Industrieländern. Sie akzeptieren heute Verzinsungen, die fast genau der Inflationsrate entsprechen, also keinerlei Zuwachs versprechen, nur um nicht noch mehr Geld zu verlieren. Es sei daran erinnert, vor kurzem sassen sie noch auf hohen Rossen und wollten 25% jährlich! Nun aber haben sie in unglaublich weitem Masse Dollar-Bonds gekauft, die praktisch keine reale Verzinsung bieten, also US-Staatsanleihen, denn die USA waren immer der Hort der Sicherheit für das Kapital.

Das hat den Dollarkurs in die Höhe getrieben. Nun, aber, seit etwa drei Wochen, scheinen einige von ihnen schon gemerkt zu haben, der Dollar ist kein „sicherer Hafen“, im Gegenteil. Die unglaublichen Trillionen-Programme der US-Regierung zur Bankenhilfe, zur Ankurbelung der Konjunktur und zur Hilfe für Häuschenbesitzer, die sich mit Krediten übernommen haben, haben bereits jedes Mass überschritten. Diese Bonds werden nie bezahlt werden. Der Dollar wird platzen wie eine reife Frucht.

So beginnt jetzt langsam der Goldpreis in Dollar zu steigen. Gold ist immer die letzte Zuflucht des Kapitals, wenn nichts mehr sonst hilft. Nur wird mit all diesen Manövern die Krise immer weiter verlängert, denn sie kann nicht auf dem Talboden ankommen, solange diese Kapitalmengen unterwegs und nicht vernichtet sind.

Gleichzeitig sind die Besitzer aber auch die Mächtigen in dieser Gesellschaft. Sie haben umfangreiche Möglichkeiten, den Verlust all dieser Werte zu verzögern. Und so vertieft sich die Krise, 2010, 2011, 2012 usw. usf.

Steht da oben, das seien nicht alle Vollidioten? Nun, das stimmt nur bedingt. Der Verband der Metallindustrie in Deutschland zum Beispiel spielt immer noch „business as usual“. Man verlangt von der Gewerkschaft, einen Teil der vereinbarten Lohnerhöhungen zu verschieben, was im Tarif-Vertrag für Firmen mit finanziellen Schwierigkeiten vorgesehen war. Sie haben bis heute nicht begriffen, was der Kern der Krise ist: Die Menschen auf der Welt haben nicht genug Geld, um all die produzierten Güter und angebotenen Dienstleistungen zu kaufen, deshalb muss ein Teil dieser Produktion und dieser Dienstleistungsangebote vernichtet werden. Wenn die Metall-Arbeitgeber also fordern, die Lohnerhöhungen zu verschieben, vertiefen sie so die Krise und gefährden ihre Betriebe noch mehr. Die Arbeiter dagegen, die auf den vereinbarten Erhöhungen bestehen, sind darauf aus, die Krise zu vermindern und den einen oder anderen Betrieb überleben zu lassen. Also Metall-Arbeitgeber hat offenbar nicht viel mit Intelligenz zu tun.

Nun fragt sich nur, werden die Völker der Welt sich wirklich gefallen lassen, für Jahre und Jahrzehnte durch die Krise und in Arbeitslosigkeit und Armut geschleppt zu werden, bis die Kapitalisten ihre faulen Gewinne losgworden sind? Oder wird sich nicht die Kenntnis darüber verbreiten, man muss sich nicht alles gefallen lassen. Es gibt den Sozialismus, in dem das Volk das sagen hat. Wer will da noch warten, bis der Kapitalismus sich ausgekrieselt hat?

Das sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht eine klare Mehrheit der Menschheit dem Kapitalismus den Todesstoss versetzt und die lichte Zukunft der Menschheit ohne Ausbeutung und Unterdrückung einleitete.


Veröffentlicht am 23. Februar 2009 in der Berliner Umschau


Lasst uns Geld machen...

...und die Göttergleichheit erreichen...

...aber leider funktioniert es nicht immer. Trotzdem wird es weiterhin versucht, mit dem Ziel, die Welt zu beherrschen. Eine wahrhaft größenwahnsinnige Idee, aber der Mensch ist nicht davon abzubringen - zum Mindesten einige dieser Spezies Mensch nicht.

http://www.medien-mittweida.de/aktuelles/artikel/2331.html


Von: Daniel Strunz

Schon gesehen? Let's make Money

Der Film zur Krise

Ein Film, der die Schieflage im Finanzsystem zu erklären versucht und zur richtigen Zeit erschienen ist. Der neue Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer redet nicht nur mit Betroffenen, sondern spricht auch mit den Bad Guys der Branche.

Reiche Deutsche im armen Indien

Deutsche Bank: Let's make MONEY Indien Chennai (Foto: Allegro Film)

"Die beste Zeit zu kaufen ist, wenn das Blut auf der Straße klebt. Ich füge hinzu: auch wenn es dein Eigenes ist". Dieses Zitat entstammt den Worten von Dr. Mark Mobius, dem Indiana Jones der Finanzindustrie. Er leitet den "Templeton Emerging Markets Fund" und kann wohl mit Recht als Heuschrecke bezeichnet werden. Von ihm als Interviewpartner begleitet, erfährt der Zuschauer, wie die ehemaligen Entwicklungsländer, heute lieber als "Emerging Market" bezeichnet, den Fonds der Welt immer größere Renditen garantieren, den Arbeitern in Indien aber nichts übrig lassen. Mobius hat über 50 Milliarden Dollar zu verwalten und sieht es selbst nicht als seine Aufgabe an, Gedanken an Umwelt und Gesellschaft zu verschwenden. Sein Job sei es, vernünftige Renditen für die Anleger zu erwirtschaften.

Der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer zeigt dem Zuschauer relativ wertungsneutral, wie das große Geschäft mit dem virtuellen Geld aufgebaut ist. Nachdem er zuvor bereits mit der Lebensmitteldokumentation "We Feed the World" für viel Furore sorgt, könnte ihm nun ein besonderer Clou gelingen. So hat der Film es bereits in der ersten Filmwoche auf den zweiten Platz in der Arthouse-Filmhitliste der AG Kino-Gilde geschafft.

Die "Täter" kommen zu Wort

Der gut gekleidete Neoliberalismus, welchen unter anderem Mobius propagiert, findet in dem Film sein hässliches Gesicht. Wagenhofer zeigt dem Zuschauer die Ungerechtigkeit des Baumwollanbaus in Burkina Faso. Eines der ärmsten Länder der Welt, weil US-Subventionen den Baumwollanbau im eigenen Land ermöglichen sollen. "Sie betreiben Protektionismus und verlangen von uns Liberalismus", schimpft Francis Kologo von Sofi tex Burkina Faso.

Dass westliche Subventionen in eigene Agrarprodukte die afrikanische Wirtschaft zerstören, wussten wir schon, aber noch nie haben wir dies in so klaren Bildern gesehen. Auch die anderen im Film verdeutlichten Fakten sind dem interessierten Bürger längst dank der Globalisierungskritiker von Attac und Co klar, doch anders als sonst kommen eben nicht die Kritiker, sondern die "Täter" selbst zu Wort.

Wagenhofer gelingen traurige Aufnahmen der verdorrten Landschaft, ohne ins Kitschige oder gar Mitleidige abzurutschen. In Afrika bleibend, erläutert der Filmemacher die Wertschöpfung von Gold. Sehr traurig erscheint dabei der filmische Beitrag zum Goldschürfen in Ghana. Gerade einmal drei Prozent des Gewinns aus Gold bleiben im Land. Der Rest wandert in den reichen Westen ab, ohne dass dort irgendwelche körperliche Arbeit getätigt wird.

Eine Spirale aus Wirtschaftsmanipulationen

Doch nicht nur die Subventionen zerstören die Wirtschaftssysteme der Entwicklungsländer. Der ehemalige amerikanische Wirtschaftskiller John Perkins verrät im Film, wie Amerika seine eigenen ökonomischen Interessen durchzusetzen versteht. Die sogenannten Economic Hit Men verführen Entwicklungsländer dank gezinkter Prognosen zu überteuerten Infrastrukturprojekten, um diese in finanzielle Engpässe zu drücken. Sobald die Länder die amerikanischen Kredite nicht zurückzahlen können, wird eine Spirale aus Wirtschaftsmanipulation aufgebaut. Wenn sich die Regierung des Landes weigert, dem Druck nachzugeben, dann wird anschließend mit Killern nach dem Leben der Beteiligten getrachtet oder "noch schlimmer" die amerikanische Armee marschiert ein. Das zumindest behauptet John Perkins im Film über zum Beispiel den Panamakrieg und den Krieg im Irak.

Aber auch in Europa passieren Dinge, die dem vernünftigen Zuschauer großes Kopfschütteln bringen. In Spanien wurden riesige Hotelanlagen an der Costa del Sol gebaut, welche nur als Investitionsobjekt genutzt werden. Renditen von bis zu 30 Prozent für leerstehende Hotels und Wohnungen zeigen eine völlig degenerierte Wirtschaftsform und entbehren jeder Logik. Oder das Cross Border Leasing, also die Privatisierung von Staatseigentum und das dazugehörige Leasinggeschäft wie etwa bei der Wiener Straßenbahn.

Läuft im gut sortierten Programmkino

Der Film erklärt auch den finanztechnisch durchschnittlich gebildeten Zuschauern gut die Zusammenhänge der globalisierten Finanzwelt und sollte unbedingt angeschaut werden. Zu sehen ist dieser großartige Dokumentationsfilm in allen gut geführten Programmkinos.


http://www.letsmakemoney.at/



Und dazu die fragwürdige Realität:


http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/02/stadte-in-not-verkaufen-ihr-wasser.html


Donnerstag, 26. Februar 2009

Städte in Not verkaufen ihr Wasser

In diesen Krisenzeiten wo Städte und Gemeinden dringend Einnahmen benötigen, tummeln sich die Aasgeier der Privatisierungsindustrie in den Amtsstuben um Beute zu machen. Die Politiker werden mit dem Versprechen geködert, verkauft eure öffentliche Infrastruktur an uns, dann bekommt ihr notwendiges Geld in die Kassen, ihr seid eine Verantwortung mehr los, und ausserdem machen wir die Dienstleistung sowieso besser und billiger.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, denn eine neue Studie der amerikanischen Food & Water Watch aus Washington DC hat festgestellt, Gemeinden und Städte erleben massiv höhere Preise und gleichzeitig einen schlechteren Service, welche ihre Wasserversorgung und Abwasserentsorgung an private Konzerne verkauft haben. Für einen kurfristigen Geldsegen der nicht lange anhält, verscherbeln die korrupten Politiker das Vermögen und die lebenswichtige Infrastruktur der Bevölkerung.

Private Firmen behaupten, dass sie einen effizienteren Service bieten und dass sie den Unterhalt billiger als die öffentliche Hand durchführen können“, sagt Wemoah Hauter, Exekutivdirektor von Food & Water Watch. „Solche Behauptungen sind nichts als Märchen. Private Wasserkonzerne sind nur ihren Aktionären gegenüber verantwortlich, nicht den Kunden welche sich auf diese lebenswichtige natürliche Ressource verlassen müssen. Die Lieferung von öffentlichen Wasser sollte niemals ein gewinnbringendes Geschäft für Privatkonzerne sein.

Die wichtigsten Aussagen des Berichtes sind:

- Ein landesweiter Preisvergleich zwischen öffentlichen und privaten Wasserversorgern zeigt, private Firmen verlangen 80 Prozent mehr für das Wasser und 100 Prozent mehr für Abwasserentsorgung als die öffentlichen Einrichtungen.

- Wie die Firmen die Kosten hochtreiben, an Investitionen sparen und die Umwelt belasten, um einen höheren Profit für ihre Aktionäre zu erwirtschaften.

- Die privaten Wasserfirmen zielen speziell auf die Wasserversorgung von armen, verwundbaren Gemeinden, mit eingeschränkter politischer Handlungsfähigkeit, welche sich nicht gegen den Ausverkauf des Wassers sträuben können.

Eure Stadt sitz auf einer Goldmine, nämlich die Wasserversorgung, aber auch andere wichtige öffentliche Infrastrukturen. Die Raubtierkapitalisten wissen das und schleichen deswegen um die Rathäuser. Sie wollen alles aufkaufen um ihr Geld noch rechtzeitig vor der Entwertung in echte Sachanlagen einzutauschen. Sie nutzen die Not der Städte aus und bieten ihnen grosse Summen, die für die Politiker sehr verlockend sind. Das ist aber nur ein kurzfristiges Denken, zum grossen Schaden der Allgemeinheit und späterer Generationen.

Warum sind die Konzerne so an den öffentlichen Infrastrukturen interessiert? Weil man damit riesige Gewinne machen kann. In meinem Artikel, "die Wasserrebellen von Emmenbrücke“ habe ich euch von einer Initiative berichtet, wo erfolgreich der Verkauf des Wassers verhindert wurde. Die Wasserversorgung erwirtschaftet 1,7 Millionen pro Jahr. Der Kaufpreis sollte 7,5 Mio sein. Mit dem Gewinn wäre die Investition in ca. 4 Jahren amortisiert gewesen. Ein riesen Geschäft für den Käufer. Deshalb sind sie ja so scharf darauf, die Wasserversorgung flächendeckend aufzukaufen, es geht um Profitmaximierung.

Wer sind die grössten Verbrecher auf diesem Sektor?

Veolia Environnement ist der grösste Wasser- und Abwasserkonzern der Welt. In insgesamt 68 Ländern auf allen fünf Kontinenten besitzt das Unternehmen Regionalgesellschaften. Im Jahre 2007 wurde ein Umsatz von 33 Milliarden Euro und ca. 2,5 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. Weltweit sind 319.502 Beschäftigte in den Geschäftsfeldern Wasser/Abwasser, Entsorgung, Energie und Transport für das Unternehmen tätig.

Suez Environnement ist eine Tochter des französischen Energieversorgungskonzern GDF Suez SA und umfasst die gesamten Aktivitäten in der Wasser- und Abfallwirtschaft der Suez Gruppe. Die Firma hatte einen Umsatz im Jahre 2007 von 12 Mrd. Euro mit 62 000 Mitarbeitern.

Beide Konzerne stehen unter scharfer Kritik wegen ihrer aggressiven Vorgehensweise beim Kauf der Wasserrechte und späteren Ausbeutung der Bevölkerung durch hohe Preise und Verschlechterung der Versorgung, speziell in der dritten Welt. So haben die Konzerne das Leitungsnetz in den Armenvierteln zusammenbrechen lassen und nur noch ein funktionierendes in den Wohngebieten der Reichen aufrechterhalten. Bei einem Gewinn strebenden Unternehmen ist ein sozialer Gedanke oder Solidarität mit Armen nicht am Platze. Wer die hohen Preise bezahlt wird bedient, die anderen können verrecken.

Deshalb protestierten Vertreter der betroffenen Bevölkerung aus Argentinien, Chile, Bolivien und den Philippinen am 13. Mai 2005 vor dem Hauptquartier von Suez in Paris und verlangten von den Aktionären mehr soziale Verantwortung. Es gab auch Demonstrationen vor den Büros der Suez in Paris, Buenos Aires, Quito, La Paz, London, Montevideo, Manila, Rom und vielen anderen Orten. Die Protestierenden verlangten das Recht auf Zugang zu sauberen bezahlbaren Wasser für jeden Menschen auf der Welt.

Wie wichtig und aktuell dieses Thema ist, zeigt der letzte James Bond Film „A Quantum of Solace“, wo es in der Story auch um die Wasserversorgung in Südamerika geht und wie die „Illuminati“ die Menschen damit kontrollieren, ausbeuten und riesige Gewinne machen wollen. Die Privatisierung der gesamten öffentlichen Infrastruktur ist ganz klar ein Teil des Plans der NWO. Das müssen wir verhindern.

An den Berliner Wasserbetrieben, dem grössten Wasserwirtschaftsunternehmen in Deutschland, hält die Veolia eine Beteiligung in Höhe von 24,95 Prozent. Die Firma betreibt in verschiedenen deutschen Städten die Wasserversorgung und Entsorgung, derzeit 4,84 Mio. Einwohner mit Trinkwasser und führt die Abwasserentsorgung für 4,6 Mio. Einwohner durch.

Seit 2005 finanziert die Veolia über ihre Veolia Stiftung Forschung und Lehre mit insgesamt 750'000 Euro eine Professur im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft am Institut für Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin. Das ist nicht Grosszügigkeit, sondern damit will man wohl im eigenen Sinne die Politik zum Ousourcing der Wasserwirtschaft lenken.

Die 10 wichtigsten Gründe warum die Wasserversorgung öffentlich sein muss:

1. Billiger: Der Preis ist grundsätzlich billiger bei einer Nonprofit-Organisation als bei einer die Gewinn erwirtschaften muss.
2. Mitbestimmung: Die Bevölkerung kann mitbestimmen. Bei einem Konzern nicht.
3. Region: Das Geld bleibt in der Region und verschwindet nicht im Konzern.
4. Service Public: Ein öffentlicher Versorger beliefert alle Bevölkerungsschichten und nicht nur die Reichen.
5. Umweltschutz: Öffentliche Systeme schützen eher die Umwelt als private Konzerne.
6. Kundenorientiert: Öffentliche Einrichtungen sind gegenüber den Bürgern verantwortlich und nicht wie bei Konzernen gegenüber den Aktionären.
7. Transparenz: Entscheidungen in öffentlichen Organisationen sind transparenter, werden gemeinsam erarbeitet, im Gegensatz zu Konzernen wo alles geheim ist und unbekannte die Entscheidungen treffen.
8. Finanzierung: Öffentliche Einrichtungen können sich günstiger Finanzieren als Privatkonzerne und deshalb den Preis tiefer halten.
9. Selbstbestimmung: Städte und Gemeinden denen das Wasser gehört sind unabhängig und entscheiden selber was gut für die Region ist, im Gegensatz zu weit entfernte Konzerne denen die Bedürfnisse der Bevölkerung egal sind.
10. Menschen vor Profit: Öffentliche Dienste haben den Menschen im Vordergrund, mit dem Ziel sicheres, sauberes, bezahlbares Wasser zu liefern, statt Konzerne die nur als Hauptaufgabe Gewinn erwirtschaften müssen.

Es ist die Aufgabe eines jeden von uns, diesen Ausverkauf in seiner Gemeinde zu verhindern. Wasser, Strom, Energie, Transport, Müllabfuhr usw. müssen in gemeinschaftlicher Hand bleiben oder in diese zurückgeholt werden, sonst sind wir abhängige Sklaven der Konzerne, die uns mit ihrem Monopol ausquetschen wie eine Zitrone.



Schulden abbauen

http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=6309&Itemid=44


Überschuldung ist vom Kapital gewollt und hat System PDF Drucken E-Mail
von Norbert Nelte 26.02.2009 - bisherige Aufrufe: 104

schuldnerberatung.jpgDie Überschuldung der schwächsten Lohnabhängigen hat System und ist von den Herrschenden so gewollt. 1985, als ich Schuldnerberater bei der Arbeiterwohlfahrt in Celle war, betrug die Überschuldungsrate 10% der Bevölkerung. Korcac gibt sie 2001 mit 7% aller Haushalte an (Wikipedia).

Nachdem große Anstrengungen von den Sozialverbänden mit Schuldnerberatungsstelen und gesetzliche Initiativen mit dem persönlichen Insolvenzrecht unternommen wurden, hat sich an dieser Zahl immer noch nichts geändert, sie beträgt nach wie vor noch heute 10%. Im Gegenteil gibt es immer mehr Niedrig- und Billiglöhner und wenn im Sommer 2009 die Arbeitslosigkeit explodiert, wird auch die Überschuldung enorm steigen, besonders in der nachfolgenden Inflation. Für das Kapital ist das kein Unfall.

Die Banken suchen ja gerade jetzt nach dem Subprime-Desaster neue Verdienstmöglichkeiten und heißen jeden überschuldeten Konsumenten willkommen, der knapp an der Wucherzinsengrenze ihr Leben lang Zinsen zahlt, ohne jemals die eigentliche Schuld abzutragen. Tausende solcher Kunden zahlen schon mal das Gehalt vom Vorstand.

Hierfür wurde das Marktsegment "Konsumentenkredite" (Ebli) Ende der 1950er Jahre geschaffen und in den70er Jahre dann die Kreditkarte, die das leichtere Einkaufen und Schuldenmachen ermöglichte. In meinem Büro als Schuldnerberater zeigte mir ein Schuldner einen gerichtlichen Mahnbrief, in dem auch eine kleiner Faltanzeige von Quelle mit verführerischen bunten Bildern steckte. Die Kapitalisten nutzen es vollkommen aus, dass der weniger ausgebildete Arbeiter kaum ein Selbstbewusstsein entwickelt und das mit dem Fetisch Ware kompensiert. Damit machen sie ihren kalkulierten Protest noch schwieriger und die Schuldner von der Arbeitgeberseite und der Gläubigerseite noch abhängiger, es ist nun auch für das Kapital ganz praktisch wenn der Arbeiter streiken will, dann mit dem gerichtlichen Mahnbescheid zu winken, ihn also von beiden Seiten in den Zangengriff zu nehmen.

Als Schuldnerberaterin oder -berater hilft man zwar 50 Familien auch im Kapitalismus, in der gleichen Zeit treiben die Konzerne, Banken, Gerichte, Kaufhäuser und Versandgeschäfte aber wieder tausende Familien in die Überschuldung,

Wir veröffentlichen hier meinen Artikel über die Praxis der Schuldnerberatung. Er ist zwar von den Reformisten der Arbeiterwohlfahrt überarbeitet worden, aber es fehlt im Wesentlichen nur die obige Aussage. Darüber hinaus kann man feststellen, dass zumeist heute die meisten Sachearbeiter die Logik der Kapitalinteressen folgen und der ALG-Empfänger bei wichtigen Terminen immer mit Zeugen auftreten und sich seine Pflichtleistungen schriftlich bestätigen lassen sollte.

Mir wurde nach einem Vergleichsangebot an Gläubiger von der Rechtsanwaltkammer Celle eine Anklage wegen Verstoßes gegen das Rechtsberatungsverbot für Nichtrechtsanwälte angedroht. Dieses Gesetz von 1934 stammt von den Nazis, die damit den von Berufsverboten sanktionierten jüdischen Rechtsanwälten, die Rechtsberatung dann anbieten wollten, auch dieses ihnen verboten wurde. Dieses Rechtsberatungsverbotsgesetz gibt es trotz SPD-Regierungen immer noch und damit werden heute die Schuldnerberater sanktioniert. Es ist also für Berater ratsam, dass sie mit linken Rechtsanwälten zusammen arbeiten, denn Schuldnerberatung ohne Rechtsberatung geht nicht, schon die Insolvenz geht ja nicht ohne Insolvenzverordnung. Jede Arbeitslosenberatung ist praktisch eine Rechtsberatung.

Das neue Insolvenzrecht fehlt natürlich ganz. Der Schuldner kann nicht mehr selbständig einen Vergleich erwarten, sondern muss eine offizielle Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, die dann bestimmte Regeln vorschreibt, z.B. dass man 7 Jahre lang die Raten abbezahlen muss, bevor der Schuldner nach dem Insolvenzrecht den Rest erlassen bekommt. Nur weiß ich nach der neuesten Entwicklung des Finanzmarktes auch nicht mehr, ob es dann den Kapitalismus und die Gläubiger überhaupt noch gibt.

Ansonsten kann der Aufsatz einerseits für Berater z.B. in Arbeitslosengruppen, aber auch für die Betroffen recht hilfreich sein.

Praxis der Schuldnerberatung, 1986

Der Sozialabbau und seine Folgen

In den letzten Jahren hat sich die Einkommensverteilung in der BRD wesentlich verändert. Von 1979 - 1984 stiegen die Nettolöhne der Arbeitnehmer nur um 14%, die Nettoeinkommen aus Unternehmertätigkeit dagegen um34%, während die Preise um 25% anzogen. Allein 1983 fiel das Auseinanderdriften der Einkommen noch krasser aus: Während die Nettogewinne preisbereinigt um 9,5% stiegen, sanken die Nettolöhne dagegen um 0,6%, nach Angaben der Bundesregierung von 80-84 um 5,7%. Somit wird auch ein immer größerer Kreis von Arbeitnehmern hilfebedürftig. Untertariflöhne, Kürzungen der Sonderzahlungen, Kurzarbeit, beruflicher Abstieg und der Überstundenabbau tragen mit zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten bei. Der Lohndruck durch die Arbeitslosigkeit reicht bis zur Gratisarbeit. In unserer Beratungsstelle in Celle häufen sich Berichte über unvergütete Probezeitarbeit, vorenthaltene Löhne aus mündlichen Arbeitsverträgen oder nicht ausgezahlte Löhne bei kalten Konkursen; alles sicher auch bundesweite Probleme.

So sind von den 22 Langzeitbetreuten der Celler Schuldnerberatung 12 Erwerbstätige (also 55%). Ähnlich ist es auch bei den Kurzberatenen. Diese Relation will keine Allgemeingültigkeit erheben, zeigt aber doch die allgemeine Schichtenstruktur der Überschuldeten auf. Ca. 300 Schuldner wurden insgesamt bisher beraten.

Das Resultat jahrelanger Kaufkraftverluste der Arbeitnehmer, z. B. durch überdurchschnittlich steigende Mieten und Mietnebenkosten ist die ständig steigende Verschuldung und Abhängigkeit von Kreditgebern. Noch auswegloser stellt sich die Überschuldung bei den von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe abhängig gewordenen Kollegen dar, die ihre Ratenverpflichtungen noch während ihrer Beschäftigungszeit mit höherem Einkommen und seinerzeit erfüllbaren Kreditverpflichtungen eingegangen sind. Aggressive Kreditwerbung und verlockende Ratenzahlungsangebote der Versandhäuser treiben die Schuldenspirale weiter hoch. Die Konsumentenschulden betragen bei 48% aller Haushalte in der BRD durchschnittlich bei 12.000 DM. 41% aller PKW und 30% aller Möbel werden auf Kreditbasis gekauft[1]. Viele Konsumenten und Kreditnehmer sind mit Kalkulationen, die ihre Haushaltsführung und die Tilgung sicherstellen sollen, schlichtweg überfordert.

Anforderungen an Schuldnerberatung

Qualifizierte Entschuldungshilfe wird in den Wohlfahrtsorganisationen immer wichtiger. Für diese Aufgabe, die bisher die Familien-, Resozialisierungs-, Arbeitslosenberatung und andere nebenher geleistet hatten, müssen mehr und mehr Fachkräfte auf Planstellen eingerichtet werden. Laut dem Kasseler Schuldner- und Verbraucherschutz[1] bestanden im Sommer 86 in der BRD bereits 80 spezielle Schuldnerberatungsstellen, davon 12 der Arbeiterwohlfahrt.

Schuldnerberatung sollte möglichst umfassend betrieben werden. Sie muß die Einnahmen-, Ausgabenseite und Entschuldungsstrategie der Ratsuchenden untersuchen. Das bedeutet, daß der Berater sich in Rentenversicherung, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld und -hilfe, Lohnsteuer, Kindergeld, Wohngeld, Mietrecht, bei Kauf- und Krediverträgen auskennen muß. Er muß Tipps für Einsparungen im Haushalt geben, Verhandlungsgeschick mit den Banken beweisen, sich über bestehende Hilfefonds und andere Hilfsprogramme informieren und er wird nicht zuletzt mit den psychosozialen Problemen seiner Klienten konfrontiert. Da all diese Aufgaben kaum in einer Person zu realisieren sind, bemühen sich die Schuldnerberatungsstellen zunehmend um Arbeitsteilung, arbeiten als Teil gutbesetzter Sozialberatungsstellen oder vermitteln zu Spezialberatungsstellen. Dringend anzuraten ist, bei Rechtsfragen, die weit mehr Spezialkenntnisse als das »Allgemeinwissen« des Beraters verlangen, an einen Rechtsanwalt zu verweisen. Falsche Beratung kann hier für den Ratsuchenden sowie für den Berater zu verheerenden Folgen führen. Natürlich ist auch wegen der unerlaubten Rechtsbesorgung nach dem Rechtsberatungsgesetz für die Schuldnerberatungsstellen der freien Wohlfahrtspflege oft eine Weiterverweisung an einen Rechtsanwalt unumgänglich.

Erfahrungen der AW-Schuldnerberatungsstelle

Der Ratsuchende findet den Weg zur Beratung anläßlich eines akuten Problemes wie drohende Zwangsräumung, Haushaltsenergieabstellung, Kontoüberziehungen, Lohnpfändungen mit drohendem Arbeitsplatzverlust usw. Es ist daher auch vorteilhaft, daß eine Schuldnerberatungsstelle durch gezielte Informationen per Handzettel oder Zeitungsartikel auf sich aufmerksam macht, um den Schuldnern ihre Schwellenangst zu nehmen, damit diese schon zur Beratung kommen, bevor fast alles zu spät ist. Andernfalls werden Löcher gestopft und neue aufgerissen, der Bank werden Ratenzahlungen oder dem Vermieter Mietschuldenabtragungen zugesagt, die gar nicht eingehalten werden können. Es entstehen neue Mahnkosten, und oft glaubt der Schuldner, seinen Verpflichtungen nur nachkommen zu können, indem er Hungertage einlegt. Das Ende sind dann die Nichteinhaltung existenzieller Kostenverpflichtungen für Miete, Strom usw. und totale Zusammenbrüche.

Als erstes muß daher nach der ersten Krisenintervention ein individueller »Haushaltsplan« erstellt werden mit Einnahmen, Ausgaben und Überschuß für die Schuldentilgung. Dabei wird der Ist-zustand festgehalten und zusammen mit dem Schuldner ein Finanzierungs-Plan entworfen.


Die Einnahmen des Schuldners

Die Einnahmen müssen bei Schwankungen über einen längeren Zeitraum festgestellt werden. Dabei stellen sich in der Realisierung immer wieder Schwierigkeiten heraus. Das Wohngeld wird zu spät genehmigt, Kindergeld wurde auf das alte Konto überwiesen, die Errechnung der Sozialhilfe ist von anderen Sozialleistungen abhängig, der Arbeitgeber läßt mit der Ausfüllung der Verdienstbescheinigung auf sich warten oder der Vermieter mit der Ausfüllung seiner Mietbescheinigung, es gibt immer noch Schlechtwettergeld, die Lohnsteuerrückzahlung kommt nicht. In diesen Momenten, da alle Planungen über den Haufen geworfen sind, ist eine psychosoziale Betreuung und ein Tätigwerden des Sozialberaters zur Beschleunigung der Zahlungen unentbehrlich.

Die Ämter selber - auch das Sozialamt - leisten immer weniger vor, was zu weiteren Mahnkosten bei den Betroffenen führt und einen sinnvollen Abzahlungsplan kaum mehr gewährleisten läßt. Dies führt zu immer mehr Improvisationen - der Schuldnerberater handelt letztlich auch so wie der Schuldner selber. Weitere Rechte müssen geprüft werden, wobei der Schuldnerberater oft den fachlichen Rat von Spezialberatern in Anspruch nehmen muß. Umfangreiche Gesetzestextsammlungen müssen zugelegt werden, wobei für BSHG und AFG eine Verordnungssammlung zu empfehlen ist, da Leitfäden oft zu kurz greifen, örtliche Bestimmungen verallgemeinern und manche Entscheidungen für die Betroffenen zu positiv darstellen.

Nur die Hälfte der Sozialhilfeberechtigten nimmt bekanntlich ihr Recht auf BSHG-Leistungen in Anspruch. Die Verzichtenden finden selten den Weg in die Beratungsstellen. Häufig werden einzelne Anspruchsmöglichkeiten von den Betroffenen, aber auch von den Sozialamtssachbearbeitern übersehen. Wenig wird auch die Möglichkeit in Anspruch genommen, über Lohnsteuerermäßigungen seine Einnahmen zu erhöhen, um damit besser Schulden abzahlen zu können. Wichtig ist auch, alle Amtsbenachrichtigungen rechtzeitig schriftlich durchzuführen, auch wenn z. B. nur die neue Kontonummer bekanntgegeben werden soll. Andernfalls könnten sich wieder neue, kaum zu überwindende Schwierigkeiten ergeben.

Zu erwähnen wäre noch die Möglichkeit von (erlaubten) Nebenarbeiten. Es ist bei den Sozialhilfeempfängern weitgehend unbekannt, daß sie nebenher bis zu 25% des Regelsatzes eines Haushaltsvorstandes verdienen können.Diese zusätzlichen etwa 100 DM können oft gute Dienste bei Vergleichen leisten. Ähnliches gilt für Arbeitslose und Frührentner. Jeder Berater hat selber begrenzte Möglichkeiten, Nebenarbeiten anzubieten. Die alleinstehende Mutter kann sich als Tagesmutter für ein 2. Kind anbieten. Dabei sollte der Hilfesuchende darauf aufmerksam gemacht werden, dass es von Vorteil ist, selber Anzeigen aufzugeben und dabei nicht die Geduld zu verlieren.

Die Summe aller Einnahmen stellt für viele Betroffene sowie auch für die Gläubiger oft eine unglaubliche Höhe dar. Wie viel oder wenig das aber wirklich ist, kann man erst nach Abzug der fixen Ausgaben ermessen.

Die Ausgaben des Schuldners

Oft wird bei Überschuldeten oder bei von finanziellen Engpässen Bedrohten unwirtschaftliches Verhalten vermutet. Die Praxis aber zeigt, daß in der überwiegenden Zahl aller Fälle die Schuldner, bevor sie sich an eine Beratungsstelle wenden, selber schon umfangreiche Einsparungen vorgenommen haben.

Nur bei Versicherungen sind in der Regel zu hohe Ausgaben festzustellen. Hier trägt aber weniger der Versicherte selbst die Schuld als die Versicherungen, die den Kunden mit aggressiven Verkaufsgesprächen geradezu in die Überversicherung drängen. Versicherungen können zudem meist nur langfristig gekündigt werden. Stellt man aber dar, daß man zu zahlen nicht mehr in der Lage ist und Zwangseintreibungen fruchtlos enden werden, sind die Versicherungen oft zu außervertraglichen Kündigungen bereit. Allgemein zu hohe Ausgaben sind noch bei neu von Arbeitslosigkeit Betroffenen festzustellen. Sie empfinden ihren Zustand nur als vorübergehenden und hoffen daher, die aufgerissenen Löcher bei Fortführung ihres früheren Lebensstandards bald wieder mit einem zu erwartenden Einkommen stopfen zu können. Hier sind intensive Diskussionen mit manchem Arbeitssuchenden über mehr Realismus angebracht, um ihn dann evtl. doch von der Notwendigkeit weiterer, schneller Einsparungen überzeugen zu können.

Zusätzlich zu den von dem Schuldner vorgenommenen Einsparungen wird auch dem Berater aus eigenen Erfahrungen oder der anderer Klienten noch einiges einfallen (Tesamoll an die Fenster, Preisvergleiche auflisten, Fahrrad statt Bus, Zigaretten selber drehen - oder kann man ganz aufhören? etc.). Bei kritischen Fällen ist es aber sicher von Vorteil, systematische Verbrauchsgewohnheiten zu untersuchen und (verbunden mit einer Familien- oder Verbraucherberatung) dem Konsumenten praktische Wege preisbewußten Haushaltens aufzuzeigen.

Nach Auflistung aller festen (laufenden) Kosten muß ein Ausgabensatz pro Kopf und Woche für die variablen Ausgaben festgesetzt werden, der bei Alleinstehenden 65 DM und bei Mehrpersonenhaushalten 50 DM pro Kopf nicht unterschreiten sollte. Bei vorübergehenden Notlagen kann man schon einmal kurzfristig unter diesen Sätzen bleiben. Die Gläubiger müssen immer darauf hingewiesen werden, daß auch diese Sätze über lange zeit kaum durchgehalten und eventuelle Nebenverdienste oder Sondervergütungen nicht voll abgeführt werden können, da immer wieder außergewöhnliche Belastungen wie Reparaturen, notwendige kleine Anschaffungen, Stromnachzahlungen usw. anfallen werden.

Schulden und ihre Rückzahlung

Nach Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben kommt der spannende Moment der Errechnung des Überschusses bzw. der Unterdeckung. Hier stellt sich bei dem Ratsuchenden oft Ernüchterung ein, weil er selber höhere Abzahlungsraten versprochen hat und ihm jetzt erst die Unmöglichkeit ihrer Einhaltung vor Augen geführt wird. Auf Grund dieser Berechnung kann er verstehen, warum er bisher die versprochenen Raten gar nicht einhalten konnte und wird somit auch erst den Gläubigern überhaupt dieses Problem vermitteln können.

Bei der Auflistung der Schulden sollten die einzelnen Forderungen, getrennt nach Kredithöhe und Kreditkosten der Gläubiger, die lfd. Zinsen und die Soll-Zahlungsrate erfaßt werden. Die Schulden listet man auf Grund der unterschiedlichen Verfahrensmöglichkeiten am besten getrennt nach öffentlich-rechtlichen, privaten, Bankgläubigern usw. auf. Alle Posten werden dann noch einmal durchgeprüft und ein möglicher Abzahlungsplan erstellt. Nach Feststellung aller Daten kann dann eine Entschuldungsstrategie gemeinsam erarbeitet werden.

Vorerst ist aber noch zu prüfen, ob auch genügend Einnahmen zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten gesichert sind. Hierbei stößt man auf einen Widerspruch der Gesetzgebung. Nach § 4 BSHG ist Sozialhilfe nicht pfändbar. Eine richtige Entscheidung zur Sicherung der Mindestlebenshaltungskosten. Auch wenn der Sozialhilfeempfänger von seiner Hilfe noch 50 oder 100 DM monatlich für den Schuldendienst abzweigen will, so kann man durch den Pfändungsschutz leichter auf Grund der Freiwilligkeit auch Konzessionen seitens der Gläubiger einhandeln. Bezieht aber der Schuldner noch andere Einnahmen, auch wen er noch zusätzlich ergänzende Sozialhilfe erhält, dann sind diese entgegen den Aussagen vieler Kommentare pfändbar. Ein Sozialhilfeempfänger kann seine Einnahmen voll behalten, dem Lohnarbeiter mit dem gleichen Einkommen wird aber noch etwas weggepfändet, so daß er meist ein Einkommen weit unter dem Sozialhilfesatz erzielt. Hierzu wird von den Betroffenen zu Recht Unverständnis geäußert, und sie fragen sich, warum sie überhaupt noch arbeiten, wenn sie dadurch weniger Einkommen haben und dies nur als Strafe für ihre Arbeit verstehen können. Deswegen ist unbedingt eine Gesetzesinitiative erforderlich, und zwar eine Erhöhung der Pfändungsfreigrenze, so daß grundsätzlich alle Einkommen zumindest bis zum Sozialhilfebedarfssatz pfändungsfrei bleiben.

Ein anderes, häufig auftretendes Problem ist auch, daß die Kreditraten von dem auf das Girokonto eingehenden Einkommen gleich abgezogen werden, wenn beide Konten bei der selben Bank geführt werden.Somit verbleibt den Schuldnern oft auch zu wenig für den laufenden Bedarf und ihnen wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als bei einem anderen Institut ein neues Girokonto zu eröffnen. Sollten diese sich wegen der negativen Schufa-Auskunft verweigern, dann wird es meist noch möglich sein, dieses bei der Post zu eröffnen.

Das Entschuldungsverfahren

Es gibt eine große Anzahl von Sanierungsmethoden und unzählige Kombinationen. Jeder Fall hat praktisch seine Besonderheit und muß deshalb unterschiedlich behandelt werden.

Die unkomplizierteste Art bei Rückzahlungsschwierigkeiten ist die Ratenaussetzung bzw. die Ratensenkung. Bei der Ratenaussetzung werden hohe Kosten berechnet, die aber oft sittenwidrig sind, wobei dann am Ende der Ratenzahlungen dieser Betrag einbehalten werden kann. Unter Umständen kann auch ein Antrag auf eine kostenlose Ratenaussetzung Erfolg haben. Zur Umgehung von kostenaufwendigen Ratenaussetzungen sollte man aber erst die Möglichkeiten prüfen, ob man Vorschüsse auf absehbare Zahlungen wie Lohnsteuer oder Wohngeld erhalten kann. Auf einen Antrag nach Ratensenkung gehen die Banken relativ schnell ein, denn somit erhalten sie recht lange einen Dauerkunden für ihr Kreditgeschäft. Daher sollte der Schuldner vor einer allzu starken Kürzung gewarnt werden und eher durch weitere Ausgabenkürzungen die bisherige Rate beibehalten werden.

Liegt die maximal mögliche Ratenzahlung noch immer unter den Zinsen oder auch nur knapp darüber, sind andere Wege zu suchen. Einmal kann man mit dem Gläubiger selber Zinsaussetzungen auszuhandeln versuchen oder sich um einen zinsfreien bzw. zinsgünstigen Kredit bei einer Stiftung, dem Sozialamt oder anderen Umschuldnern (z. B. Fonds) bemühen. In besonderen Fällen sind auch gestaffelte Raten möglich, wenn in Zukunft beispielsweise mit einer Einkommenserhöhung oder mit saisonal unterschiedlichen Einkommen zu rechnen ist. Auf Grund der zur Zeit niedrigen Zinsen geben die Banken auch bei festen Verträgen mit den Zinssätzen nach, wenn man auf entsprechende Angebote der Konkurrenz hinweist. Laut Verbraucher-Zentrale sind Umschuldungen nur bei einem Nachlaß von über 3% sinnvoll,[1] daher ist von dem Gebrauch der letzten Möglichkeit eher abzuraten. Anders ist das natürlich bei Schuldnern, die im Grunde genommen ihre Schulden begleichen können und nur in Schwierigkeiten geraten sind, weil mehrere Gläubiger zur gleichen Zeit ihre Forderungen eintreiben wollen.

Liegt der effektive Zinssatz bei über 20%, wird der Kredit nach der Formel in der Broschüre der Verbraucher-Zentrale[2] auf seine Sittenwidrigkeit hin überprüft. Die Verbraucher-Zentrale sieht diese bei einem um 91% über dem Schwerpunktzinssatz liegenden Zins als gegeben an. Die AGV bestätigt Sittenwidrigkeit schon bei 85% über dem Schnitt.[3] Liegt Sittenwidrigkeit vor, so kann man, ist die Hauptforderung beglichen, die Zahlung einstellen und die Mahnungen einem Rechtsanwalt übergeben. Andernfalls kann man bei einem positiven Urteil die Hauptforderung zinslos bis zu dem Ende der ursprünglichen Laufzeit des Kreditvertrages zurückbezahlen.

Liegt eine langfristige Unterdeckung vor, dann wird ein Entschuldungsverfahren komplizierter. Dies ist bei der Mehrzahl der Ratsuchenden der Fall, da die oben beschriebenen Möglichkeiten von den Schuldnern selber, bevor sie eine Beratungsstelle aufsuchen, meist erfolglos versucht wurden. Ein wiederholter Anlauf mit besserer Argumentation sollte aber dennoch unternommen werden.

Die Erhaltung des Arbeitsplatzes von Arbeitnehmern bzw. von Beschäftigungs-Chancen bei der Arbeitssuche ist für Schuldnerberater oberstes Ziel. Hiervon hängt auch im wesentlichen die Stabilität des Schuldners und seiner Familie ab. Im Interesse der Klienten sind also Lohnpfändungen auf alle Fälle zu verhindern, weil diese oft - und so formell nicht begründet - zu Kündigungen oder Einstellungsablehnungen bei Bewerbungen um einen neuen Arbeitsplatz führen.

Bei Sozialhilfeempfängern sollten sich eigentlich Vergleiche und auch Ratenvergleiche leichter durchsetzen lassen, da bei ihnen Zwangseintreibungen nicht möglich sind. Dies ist auch weitgehend bei Privatgläubigern der Fall. Öffentlich-rechtliche Gläubiger sind sogar bei einer fundierten Begründung zu ersatzlosen Ausbuchungen zu bewegen. Schwerer mit Ratenvergleichen tun sich die Banken. Örtliche Banken bzw. Sparkassen kann ein Berater noch eher zu Konzessionen bewegen, da die Entscheidung vor Ort gefällt wird, für die Kleinbanken Konsumentenschulden einen wesentlichen Posten ausmachen und auch kommunalpolitische Einflüsse eine Rolle spielen können.

Anders verhält es sich bei den Großbanken. Ihre geringere Flexibilität drückt sich darin aus, dass der örtliche Filial-Abteilungsleiter .keine Entscheidungen fällen kann und die Zentralen sich mit solchen arbeitsaufwendigen, für sie nebensächlichen Forderungseintreibungen kaum beschäftigen wollen.

Auch dann, wenn man im Falle der Arbeitsaufnahme die volle Rückzahlung des ursprünglichen Kredites anbietet, wird oft lapidar in Antwortschreiben auf Vergleichsanträge ein fehlender »guter Wille vermutet und Vollstreckungsmaßnahmen bei einer möglichen Arbeitsaufnahme angedroht. Dabei ist es kein Geheimnis, daß bei Vorstellungsgesprächen von Arbeitgebern die Frage nach evtl. Schulden gestellt wird, was bei einer Bejahung zu Nichteinstellungen führen kann. Somit wird die Bank also kaum die Chance zu Pfändungen erhalten. Man gewinnt deshalb bei den Verhandlungen den Eindruck, daß die Banken lieber auf einen teilweisen Zahlungsrückfluß verzichten, um nicht mit ihrem Prinzip der Vollstreckung bei Zahlungsverzug brechen zu müssen.

Einerseits sollte eine »Lobby« entstehen, die die Bankzentralen zu einem flexibleren Verhalten veranlaßt, andererseits Inanspruchnahme auf eine Stiftung zwecks Umschuldung möglich sein. Bietet man bei unpfändbaren Einkommen der Bank oder den anderen Gläubigern Teilrückzahlung in einer sofort zahlbaren Summe an, gehen diese erfahrungsgemäß schnell darauf ein. Die bestehenden zentralen Stiftungen tun sich allerdings in den Fällen der Unpfändbarkeit schwer, weil sie befürchten, daß sie ihre Kredite abschreiben müssen. Außerdem springen sie häufig nur bei (kinderreichen) Familien oder Haftentlassenen ein.

Eine höhere Flexibilität bescheinigt Ulf Groth bei seiner Untersuchung den regionalen Fonds. Diese können enger mit den örtlichen Sozialberatern zusammenarbeiten. Bei Rückzahlungsverzug ist also eine Zwangseintreibung wie für den Zentralfond gar nicht so notwendig, da der Berater bei erneut auftretenden Schwierigkeiten in der Schuldnerfamilie helfend eingreifen kann. Durch eine ganzheitliche Betreuung wird eine Weiterzahlung der Raten eher möglich gemacht. Dem wäre noch hinzuzufügen, daß diese Fonds in ihren Vergaberichtlinien die Bedingung stellen sollten, daß sie nur bei einem Verzicht der Gläubiger auf z. B. mindestens 50% der Forderung einspringen. Fehlt dieser Hinweis, werden die Banken und Versandgeschäfte sonst höhere Forderungen stellen.

Perspektiven der Schuldnerberatung

Manchmal wird kritisiert, dass durch intensives Eingreifen des Beraters Klienten entmündigt und abhängig gemacht werden. Aber jeder Berater wird sicher soweit wie möglich den Hilfesuchenden über die notwendigen Schritte aufklären und soviel wie möglich in dessen Händen belassen. Vielmehr ist es das undurchschaubare Recht, die Verordnungsflut und die Überlastung der Sachbearbeiter auf den öffentlichen Ämtern, die zur Hilflosigkeit der Laien führen. Daß ein Kunde des Schreibens unkundig ist, bleibt sicher die Ausnahme. Um aber grundsätzlich den »mündigen Schuldner« vorfinden zu können, sollten Haushaltsführung und -planung, Umgang mit Behörden und Gläubigern, Schriftverkehr, Miet und Vertragsgesetze, Verbraucherschutz usw. in den Schulen berücksichtigt werden und müssen noch mehr Eingang in unsere Medien finden. Klienten wagen sich erfahrungsgemäß meist immer erst »Fünf vor Zwölf« in eine Beratungsstelle. Verschämt tragen sie Details ihrer Finanzsorgen vor. Sie selber haben die Flut der Vorurteile gegenüber Arbeitslosen und Armen verinnerlicht. Auf Grund ihrer genauen Kenntnisse haben die Schuldnerberater besonders die Verantwortung, sich in der Öffentlichkeit mit den Schuldnern zu solidarisieren. Nur so werden die Betroffenen sich leichter zu ihren Problemen bekennen können und rechtzeitiger um Rat anfragen.

Literatur

Sozialhilferatgeber, Arbeiterwohlfahrt, Bezirksverband Oldenburg, Klingenbergstr. 73.

Leitfaden für Arbeitslose für Sozialhilfe für Behinderte. FB Sozialarbeit, Limescorso 5, 6 Frankfurt 50.

Arbeitslosen- und Sozialhilfeleitfaden, Sozialpädagogisches Institut der AW Berlin, Hallesches Ufer 32-38, 1000 Berlin 61.

Steuern für Arbeitnehmer im Dauerbezug, Bund-Verlag, Köln. AFG 1985, Bund-Verlag, 5 Köln 90, Postfach 90 08 40. BSHG-Kommentar, Mergler/Zink, Loseblattsammlung, Kohlhammer-Verlag.

BSHG-Kommentar, Schellhorn und Sozialhilferecht von Schellhorn, Bund-Verlag. Hinweise zur Sozialhilfe, Elbe-Druckerei, Hannover.

Hilfe für verschuldete Arbeitnehmer, Verbraucher-Zentrale NRW, Düsseldorf »Schuldenregulierung als praktische Sozialarbeit« in Theorie und Praxis der sozialen Arbeit 5/85, S. 177.

Blätter der Wohlfahrtspflege Nr. 10/85 »Schuldnerberatung in der sozialen Arbeit«, Wohlfahrtswerk, Falkertstr. 29, 7000 Stuttgart 1.

Wenn das Wasser bis zum Hals steht, Ulf Groth, Sozialmagazin, April 1982. Borgen ohne Sorgen?, Verbraucher-Zentrale Niedersachsen.

Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Hrsg. Arbeitskammer des Saarlandes.

Schuldenregulierung 1984, ISS, Am Stockborn 5-7, 6 Frankfurt 50.

Schuldnerberatung in der Sozialarbeit, Jugendamt der Stadt Grevenbroich, Postfach 10 05 40, 4048 Grevenbroich 1.



[1] Sittenwidrige Ratenkredite, Verbraucher Zentrale Hamburg, 1983.

[2] Siehe ebd.

[3] Hannovershe Allgemeine Zeitung „Viele Kredite überteuert", 24.9.1983



[1] Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung per Adresse: Schuldner- und Verbraucherschutz Kassel, Gottschalkstr. 51, 3500 Kassel, Tel.: 05 61/89 30 99.


[1] Ulf Groth, Schuldnerberatung, Frankfurt 1985, Campus-Verlag

Letzte Aktualisierung ( 26.02.2009

We want never forget...


...weder das Eine, noch das Andere - also auch Gaza nicht.

Morgen ist der 27. Februar - vor zwei Monaten, am 27. Dezember, am zweiten Weihnachtsfeiertag, als mir das Fest gründlich verleidet wurde, begann das Abschlachten der eingesperrten Palästinenser durch die israelischen Angriffe.

Und immer noch ist kein Friede, kein Ende des Leidens für die Palästinenser abzusehen - wie auch nicht für die Afghanen und Pakistanis. Überall werden Kriege ausgeweitet, und die Einzigen, die sich dabei die Hände reiben, sind jene, welche die Waffen und sonstiges Material dafür her- und bereitstellen.
Nein, ich will nicht vergessen !

Viva Palestine !




















http://www.vivapalestina.org/deutsch.htm


VIVA PALESTINA!

Konvoi für humanitäre Unterstützung – Eine Transportkette für GAZA



Vom 14. Februar bis zum 9. März, von Londen nach Gaza, über Paris, Madrid, Rabat, Alger, Tunis, Tripoli, Le Caire und andere Städte......

Ende Januar 2009 war die Liste der Toten in Gaza mit 1300 Menschen, davon waren es 400 Kinder....Noch heute werden aus den Trümmern Leichen ausgegraben.......

Während die Zahlen der Leichen in Gaza steigen, sind die Anführer der Welt und die Medien noch auf der Recherche über eine andere aktuelle Nachricht.

Wir dürfen uns nicht ablenken lassen. Wir müssen aufmerksam bleiben. Die Palästinenser in Gaza brauchen jetzt sofort unsere Hilfe, wie sie es schon immer benötigt haben als diese Regenbomben und andere illegale israelischen Waffen.
Überall auf der Welt, tausende von Menschen haben sich für Palästina eingesetzt und geäußert, haben vor den Fernsehbildern getrauert und fühlten sich machtlos vor diesem Leiden.

Unsere menschliche und bürgerliche Antwort ist die Organisation eines Konvoi’s für humanitäre Hilfe der Bevölkerung in Gaza. Der Konvoi umfasst insbesondere Krankenwagen aus Schottland, Feuerwehrfahrzeuge aus Nordwest England und mindestens 27 Fahrzeuge aus London.
Er verlässt die britische Hauptstadt am 14. Februar 2009 und durchfährt Frankreich, Spanien, Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten um durch den Grenzübergang Rafah nach Gaza einfahren zu können.

Dieses Konvoi wird natürlich den Palästinensern materielle Hilfe leisten, aber auch eine Medienunterstützung, worauf wir hoffen das die Ursache und das Leiden der Palästinenser mehr ausgestrahlt wird.

Jedoch auch das während der Expedition, die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit während der diversen Veanstaltungen in verschiedenen Städten, zunimmt.

Die Spenden und Hilfsgüter wurden quer durch Grossbritannien gesammelt. Diese hatten einen beachtlichen Erfolg.

Sie, die Bürger der Welt, können ebenso das gleiche durchführen und uns in diesem Projekt unterstützen :

1) Förderung des Projekts :
Kontaktieren Sie Verbände und Medien die geeignet sind um über unsere Initiative aufmerksam zu machen, nationale und regionale Fernsehunternehmen, Zeitschriften- und Zeitungsverlage, verschiedene Radiosender.....Lasst es krachen !

Unterstützen Sie uns in grosser Anzahl während unserer Durchfahrt in Ihren Länder. Unsere Reiseroute wird je nach der Reise aktualisiert und ist abrufbar auf den folgenden Link :www.vivapalestina.org/route

2) Finanzielle Spenden :

Organisieren Sie die Sammlungen von Spenden, so dass der Konvoi mit Erste- Hilfe Ausrüstung und anderen Hilfsgütern umgewandelt wird, die die Bewohner in Gaza benötigen.
Senden Sie Ihre Spende auch über :
- PAYPAL Zahlung

- per Banküberweisung :
Nom de Compte: "Palestine Lives 2008"
Kontoname : "Palestine Lives 2008"
Bank: HSBC
Adresse:
HSBC
2 Yorkshire street
Rochdale
OL16 1EE
UK
Bankleitzahl: GB71MIDL403901016*93247
BIC SWIFT MIDLGB2151T

Vielen Dank und VIVA PALESTINA !!!

Jeder einzelne Mensch ein Versuchskaninchen...

http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005581.html


Gaza: Todeslabor

Von Conn Hallinan - Foreign Policy In Focus, 11.02.2009

Eric Fosse, ein norwegischer Kardiologe, arbeitete während des letzten Krieges in Krankenhäusern im Gazastreifen: "Es war, als wären sie auf eine Mine getreten", sagte er über einige palästinensische Patienten, die er behandelte. "Aber es gab keine Splitter in den Wunden. Einige hatten ihre Beine verloren. Es sah so aus, als wären sie abgeschnitten. Ich war seit 30 Jahren in Kriegszonen, aber ich habe nie vorher solche Wunden gesehen." Dr. Fosse beschrieb die Auswirkungen einer tödlichen US-Waffe, die den Explosivschaden an Bauten gering hält, aber fürchterliche Wunden in ihren Opfern hinterlässt. Aber woher haben die Israelis diese Waffen? Und war ihre weit verbreitete Anwendung in Gaza ein Test für eine neue Generation von Explosivstoffen?

Zum Tode verurteilt

Die spezielle Waffe wird Dense Inert Metal Explosive (DIME) genannt. Im Jahr 2000 hat sich die US-Luftwaffe mit der Lawrence Livermore Nationallabor der Universität Kalifornien zusammen getan. Die Munition ist eingehüllt in hohe Explosivstoffe mit Wolframverbindungen und anderen Metallen wie Kobalt, Nickel oder Eisen in einem Kohlefaser-Epoxyd-Container. Wenn die Bombe explodiert, verdampft der Container und das Wolfram wird zu Mikrosplittern, die innerhalb eines 4m-Radius extrem tödlich wirken. Wolfram ist ein ungemein widerstandsfähiges Metall, es verbindet sich nicht mit dem Sprengstoff. Während ein (non-inert) Metall wie Aluminium die Explosion vergrößern würde, hält Wolfram die Explosion tatsächlich innerhalb eines begrenzten Gebietes.

Innerhalb der Reichweite der Munition ist es ungewöhnlich tödlich. Nach dem norwegischen Arzt Mad Gilbert sind die Folgen der Explosion mehrfache Amputationen und sehr schwere Brüche. Die Muskeln lösen sich von den Knochen und hängen lose. Dazu gibt es schwere Verbrennungen. Die meisten, die die anfängliche Explosion überleben, erliegen schnell einer Blutvergiftung und einem Organzusammenbruch. Anfangs scheint alles in Ordnung … aber bei einer Operation stellt sich heraus, dass Dutzende winziger Teile in allen Organen gefunden werden, sagt Dr. Jan Brommundt, ein deutscher Arzt, der in Khan Yunis arbeitet. Es scheint eine Art von Explosivstoff oder Granate zu sein, die sich in winzige Teilchen aufteilt und in alle Organe dringen. Diese winzigen Verletzungen kann man chirurgisch nicht behandeln. Nach Brommandt verursachen diese Teilchen vielfache organische Behinderungen.

Wenn durch irgendein Wunder ein Opfer diese Umstände überlebt, bekommt es ziemlich sicher einen besonders tödlichen Krebs, der sich tief im Gewebe bildet und der sich kaum behandeln lässt. Eine Studie der US-Gesundheitsabteilung von 2005 fand heraus, dass Wolfram auch in sehr geringen Dosen RMS-Krebs erregt. Alle 92 getesteten Ratten bekamen Krebs.

Während DIME ursprünglich dafür bestimmt war, Kollateralschäden bei den üblichen hochexplosiven Bomben zu vermeiden, wird seine tödliche Gefährlichkeit und auf lange Sicht seine Giftigkeit kaum als Verbesserung angesehen.

Es scheint, dass DIME-Waffen schon bei der israelischen Invasion 2006 im Libanon angewandt wurden, aber noch nicht so, dass Mediziner alarmiert wurden. Aber im Gazastreifen wurde sie jetzt weitgehend benützt. Im Al-Shifa-Krankenhaus wurden allein 100-150 Opfer dieser Angriffe gesehen.

GAZA als Testgebiet

Dr. Gilbert sagte zum Osloer Gardermoen: "Es besteht der starke Verdacht … dass der Gazastreifen als Testlabor für neue Waffen verwendet wurde."

Marc Garlasco, ein ranghoher Human Rights Watch Militärberater, sagt, "nun bleibt uns nur noch, herauszukriegen, wie Israel an die Technologie gekommen ist, ob es die Waffen aus den USA nach irgendeinem Abkommen bekommen hat oder ob es seine eigene Art von Munition entwickelt hat."

Der Kongress hatte tatsächlich $77Millionen für den Kauf von 1.000 GBU-39s im September 2008 bewilligt, und die Waffen wurden im Dezember geliefert. Israel war der erste ausländische Empfänger von DIMES.

DIME-Waffen sind von den Genfer Konventionen noch nicht geächtet, weil sie bis jetzt noch nicht offiziell getestet wurden. Doch ist die Anwendung jeder Waffe, die solch horrenden Schaden verursacht, normalerweise verboten, besonders im am dichtesten bevölkerten Gebiet der Welt.

Zunächst einmal weiß keiner, wie lang Wolfram in der Umwelt bleibt und wie weit es auf Menschen wirkt, die zu ihren mit DIME angegriffenen Häusern kommen. Der Krebsforscher der Arizona-Universität Dr. Mark Witten, der die Verbindung zwischen Wolfram und Leukämie untersucht, sagt, dass seiner Meinung nach die Auswirkungen auf die Gesundheit noch viel mehr untersucht werden müsse, bevor das Militär seine Anwendung erweitert.

Außer DIME

DIME war nicht die einzige fragwürdige Waffe/Munition, die im Gazastreifen angewendet wurde. Die IDF machte auch großzügigen Gebrauch von weißem Phosphor, einer Chemikalie, die unter großer Hitze verbrennt und am Opfer schreckliche Brandverletzungen hinterlässt. In Form von Dampf schädigt es auch die Atemwege. Das Völkerrecht verbietet seine Anwendung in der Nähe von besiedeltem Gebiet und fordert, dass alle Maßnahmen ergriffen werden, um Zivilisten zu schonen.

Israel hat zunächst geleugnet, dass es diese Chemikalie angewandt hat. "Die IDF würde nur in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht handeln und keinen weißen Phosphor anwenden", sagte Israels Generalstabschef Gabi Ashkenazi am 13. Januar.

Aber Augenzeugenberichte aus Gaza und Israel zwangen die IDF bald, zuzugeben, dass sie tatsächlich diesen Stoff verwendet haben. Am 20. Januar bekannte die IDF, dass sie Phosphor-Artilleriegranaten als Rauchschirm benutzt hätten und 200 in den US-fabrizierte M825A1-Phophorgranaten auf Hamas-Kämpfer und Qassam-Werfer-Mannschaften im Norden Israels abgefeuert hätten.

Drei dieser Granaten schlugen am 15. Januar in den UN-Agenturbereich und setzten ihn in Brand und zerstörten Hunderte von Tonnen humanitärer Vorräte. Eine Phosphorgranate schlug auch ins Al-Quds-Krankenhaus in Gazastadt ein. Die Israelis behaupten, es seien in ihrer Nähe Hamas-Kämpfer gewesen, was Zeugen hartnäckig bestreiten.

Donatella Rovera von Amnesty International sagte: "Solch extensiver Gebrauch dieser Waffen in den dicht bevölkerten Wohngebieten des Gazastreifens … und die hohe Zahl ziviler Opfer ist ein Kriegsverbrechen."

Israel wird auch angeklagt, es habe auch Depleted Uranium-Munition (DU) angewandt, was eine UN-Unterkommission 2002 als Verletzung der Universalen Menschenrechte, der UN-Charta, der Genfer Konventionen, der Internationalen Konvention gegen Folter, der Konvention über Konventionelle Waffen und der Haager Konvention gegen die Anwendung von Giftwaffen bezeichnet.

DU ist nicht hoch radioaktiv, aber nach dem Explodieren verwandelt sich ein Teil in Gas, das leicht inhaliert werden kann. Das dichte Schrapnell gräbt sich tief ein, und hinterlässt im Grundwasserspiegel niedrige Radioaktivität.

Kriegsverbrechen?

Andere Menschenrechtsgruppen, einschließlich B’tselem, Gisha und der Ärzte für Menschenrechte klagen die IDF an, bewusst, medizinisches Personal angegriffen, über ein Dutzend getötet zu haben einschließlich Sanitätern und Ambulanzfahrern.

Die Internationale Föderation für Menschenrechte rief den UN-Sicherheitsrat dazu auf, Israel vor dem Internationalen Gerichtshof wegen möglicher Kriegsverbrechen zu konsultieren.

Obwohl Israel die Anklagen wegen Kriegsverbrechen abweist, ist das israelische Kabinett besorgt und hatte am 25. Januar ein Sondertreffen, um das Problem zu besprechen, Israel habe unverhältnismäßige Gewalt angewandt. Die Genfer Konventionen fordern Kriegsparteien auf, immer zwischen Kämpfern und Zivilisten zu unterscheiden und überproportionierte Gewalt, mit der militärischer Gewinn gesucht wird, zu vermeiden.

Nach den Konventionen ist die Anwendung von unlenkbaren Raketen nach Israel durch die Hamas auch ein Kriegsverbrechen. "Der große Unterschied bei den Opferzahlen ist ein Maßstab der Unverhältnismäßigkeit", sagt Richard Falk, der UN-Menschenrechtsbotschafter für die besetzten Gebiete. Im Ganzen wurden 14 Israelis während des Kampfes getötet, davon drei Zivilisten durch Raketen, elf Soldaten, vier von ihnen durch "friendly fire". Etwa 50 Soldaten wurden verletzt.

Im Vergleich dazu sind 1330 Palästinenser gestorben und 5450 wurden verletzt, der größte Teil von ihnen Zivilisten.

"Die Art des Kampfes stellt eine eklatante Verletzung der Gesetze über Kriegsführung dar. Wir bitten darum, dass sie von der Kommission für Kriegsverbrechen untersucht wird, sagt eine Koalition von israelischen Menschenrechtsgruppen und Amnesty International in einem gemeinsamen Statement. Der Staat Israel hat zweifellos die Verantwortung.

Nach Den Haag?

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, dass der Justizminister Daniel Friedmann die Verteidigung eines jeden wegen Kriegsverbrechen angeklagten Soldaten oder Kommandeurs koordinieren würde. Auf jeden Fall würden die USA mit ihrem Veto jede Bemühung durch den UN-Sicherheitsrat verhindern, der Israelis vor das Internationale Kriegsverbrechertribunal bringen möchte.

Aber die Financial Times weist darauf hin, dass alle Länder die Verpflichtung haben, all jene zu suchen, die schwerwiegende Verletzungen der Kriegsregeln begangen haben und sie vor Gericht zu bringen, oder einem Land auszuliefern, das dies macht.

Das war die Grundlage nach der die britische Polizei den chilenischen Diktator Augusto Pinochet 1998 verhaftet hat.

"Wir befinden uns mit dem Internationalen Recht/Völkerrecht während einer dramatischen Veränderung", sagte der Rechtsberater von Amnesty International, Christopher Hall, der Financial Times, die sagt, der israelische Außenminister prüft bereits das Risiko für Israelis, ins Ausland zu reisen.

"Es ist wie bei roter Ampel eine Straße zu überqueren", sagt er, "das Risiko mag gering sein, aber man denkt zwei mal nach, bevor man ein Verbrechen begeht oder zu reisen, wenn man eines begangen hat."

Conn Hallinan ist Kolumnist bei Foreign Policy In Focus .

Übersetzung: Ellen Rohlfs

Wir sind das Letzte ...

... am Hindukusch, und ballern dafür auch noch Geld in die Wüste...

http://tammox.blogspot.com/2009/02/verteidigung-am-hindukusch.html


Donnerstag, 26. Februar 2009

Verteidigung am Hindukusch

Kaum ein Deutscher kennt Afghanistan so gut wie der 60-Jähriger ehemalige Oberstarzt der Bundeswehr Reinhard Erös.
Seit 1980 ist der Träger des Marion-Dönhoff-Förderpreis in Krisengebieten als humanitärer Helfer unterwegs.
Schon zu Zeiten der sowjetischen Besetzung Afghanistans half er die Zivilbevölkerung ärztlich zu versorgen. Inzwischen arbeitet seine gesamte Familie in humanitär vorbildlicher Weise:

Die KINDERHILFE AFGHANISTAN ist eine private Initiative der Regensburger Familie Dr. med. Reinhard und Annette Erös und ihrer fünf Kinder Veit (29), Urs (28), Welf (27) und der Zwillinge Cosima und Veda (17) Die Organisation wurde 1998 gegründet und unterstützt afghanische Kinder und Frauen in OST-AFGHANISTAN mit medizinischen und schulischen Einrichtungen.

Insbesondere Annette Erös ist der Aufbau einer Reihe von Schulen zu verdanken.

Die KINDERHILFE AFGHANISTAN bezahlt darüber hinaus den z.Zt. ca. 1400 afghanischen Mitarbeitern ein regelmäßiges Gehalt. Dr. Erös besucht mehrfach jährlich - auf eigene Kosten - die Projekte, kontrolliert und überwacht die Arbeit, und bezahlt persönlich die Gehälter der Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Bauarbeiter, Schreiner etc. .. Damit stellt er sicher, dass die Spendengelder sparsam und sinnvoll eingesetzt werden.

Das ist die Gute Nachricht.

Schlecht ist hingegen, daß auf der politischen Seite Fach- und Insiderwissen so konsequent ignoriert wird.
Ich nenne es das Scholl-Latour-Kassandra-Syndrom, da er schon vor Beginn der US-Kriege gegen Afghanistan und den Irak den jeweiligen Verlauf geradezu erschreckend präzise vorher sah.
Die Mächtigen im Weißen Haus wollten dies aber genauso wenig hören, wie ihre deutschen Claqueure Merkel, Schäuble und Pflüger, die treudoof die Propagandamärchen GWB’s von den Massenvernichtungswaffen nachplapperten.
(Scholl-Latour war damals übrigens keineswegs ein einsamer Rufer unter den Experten - es gab kaum einen Kundigen, der dies anders sah)

Im Jahr 2009 ist immer noch die nach Michel Glos größte Pfeife des Kabinetts, Jung, Verteidigungsminister.

Auch er hat nie dazu gelernt und debakuliert bei der Führung der deutschen Soldaten in Afghanistan so sehr, daß sich immerhin jetzt die Befürchtung Obama werde den Deutschen ein weit größeres militärisches Engagement abverlangen, zerschlagen hat.

US-Militärexperte Jeremy Shapiro:
Der Beitrag der Europäer, auch der Deutschen, war in dem Gebiet einfach grausig. In mancher Hinsicht stünden wir jetzt besser da, wenn sie gar nichts gemacht hätten. Die Europäer haben völlig verpasst, um was es eigentlich geht. Sie sind zu fokussiert auf mögliche Truppenbeiträge. Die Amerikaner wollen nicht noch ein paar Tausend mehr Nato-Truppen in Afghanistan herumwandern sehen. Sie haben sich erst einmal entschieden, diese Rolle selber zu spielen - wenn sie dafür mehr Kontrolle erhalten.

Die Bundeswehr als Witz-Armee, die die Lage nur verschlimmert, so daß man froh ist, wenn sie zuhause bleibt?
Irgendwie ist das ja auch ein Erfolg Herr Franz-Josef Jung, also danke.

Während die Millionen und Milliarden aus dem Bundeshaushalt, die der Afghanistan-Einsatz kostet, im besten Falle sinnlos versickern, womöglich aber die Lage noch destabilisieren, kümmert sich Familie Erös um das tägliche Überleben.
Dabei können sie durchaus beeindruckende Erfolge melden.

Sonder-Aktion „Winterhilfe“ Bodenkrieg und Luftbombardements der “Enduring Freedom Fighters” zunehmend destabilisiert und damit „talibanisiert“ werden. Die kriegsmüden und nach Frieden und Brot hungernden Afghanen ersehnen aber nichts mehr als einen friedlichen und konstruktiven Wiederaufbau und sind dankbar für jede konkrete Hilfe! Diese konnten wir auch 2008 wieder nach Afghanistan bringen: ca. 20 Tonnen Hilfsgüter (Lebensmittel, Heizmaterial, Wolldecken, Winterkleidung) brachten unsere afghanischen Mitarbeiter in die besonders von der großen Winterkälte betroffenen Nordprovinzen und verteilten sie an ca. 1100 Familien, um ihnen zu helfen, den harten Winter zu überleben.

Mit unserem Steuerzahlergeld sieht das leider anders aus:

Im Jahr 2006 zahlten wir 80 Millionen Euro Entwicklungshilfe nach Afghanistan.
Nur 25 Mio kamen bei den Hilfsprojekten an, 55 Millionen versickerten in der Binnenverwaltung.
Angesichts dieses desaströsen Wirkungsgrades pumpte die Bundesregierung den Betrag inzwischen auf 140 Millionen auf - ohne die Effektivität zu verbessern.

Bei der berühmten Petersberger Konferenz (englisch Bonn Process) von 2001 sagte Deutschland die Ausbildung von afghanischen Polizisten zu.
US-General Cohen befand noch vor einigen Monaten, daß dringend 2300 westliche Polizeiausbilder benötigt werden.

Tatsächlich arbeiten in dem Bereich weniger als 100 Beamte, von denen wiederum die allermeisten mit der Selbstverwaltung beschäftigt sind.

Erös berichtet aus seinen Schulen, daß er auf die Frage, ob sich jemand zum Polizisten ausbilden lassen wolle nur Hohngelächter erntet.
Kein Wunder.
2008 wurden 1370 afghanische Polizisten bei Anschlägen getötet.

Ein afghanischer verheirateter Polizeimeister mit sieben Kindern verdient umgerechnet weniger als 60 Euro im Monat - das bei einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit nicht zu überleben.
Verteidigungsminister Jung ist da großzügiger: Ein 18-Jähriger lediger Obergefreiter, der im Hochsicherheitscamp Faisalbad als Hilfskoch jobbt, verdient gut 4000 Euro netto.
Hinzu kommen mehr als 12.000 westliche Söldner, die zusätzlich zu den regulären Truppen je 5000 Dollar im Monat verdienen - alles bezahlt aus dem Topf “Wiederaufbau“.
Das sind immerhin 60 Millionen Euro, mit denen man 100.000 afghanischen Polizisten-Familien ein gutes Auskommen ermöglichen könnte.

Angesichts dieser Schilda-Bilanz, ist es kein Wunder, daß Frau Merkel den Mantel des Schweigens um das Deutsche Afghanistan-Engagement hüllt.

Wahrlich kein Ruhmesblatt und die Kanzlerin befürchtet zu Recht, daß die Deutschen Wähler not amused wären, WENN sie genauer darüber informiert wären, was eigentlich in Afghanistan läuft.
Frau Merkel ignoriert das Thema daher vollkommen, läßt das Talibanisierungsproblem weiter anschwellen, führt Deutschland in ein militärisches Desaster, hilft Afghanistan weiter zu ruinieren und wird dafür vom deutschen Urnenpöbel zur beliebtesten Politikerin gekürt.

Gelobt sei, was hart macht...?

Immer wieder und noch die alten Phrasen und Methoden, immer wieder und noch den preussischen Ladestock im Rücken, und dazuhin jenen Stock verschluckt, der uns auf eben diesem Rücken tanzte, als man uns prügelte?...

"Gelobt sei was hart macht", sagte der Vater meiner Freundin zu ihr, und prügelte sie, wenn sie weich war, um sie für das Leben zu stählen. Er selber landete im Irrenhaus, sie nicht - sie liess sich nicht hart machen, nur eigensinniger noch...

"Heute muss man hart sein", höre auch ich, rieten zeitweise auch meine Eltern mir, wurden heftig, wenn es nicht so klappte...

Soll es immer so weiter gehen? Haben wir nichts Menschlicheres auf Lager, nach allen den Erfahrungen der Unmenschlichkeiten, des Gegeneinander, der Vernichtungen und Kriege, der KZ's, der Gefangenenlager, und so weiter...? Haben wir auf alle Schwierigkeiten keine anderen, besseren Antworten, als nur wieder gegeneinander, und wieder die alten Schrullen der Vergangenheit?

Da sind einerseits die erstarrten, alten Monolithen, wie Religion, Papst, und die Luthischen - oder sonstwie genannten, andererseits das sogenannte moderne politische Feld, das aber gar nicht so modern anmutet. Die Erziehungseinrichtungen verkommen zwischen Anpassung der Kinder an die sogenannten beruflichen Erfordernisse, und das möglichst schon in den Windeln, und gestrigem Denken, samt Gefährdung und Misshandlungen.

Orientierung ist schwer, und die Suche danach wird den Eltern und Erziehungsberechtigten zunehmend aus der Hand geschlagen. Es wird auch wenig Hilfe dazu angeboten. Wozu auch? Die Kinder werden fast schon bei der Geburt vorsortiert, und danach selektiert, für den späteren Gebrauch, oder auch nicht...

Es ist zum Kotzen....

Dazu etwas von Roberto J. De Lapuente:

http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/02/starke-zeigen.html


Stärke zeigen!

Donnerstag, 26. Februar 2009

Seid starkt, ihr jungen Menschen! Zeigt keine Schwächen! Preist eure Stärken an, versteckt die Schwächen, auch die noch so kleinen - kaschiert sie, verleugnet sie, drappiert sie ins Gegenteil. Erklärt die Antithese zur These, macht aus Schwächen Stärken! Schwächen offen zu bekunden, bedeutet sich als Schwächling zu offenbaren. Schwächlichkeit ist Ausdruck einer falsch verstandenen Humanität. Der Schwächling erntet nicht Sympathie, er erzielt Skepsis, Bedauern und Ablehnung, die zuweilen wie Sympathie wirken mögen, aber das glatte Gegenteil dessen sind. Wer Schwächen zeigt, bleibt auf der Strecke – drum zeigt eure Schokoladenseiten, zeigt Stärke, macht euch zu Starken, zu unfehlbaren und unkippbaren Größen, merzt in euch aus, was schwach anmutet, was auch nur in den Ruch der Schwäche geraten könnte!

Bewerbt euch mit Stärken bei potenziellen Arbeitgebern, zeigt eure Vorzüge auf, wiegelt alles an Schwächen ab, was in Bewerbungsgesprächen auftaucht. Ihr habt keine Schwächen! „Ich weiß nicht“ und „ich kann nicht“ gibt es nicht – habt ihr keine Antwort auf die Fragen des Personalleiters, antwortet dennoch, laviert und ufert aus, macht aus der vorübergehenden Schwäche eine zu verkaufende Stärke. Fragt er euch danach, ob ihr diese oder jene Tätigkeit schon einmal gemacht habt, so bejaht fern des wirklichen Wahrheitsgehaltes. Und seid ihr dann eingestellt, unterläuft euch einer jener Fehler, die jedem Arbeitenden unterlaufen kann, so schiebt es auf einen Kollegen. Keine Schwäche zeigen! Der Schwache ist immer der andere. Ihr wisst alles, ihr könnt alles – ihr seid alles! Geißelt euch euer Vorgesetzter, behandelt er euch ungerecht: seid stark - und schweigt! Wer schweigt verstärkt seine Stärke; wer erduldet erstarkt; wer Ungerechtigkeit und Unterdrückung seitens der Obrigkeit hinnimmt, dem ist Stärke nachsagbar.

Trifft euch dann ein Virus, kratzt es im Hals, drückt es im Darm, so bleibt hart zu euch selbst, bleibt stark. Krankheit ist Schwäche! Und Schwäche ist unmenschlich! Kämpft euch durch den Durchfall, damit ihr nicht als zu schwach durchfallt. Verschleppte Grippen als Gefahr sich schwerere Infekte einzufangen sind Erfindungen der Medizinbranche! Macht euch euer junges Menschenleben zwischenmenschliche Sorgen, zwickt es bei Liebesdingen, nötigt euch die Feierlaune, drangsaliert euch jugendliche Amüsiersucht? Das sind Schwächen - hinfort damit, verbeißt sie euch! Drückt doch einmal das Herz, macht Liebesleid das Leben unerträglich, so bekämpft die Tränen. Wer weint ist schwach; wer schwach ist, kann keinen Erfolg haben; wer keinen Erfolg hat, steigt sozial ab; wer sozial abgestiegen ist, fristet ein menschenunwürdiges Leben. Merkt euch: Wer schwach ist, ist kein Mensch mehr!

So hat man es euch gelehrt. So lehrte man es schon eure Väter und Mütter. Gezeigte Schwächen als Sinnbild der Menschlichkeit sind romantische Vorstellungen, sind anachronistische Anschauungen aus den Köpfen von Schwächlingen. Probiert es: Zeigt nur einmal Schwäche - ihr werdet ausgebeutet, geschächtet, hingerichtet! Probiert es ruhig! Aber behaltet ihr Souveränität, so werdet ihr dienlich und nützlich sein, werdet ihr nicht am Plump-Menschlichen leiden, werdet ihr ein nutzvoller Bestandteil der Gesellschaft sein. So lehrte man es auch euren Vorgängern, so lehrt man es seit Jahrzehnten. Stärke ist das Zauberwort, der Schwache wird geschmäht, wird durch diese Lehre aus der Welt gezüchtet. Wir brauchen keine Vernichtungslager mehr, die Menschheit hat gelernt, dass die Lehre von der Stärke das Schwache langsam aber sicher vertilgt. Wer Mitleid mit dem Schwachen hat, gefährdet das Starke - laßt es verrotten; laßt den Schwachen liegen, für ihn ist diese Welt nicht gemacht. Drübersteigen, weitermachen!

Keiner von euch jungen Menschen fährt mit einem aufgeklebten „Fahranfänger“-Schriftzug motorisiert durch die Lande – ihr erhaltet die Fahrlizenz und wißt aus den Kanälen, die die Lehre verbreiten, dass Schwäche nicht zur Schau gestellt werden darf. Einige von euch schämen sich ihrer dicken Körper, weil die Fettpolster einer Schwäche nach Schokolade, nach Chips oder nach anderen Köstlichkeiten geschuldet sind. Der Dicke ist der immer sichtbare Schwache auf dem Pranger des körperlichen Alltages. Ihr könnt alles, auch wenn ihr es nicht könnt; ihr wißt alles, auch wenn ihr keine Ahnung habt; ihr macht alles, auch wenn ihr nicht wißt, was genau ihr da eigentlich macht. Folgen des Starkseins, logische Folgen, die mittels der immer und überall aktivierten Prägung, wonach Schwäche den Untergang bedeutet, zu einem überhöhten Selbstbewußtsein führen sollten. Ein Selbstbewußtsein, dass sich aber durch höchste Verunsicherung junger Menschen äußert. Immer sollen sie stark, immer sollen sie souverän, blitzgescheit und lexikalisch gebildet sein, dürfen keine Schwächen haben, sollen private Schwächen vergraben, sich hinter der Maske vermeintlicher Stärke verstecken.

Was herauskommt ist eine orientierungslose Jugend, die zwar die Prämissen des Hier und Jetzt einigermaßen kennt, wenn auch nur oberflächlich; eine Jugend, die die Prinzipien der Konsumgesellschaft, der Heilslehre der Kaufhauswelten begreift und umsetzt, aber keinerlei Werte außer Kosten- und Nutzwerte kennt. Denn was durch Kosten und Nutzen geschliffen wurde, dass hat sich als stark erwiesen – während alles, was vielleicht kostet, aber keinen wesentlichen Nutzen hat, weil es immateriell ist, weil es nicht faßbar ist für eine materialistische Gesellschaft, ein schwaches Etwas darstellt. Daher seid stark, ihr jungen Leute, knickt nicht ein, damit ihr innerhalb dieser Realität ein starkes Schauspiel abliefert. Entfernt das antiquierte Menschliche, entfernt die Schwächen des Menschen, das Vermenschlichte und Verweichlichte, merzt aus, was euch im irdischen Konsumdasein hemmt; tilgt, was euch im materiellen Verwertungsdiesseits einschränkt; beseitigt, was euch in eurer zugeteilten Rolle als Käufer und Angestellte molestiert. Dazu bedarf es der Stärke, denn wer schwach ist, wer zu schwächlich zum Ausmerzen, Ausrotten und Zerschlagen ist, der steht sich selbst im Wege, wird nicht weit kommen. Er bleibt prekärer Angestellter – bestenfalls; bleibt daher eingeschränkter Käufer, spielt seine zugedachte Rolle nicht mit der Hingabe, die man eigentlich von ihm erwartet.

Man wiederholt es stetig, zeigt es auf, macht es vor, verdeutlicht es: wer sich Schwächen erlaubt, macht sich schuldig am Gesellschaftauftrag, nimmt willentlich in Kauf, seinen Part innerhalb dieser Gesellschaft nicht übernehmen zu wollen. Diese Welt, diese radikal ökonomisierte Welt, ist aber ein Schauspiel der Starken, der Eingereihten, der im Gleichschritt Marschierenden – wer individuell ist, wer sich sein eigenes Menschleinsein zu gewichtig zu Herzen nimmt, der schwächelt, und sollte er diesem Irrglauben nicht abschwören, dann bleibt er zeit seines Lebens ein Schwächling. Das wird euch gelehrt! Das zeigt man euch auf! Was soll aus euch jungen Menschen denn dann auch anderes werden als orientierungslose, enthumanisierte und des Zusammenhangsdenkens unfähige Gesellen, die ihr einziges Heil, ihre einzige Bestimmung, ihre Rolle eben, lediglich in Konsum und Karriere zu sehen glauben? Stärke sollt ihr zeigen, pflanzt man euch allerorten in die Gehirnwindungen – und dann strotzt ihr so vor Stärkeglauben, dass ihr hilflos wirkt, vollkommen entmenschlicht, im höchsten Grade hilflos, weil ihr so entmenschlicht dreinschaut. Euch fehlt ein Bezugspunkt, eine Werteskala, etwas Transzendentes, dem man nicht aus Nutzenkalkül heraus frönt, sondern weil es, platonisch ausgedrückt, dem Schönen, dem Wahren und dem Guten zustrebt. Davon wißt ihr nichts, weil man euch dieses Wissen vorenthalten hat, weil es kein materialistisches Wissen ist, welches nutzvoll verwertbar wäre. In diesem Unwissen steht ihr da, laßt eure Muskeln spielen, seid stark und selbstbewußt und doch schwächlich ohne Heimat, weil das Menschsein euch mehr und mehr abhandenkommt, weil ihr der zur Kritik unfähige Automat eures Arbeitgebers, weil ihr das dumpfe Wahlvieh eurer Anführer, weil ihr der gierige Konsument eurer Versorgerkonzerne seid. Mehr sollt ihr, mehr dürft ihr nicht sein!

Damit steht ihr nicht alleine. Die Vorgängerjahrgänge waren auch einmal jung, erzählt hat man ihnen ebenso, dass in dieser Welt nur der Starke fortexistiert. Das haben sie aufgesogen, haben versucht es zu kultivieren. Heute sind sie nicht mehr orientierungslos in diesem Gemenge aus Konsum und Nützlichkeitsdenken. Sie leben darin und begreifen es als ihr zynisches Heil; als einzig machbares Heil; als Heil, welches dieser Welt immer irgendwie zugrundelag, als habe es nie etwas anderes als Konsum und Expansion und noch mehr Konsum und noch mehr Expansion gegeben. Im Materiellen haben sie ihr Transzendentes gefunden, ihr Schönes, Wahres, Gutes. Ihr Wert ist das Haben, das Verdienen – tut jemand etwas umsonst, aus Freude an der Sache, schreibt beispielsweise jemand Texte, ohne daran zu verdienen, ohne daran auch nur verdienen zu wollen, dann fragen sie nach dem Einkommen, welches so ein Schreiben mit sich bringe. Man enttäuscht sie, wenn man ihnen erklärt, dass nichts Kontofüllendes dabei herumkommt – was nicht bezahlt wird, hat keinen Wert; was keinen Wert hat, wird nicht bezahlt!

Seht aber in die trüben Augen dieser menschengleichen Wesen! Ist das die vielzitierte und vielbesungene Lebensfreude? Trübe, stumpfe, unterlaufene Augen? Mattheit und Müdigkeit im Blick? Ist das der Sinn des Lebens? Und wenn sie dann unnütz geworden sind, weil sie entweder das Alter oder die Arbeitslosigkeit dazu verdammte, entleeren sie ihr Dasein, finden darin keinerlei Wert mehr, empfinden sich als Ballast – ist dies das Ziel? Nachahmenswert? Ist es wirklich der Kopie eines solchen Lebensentwurfes wert, wie einst die Väter und Großväter sein Leben so weit zu entleeren, dass außer Konsumgüter horten und Karriere vorantreiben keinerlei Inhalt mehr bleibt?

Seid stark, ihr jungen Leute! Ja, seid stark! Laßt euch von denen, die euren Willen brechen, die euch manipulieren und verdrehen, die euch zu ihrem Werkzeug machen wollen, nicht unterkriegen. Dazu bedarf es geistiger Stärke. Nur diese Stärke, nur eure Stärke kann es bewirken, dass eines Tages ein Umdenken stattfindet. Findet wieder Werte, die sich am Schönen, Wahren und Guten orientieren, findet wieder Gefallen an Werten wie Freundschaft, Zeit, Liebe... ; schätzt wieder die sogenannten Kleinigkeiten des Lebens, die das Leben erst lebenswert machen; seht freie Zeit nicht als temporäre Spanne, die unbedingt mit irgendetwas, mit Einkäufen oder anderen Konsumeinheiten, ausgefüllt werden muß, damit sie möglichst schnell verrinnt; seht Zeit nicht als totzuschlagende Minuten- und Sekundeneinheiten. Transzendente Werte zu finden bedeutet nicht, sich einen neuen Gott zu erfinden – es bedeutet lediglich eine Rückkehr in ruhigere Gefilde, in weniger hektisches Wirtschaften, in ein gemütlicheres Dasein, in ein Leben in menschlicheren Bahnen. Der Fortschritt des menschlichen Lebens verfestigt sich nicht im rapiden Fortschritt einer technisierten Welt; der Fortschritt sollte sich daran messen, wie sehr Menschen abgesichert sind, ein freies und selbstbestimmtes Leben leben können, Zeit für sich haben dürfen und können. Doch für so einen Fortschritt braucht es Stärke...

Donnerstag, 19. Februar 2009

Bananenrepublik Deutschland

http://www.wiwo.de/politik/mangelnde-transparenz-deutschland-nicht-besser-als-sri-lanka-387853/


Steuerausgaben Mangelnde Transparenz: Deutschland nicht besser als Sri Lanka

Schlechte Noten für die deutsche Haushaltspolitik: Wer als Bürger wissen will, was der Staat mit seinen Steuereinnahmen anstellt, wird in Deutschland nicht besser informiert als im Bürgerkriegsland Sri Lanka. Das ergab eine internationale Studie.


2900 Seiten bestes Juristendeutsch und Zahlenwerk – das kommt auf deutsche Steuerzahler zu, die sich den Haushalt der Bundesregierung genau ansehen wollen. Wahlweise dürfen es auch etwas weniger umfangreiche Monatsberichte, Finanzberichte und andere Dokumente vom Finanzministerium oder der Bundesbank sein.

Dass der deutsche Zahlendschungel nicht durchschaubar, einfach und schnell genug ist, zeigt ein Blick ins Ausland: Weit abgeschlagen hinter anderen westeuropäischen Ländern und den USA landet Deutschland mit 64 von 100 möglichen Punkten auf Rang 14 des „Open Budget Index 2008“ – gleichauf mit Sri Lanka und dicht gefolgt von Botswana.

Der Index listet 85 Länder anhand der Transparenz ihrer Haushaltspolitik auf und wurde von der in den USA ansässigen „Open Budget Initiative“ in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten in den untersuchten Ländern erstellt.

Stolpersteine für die Bürger

Das Gebaren der Bundesregierung hat das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstituts (FiFo) an der Universität zu Köln unter die Lupe genommen – und dessen Geschäftsführer Michael Thöne spart angesichts des ernüchternden Ergebnisses nicht mit Kritik.

„Es mag den deutschen Steuerzahler vielleicht beruhigen, dass die Budgettransparenz ganz leicht besser ist als in Kolumbien und Papua Neuguinea“, sagt Thöne. „Aber er sollte mehr erwarten – mindestens so viel wie die Bürger unserer engen Nachbarn und Partner auch bekommen.“

In Großbritannien beispielsweise – mit 88 von 100 Punkten Spitzenreiter im Index – erhalten Steuerzahler zusätzlich zum umfangreichen Haushalt eine Internetseite an die Hand gegeben, die die Staatsausgaben häppchenweise aufdröselt. Ein speziell für Bürger erstelltes Dokument mit dem Titel „Was das Budget für meine Region bedeutet“ hilft ebenfalls beim Verständnis des Zahlenwerks.

Vom Bundesfinanzministerium dagegen werden „dem mündigen Bürger Steine in den Weg gelegt“, beklagt Thöne. Gab es um die Jahrtausendwende den gesamten Bundeshaushalt noch als interaktive Excel-Tabellen zum herunterladen, die sich nachrechnen, zusammenfassen und vereinfachen ließen, werden jetzt nur noch PDF-Dateien veröffentlicht, mit denen das nicht mehr möglich ist. „Fünf Jahre später im digitalen Zeitalter“, merkt Thöne an.

Doch dem Bürger wird nicht nur durch die teils schwer verständlichen Dokumente die Meinungsbildung erschwert. Anders als beispielsweise in Großbritannien, Südafrika, Frankreich oder den Vereinigten Staaten veröffentlicht die Regierung in Deutschland auch keinen Ausblick auf das angestrebte Budget, auf dessen Ziele und auf die zu erwartende Wirtschaftsentwicklung.

„So ein Ausblick soll mindestens einen Monat vor dem ersten Haushaltsentwurf der Regierung erscheinen“, erklärt Vivek Ramkumar, Manager der Open Budget Initiative. Es solle eine öffentliche Diskussion über die Zusammensetzung des Budgets und die Wirkung auf die Wirtschaft angeregt werden. „Man darf schließlich nicht vergessen, dass der Haushalt das wichtigste Instrument der Wirtschaftspolitik ist, das einer Regierung zur Verfügung steht“, fügt Ramkumar hinzu.

Und dieses Instrument wird in Deutschland längst nicht so zeitgemäß eingesetzt, wie es sein sollte, meint FiFo-Geschäftsführer Michael Thöne. „Deutschland ist einer der letzten demokratischen Industriestaaten, in denen Reformen des Haushalts- und Rechnungswesens immer noch in den Kinderschuhen stecken“, sagt er. „Darum spiegelt der Bundeshaushalt immer noch eher preußische Beamtentugenden wider.“

Anstatt auf sinnvolle Verwendung der Steuergelder Wert zu legen und sich an Ergebnissen zu orientieren, liege der Fokus zu sehr auf der detaillierten Beschreibung der Ausgaben und ihrer Rechtmäßigkeit. Daher fordert Thöne für die Zukunft konkrete Rechenschaft darüber, ob und wie weit die gesetzten Ziele durch staatliche Ausgaben auch erreicht wurden. „Ein einfaches ‚besser’ oder ein qualitatives ,mehr’ reicht da nicht“, sagt er.

Auch niedrigerer Wohlstand kann mehr Transparenz bedeuten

Bei aller Kritik an der deutschen Budgettransparenz dürfe allerdings nicht vergessen werden, dass die Regierung ihren Bürgern trotz allem umfangreiche Informationen zur Verfügung stelle, die diese dazu einsetzen können, um Politiker zur Verantwortung zu ziehen, meint Vivek Ramkumar.

„Wirkliche Sorgen machen mir die Länder in der unteren Hälfte des Index, die ihre Bürger sehr wenig oder gar nicht informieren“, sagt er. Die Regierungen von armen Ländern wie Sudan, Ruanda oder der Demokratische Republik Kongo erhalten im Open Budget Index null Punkte und setzen ihren Bürgern – wenn überhaupt – den verabschiedeten Staatshaushalt vor. Öffentliche Debatte oder Einflussnahme findet hier nicht statt.

„Dieser Mangel an Transparenz bereitet der Verschwendung, unzweckmäßigen und korrupten Verwendung von Mitteln den Weg – und reduziert die Mittel, die zur Armutsbekämpfung dringend gebraucht werden“, kritisiert Ramkumar. Doch egal ob reiches oder armes Land, letztendlich komme es auf den politischen Willen zur Transparenz an.

Und der kann auch in Ländern mit verhältnismäßig niedrigem Pro-Kopf-Einkommen vorhanden sein: Südafrika, Brasilien, Slowenien, Polen, Peru und Tschechien – alles Länder, deren wirtschaftliche Wohlstand deutlich geringer ist als der Deutschlands – lassen die Bundesrepublik im Open Budget Index hinter sich.

Wir sehen einfach nur zu...

http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-finanzkrise/artikel/1/der-kapitalismus-ruiniert-sich-selbst/


Die Wurzeln der Krise

Der Kapitalismus ruiniert sich selbst

Von wegen Sozialismus! Nicht die Vermögen, die Schulden der Banken werden sozialisiert. Der Staat pumpt Steuergelder von morgen in ein kaputtes System. Das ist die eigentliche Krise. VON FRIEDRICH KROTZ


"Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Zar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten. Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurückgeschleudert hätte?"

So schreiben Friedrich Engels und der neuerdings wieder viel zitierte Karl Marx im Vorwort zum "Kommunistischen Manifest" über das Gespenst ihrer Zeit, den Zusammenschluss der Arbeiter, dessen Erfolg er sich erhoffte. Das Gespenst von heute ist die sogenannte Finanzkrise.


Im Gegensatz zu Marx Gespenst von damals ängstigt es vor allem die Arbeiter und Angestellten, und erst recht die, die am Rande der Gesellschaft leben, hier oder in der Dritten Welt. Denn ihnen droht, so heißt es, Arbeitslosigkeit, Konsumverzicht und das Ende jeder Gesundheits- und Sozialpolitik. Auch wenn die Medien beharrlich über die Folgen schweigen - den Steuerzahlern dämmert allmählich, dass sie auf Jahrzehnte hinaus die unglaublichen Gelder werden abtragen müssen, die der Staat in das marode Bankensystem pumpt. Längst nicht so sehr ängstigt die Krise die Kapitalisten und Couponschneider, die Heuschrecken und Finanzierungsgenies, obwohl doch sie es waren, die zahlreiche Volkswirtschaften in den Ruin getrieben haben. Die die hart erarbeiteten Überschüsse der Völker der Welt in sinnlosen Spekulationen verbrannt und in irrwitzige Boni für sich selbst verwandelt haben. Das Übernachten unter der Brücke, die Teilnahme an einer Fernsehshow "Wie überlebe ich als Obdachloser in der Großstadt" ist für sie nicht vorgesehen.

Das Verstörende an dieser Krise ist, dass sie bisher vor allem an den riesigen Geldbeträgen erkennbar wird, über die die Regierungen ganz plötzlich zu verfügen meinen und die die Krise eigentlich eindämmen sollen. Niemand weiß, was genau die Bedrohung ist, und erst recht nicht, welche Dimension und welches Ausmaß sie hat - eine tragfähige Analyse gibt es ebenso wenig wie eine begründete Strategie. Ist die Krise vielleicht vor allem ein Alibi dafür, Leute zu entlassen, Lohnforderungen abzublocken und Fehlspekulationen mit Steuergeldern auszugleichen? Sind vielleicht gar die gigantischen Rettungsmaßnahmen selbst die eigentliche Krise? Die Finanzberater empfehlen jedenfalls bereits wieder, Aktien und insbesondere Bankaktien zu kaufen, und auch das Karussell der Leerverkäufe hat wieder eingesetzt - das ideale Mittel, um aus den Verlusten anderer Kapital zu schlagen.

Die Krise soll entstanden sein, weil Grundstückskäufer ihre Schulden nicht bezahlen konnten. Warum aber, so eine der Fragen, über die Medien und Regierung hinweggehen, warum werden dann die Banken mit Geld gefüttert und nicht die Familien und Haushalte, die ihre Kreditzinsen nicht mehr bezahlen können? Dann bekäme das Banksystem Geld, und zugleich würden Eltern und Kinder nicht aus ihren Häusern gejagt.

Vermutlich würde dann allerdings deutlich werden, dass die sogenannten faulen Kredite nicht mehr als ein kleiner Auslöser der Krise waren. Es waren ja auch nicht die Kunden von Ratiopharm, die die Merckle-Gruppe in die Schieflage gebracht haben. Es waren vielmehr die gigantischen Spekulationen mit VW-Aktien, für die Merckle bezahlen musste und an denen vor allem Porsche verdient hat. Die Krise, wenn es denn eine ist, ist das Resultat von Spekulation und Gier, von Gewinnsucht und Maßlosigkeit, von überzogenen Marketingmaßnahmen und Überredung, von Betrug und Kasinokapitalismus. Wenn es eine Krise ist, dann war es vielleicht zunächst eine der Banken, jetzt ist es eine des Kapitalismus.

Denn wenn die Banken jetzt kein Geld mehr verleihen, obwohl sie könnten, ist das das Ergebnis eines Lernprozesses. Sie haben verstanden: Wenn im Kapitalismus jemand freundlich zu dir ist, pass auf deine Brieftasche auf. Die Ostdeutschen mussten diese bittere Lektion nach der deutsch-deutschen Vereinigung lernen. Wer dir einen Kredit anbietet, will vor allem deine Zinsen, auch wenn du bankrottgehst. Wer dir Wertpapiere verkauft, legt dich rein, selbst wenn das von Bank zu Bank stattfindet. Vertrauenskrise? Nein. Die Angst vor dem andern ist im konsequenten Kapitalismus angelegt, und sie ist jetzt in seinem Zentrum, dem Bankensystem, angekommen. Das Misstrauen der Banken gegen ihre Kunden und das Misstrauen der Kunden gegen die Banken ist ein strukturell begründetes Misstrauen aller gegen alle, auch gegen die gültigen Gesetze und Regeln. Deswegen ist die Krise eine Krise des Kapitalismus.

Dieses Misstrauen kann der Staat mit noch so vielen Milliarden nicht beseitigen. Dass er es versucht, wirft allerdings weitere Fragen auf. Deutschland hat ein funktionierendes staatliches Bankensystem. Es besteht flächendeckend und auf allen Ebenen aus kommunalen Sparkassen, staatlichen Landesbanken, der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Wenn es darum ginge, die "freie Wirtschaft" mit Krediten zu versorgen, wäre dies darüber gut zu organisieren. Die staatlichen Banken müssten natürlich viel besser kontrolliert werden als bisher - vielleicht nicht von Politikern, sondern von Sparkunden. Warum muss der Staat dann die Privatbanken retten? Warum sollen die, die den Markt immer vergöttert haben, jetzt nicht mit diesem Markt glücklich untergehen dürfen?

Statt die Steuermittel gezielt und sinnvoll einzusetzen, transferiert die Regierung lieber die Steuern der nächsten Generationen in das marode private Bankensystem von heute. Im Namen der Marktwirtschaft wird so die Marktwirtschaft ruiniert. Statt der Vermögen der Banker werden die Verluste der Banken verstaatlicht und dadurch erst sozialisiert und den Steuerzahlern aufgebürdet. Dafür wird der Staat dann auch noch kritisiert. Nicht weil er kein Geld mehr haben wird für Umwelt, Infrastruktur, soziale Gerechtigkeit oder Bildung, sondern dafür, dass er für sein Geld ein wenig Kontrolle will und die aberwitzigen Gehälter zu begrenzen versucht. Aus Sicht der Wirtschaft: unverschämt und undankbar.

Das machen uns Tag für Tag die Medien klar. Sie berichten, was Bundeskanzlerin Merkel den Chefredakteuren und Verlagsdirektoren schon bei einem eigens einberufenen Treffen im vergangenen Oktober vorgesagt hat. Sie halten die Bürger bei Laune, auf dass diese stillhalten. Wie viel Geld bereits in die Banken gepumpt wurde, wie viele Milliarden Bürgschaftszusagen vergeben wurden (und wie viele Hartz-IV-Monats"löhne" das sind), das steht auch nicht in der Zeitung. Die Süddeutsche (vom 15. 1.) beispielsweise versteckt die Mitteilung, dass die Hypo Real Estate zum vierten Mal in vier Monaten Milliarden Bargeld und Bürgschaften braucht, unter der Überschrift "Wenn Steinbrück an die Tür klopft". Sorgen macht man sich hier nur um die Frage, ob der Staat nicht zu mächtig wird. Gewiss, eine wichtige Frage, aber wohl kaum die derzeit wichtigste. Während die Banker die Staatsknete abzocken, wird die Diskussion über den Missbrauch wirtschaftlicher Macht zu einer Diskussion darüber, ob der Staat denn nun Schulden machen darf oder nicht - unabhängig davon, wofür er sie macht.

Was also ist die Krise? Das Bankensystem hat sich selbst ruiniert, aber nicht weil es die Regeln des Kapitalismus verletzt hat, sondern weil es sie konsequent befolgt hat: Ziel war und ist nichts als Gewinn, soziale Verantwortung oder Ethik hin oder her. Ebenso wie der Staatssozialismus an sich selbst erstickt ist, haben sich die Banken damit in einem Meer von Geld selbst ertränkt und sich gegenseitig in die Pleite getrieben. Im Unterschied zum Staatssozialismus haben die Banken aber einen Weg gefunden, das Ende des Kapitalismus noch einmal in ein neues Aufblühen zu verwandeln. Denn zusammen mit den Medien sorgen sie dafür, dass sich die Struktur des Wirtschaftssystems nicht ändert, aber der Staat die Kosten trägt. Wie lange? Bis auch er pleite ist.

Damit fügt sich die derzeitige Bankenkrise aber in eine ganz andere Entwicklung ein. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil aus Vermögen und Unternehmertätigkeit am Bruttosozialprodukt kontinuierlich gestiegen, in der Bundesrepublik wie im Rest der Welt. Der entfesselte Kapitalismus hat getan, wofür er da ist, nämlich die Kapitalrenditen immer stärker in die Höhe getrieben und so die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet. Der Anteil der Kapitalerträge am Volkseinkommen kann aber rein logisch nicht immer weiter wachsen: Wenn das, was Arbeiter und Angestellte vom Bruttosozialprodukt bekommen, zum Leben immer größerer Teile der Bevölkerung und zur Legitimation nicht mehr ausreicht, dann können die Gewinne nur noch zunehmen, wenn der Staat seine Steuergelder an die Banken und Unternehmen transferiert. Genau das erzwingt und legitimiert die derzeitige "Vertrauenskrise".

Erhalt der Arbeitsplätze und der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, das waren und sind die Argumente, warum Lohnforderungen nicht erfüllt und Arbeitsschutzregeln abgebaut werden. Jetzt sind es auch Argumente, warum der Staat die Schulden der Banken übernehmen muss. Von der Auto- bis zur Pornoindustrie, von den Herstellern von Armaturen bis hin zu denen von Spielzeugeisenbahnen fordern alle unter heftigen Drohungen Unterstützung. Peinlich, dass die deutschen Banken diese Gelder bevorzugt dazu verwenden, um andere Banken zu kaufen: die Deutsche die Postbank, die Commerzbank die Dresdner. Peinlich, dass die HSH-Nordbank ihren privaten Eigentümern Renditen ausschüttet, nachdem sie Staatshilfen erhalten hat. Peinlich, dass die Boni für Mitarbeiter einklagbar sind, selbst wenn die Bank pleitegeht. Insgesamt wird die Krise so aber zu einer Rettung der Renditen, zur Reparatur der Krise des Kapitalismus.

Ein Gespenst geht um in Europa und in der Welt - das Gespenst einer Banken- und Finanzkrise ungeheuren Ausmaßes. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd auf dieses Gespenst verbündet - der Papst und die Zaren in Moskau, Merkel und Sarkozy, französische Radikale und deutsche Ordnungshüter, und auch die Herrscher in den asiatischen Ländern äußern Besorgnis darüber, was mit ihren Billionen Dollar wohl geschehen wird. Alle sind sich einig, dass dieses Gespenst unerbittlich bekämpft werden muss und dass alle Bürgerinnen und Bürger, vom reichen Banker bis hin zur letzten Putzfrau, dafür unvorstellbare Opfer zu bringen haben.

Jene allerdings, die dieses Gespenst erst geschaffen haben, kooperieren jetzt mit ihm, die Aktienbesitzer und Banker, die Spekulanten und Vorstände. Sie verdienen bereits wieder an Spekulationen und billig erworbenen Aktien. Sie wissen, dass ihre Zukunft gesichert ist. Denn sie haben mit ihrer Pleite am Ende einer grandiosen Abzocke das erreicht, was Kapitalisten bei Strafe ihres Untergangs erreichen müssen: Sie haben großartige Renditen erzielt und überlassen jetzt dem Staat ihre Schulden, verlangen dafür aber nach wie vor Zinsen - ein Kapitalismus ohne Kapital, der von den Zinsen vergangener Geschäfte lebt.

Die normalen Bankkunden, Bürgerinnen und Bürger, also jene, die die Zeche zahlen müssen, sie bleiben - einmal mehr - geduldig. Politiker, Banker und Medien gemeinsam appellieren an ihr Verantwortungsbewusstsein: "Wir haben euer Wirtschaftssystem ruiniert, und jetzt wollen wir noch die zukünftigen Generationen darauf verpflichten, jahrzehntelang Schulden dafür abzubezahlen. So lange haltet bitte noch still, bis wir das gesichert haben."

Die Banken und Spekulanten wissen, was sie wollen. Die Bundesregierung modifiziert ihr neoliberales Denken nur wenig und zielt auf geringfügige, aber teure Reparaturen, bedient ihre Klientel und verbeugt sich vor der Lobby. Eine umfassende Analyse nimmt sie ebenso wenig vor wie das Entwickeln einer haltbaren Strategie. Auch die Zivilgesellschaft schweigt bisher, um Orientierung bemüht in einer unübersichtlichen Lage. Noch haben auch die Bürger, zumindest in Deutschland, Vertrauen und glauben den Versprechen der Ackermänner, obwohl sich deren Ansagen immer wieder als falsche Zusagen oder Prahlerei entlarven.

Es wird Zeit, dass wir nicht mehr nur von den Regierungen in anderen Ländern erfahren, sondern auch davon, wie die Völker in diesen anderen Ländern auf die Krise reagieren: dass die irischen Banken anderen Unternehmen im Ausland Geld in der Größenordnung des Zehnfachen des Bruttosozialprodukts schulden - und dass das mit Abzahlen in Jahrzehnten nicht zu reparieren ist; dass Ursache der Unruhen in Griechenland nicht nur eine versteinerte Politik, sondern auch eine unverantwortliche "freie" Wirtschaft sind; dass die Isländer immerhin ihre Bankrotteursregierung davongejagt haben; dass sich in Lettland, Russland und Großbritannien Formen politischen Widerstands regen, die nicht mehr auf die Einsichtsfähigkeit der etablierten Regierungen hoffen.

Hier sollten die Medien ansetzen, indem sie von Alternativen berichten, statt wie zu Kaisers Zeiten Ruhe als erste Bürgerpflicht zu propagieren. Auch sie müssen sich entscheiden, ob sie ein Korrektiv gegen gierigen Kapitalismus und ängstliche Politik sein wollen oder nicht. Wir brauchen neue, an die Wurzeln gehende Ideen und Debatten, um unser Leben nicht länger durch entfremdete Arbeit bestimmen zu lassen. Nur wenn die Bevölkerung die Sache selbst in die Hand nimmt und der Regierung sagt, wie sie zu handeln hat, wird diese sich gegen die Lobbys durchsetzen und sich das Finanzsystem untertan machen können. Sonst wird das alles enden, wie Marx es vorausgesagt hat: Der Kapitalismus als eine Folge von Krisen, die immer existenzieller werden. Irgendwann dann auch für die Banker.


Israel flieht den Frieden:

http://infokrieger-demokrat.blog.de/2009/02/19/normaler-tag-palaestina-5609116/


Ich greife hier einmal den Beitrag einer befreundeten Bloggerin auf, in dem der alltägliche Horroralltag eines palästinensischen Dorfes und die Repressalien durch die israelische Armee beschrieben werden.

Dieser Bericht eines internationale Friedensaktivisten erinnert mich an die Talkshow "Hart aber fair" vom 21.01.2009, welcher der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm Ähnliches beschreibt.

Nachdem die rechtsgerichteten Parteien offensichtlich die Parlamentswahlen in Israel durch die Möglichkeit der stärksten Koalitionsbildung gewonnen haben, wird der Friedensprozess in Nahost vermutlich einen herben Rückschlag erleiden.
Likud-Block-Chef Netanyahu und der israelische Rechtsaussenpopulist Liebermann haben bereits angekündigt, die Vertreibung der Palästinenser aus den derzeit palästinensisch dominierten Gebieten voranzutreiben und neue israelische Siedlungen dort zu bauen. Repressalien und Angriffe auf palästinensische Dörfer und Gemeinden werden wohl zunehmen - wohl ohne Protest der Weltöffentlichkeit.

Das diese Weltöffentlichkeit mit zweierlei Maß mißt, beweist sie nahezu täglich. Während ganze Staaten, die sich etwaigen UN-Resolutionen und -auflagen nicht oder nicht rechtzeitig gebeugt haben, sanktioniert, angegriffen oder gar ausgelöscht wurden, konnte Israel bisher jeden UN-Resolution mit Hilfe der US-Administration und deren konstruierten UN-Veto-Rechten umgehen oder schert sich einen Dreck darum.
Während man auch seitens Deutschlands und der EU z.B. dem Iran die Hölle heiss macht, weil das Land angeblich Atomwaffen produziere, kann Israel fleissig atomar aufrüsten. Für Israel gilt offensichtlich auch nicht die Maßgabe des Kriegswaffenkontrollgesetzes, in Krisengebiete keine Waffen zu liefern.

Auch wenn es für die jüdische Bevölkerung ein durchaus demokratisch anheimelnder Staat ist, so ist Israel immer noch ein Staat, der seine Nachbarn permanent mit seiner Militärmaschinerie bedroht. Israel ist ein Staat, in dem spätestens bei einem Wehrdienstverweigerer die Demokratie und die Freiheit des Gewissens mit Füßen getreten wird. Für Wehrdienstverweigerung gibt es hohe Gefängnisstrafen.
Israel ist ein Staat, der Menschenrechte mit Füßen tritt: Folter und Scheinhinrichtungen sind an der Tagesordnung. Täglich verschwinden Menschen in Gefängnissen ohne jeden Prozess.
Täglich werden sogenannte "Terrorverdächtige" gezielt getötet - natürlich ohne jeden Prozess und jede damit verbundene richterliche Schuldfeststellung.
Israel ist ein Staat, welcher der faschistischen Sippenhaftung neues Leben einhaucht: Wird ein "Terrorverdächtiger" getötet, wird in der Regel mindestens das Haus der Familie als Strafe gesprengt - manchmal auch das ganze Dorf.
Die Pressefreiheit, Bestandteil eines jeden demokratisch-freiheitlichen Staates, gibt es de facto überhaupt nicht. Presseangehörige werden gezielt behindert, verhaftet, ausgewiesen und teils sogar gezielt zum Abschuss freigegeben, obwohl sie als Presse gekennzeichnet sind.
Selbst die Wahl an sich war eine Farce. So wurden nahezu alle arabischen Parteien Israels von der Wahl zur Knesset ausgeschlossen.
Jegliche Kritiker dieser israelischen Politik werden mit der "Antisemitismus"-Keule mundtot gemacht. Gezielt werden hier polemisch mehrere Dinge vermischt, die eigentlich miteinander nichts zutun haben.

Alleine zum Thema "Antisemitismus" sollte man sich um die Bedeutung des Wortes "Semit" bewusst sein:
So sind Semiten nicht nur jüdische Bewohner Israels sondern auch nahezu alle arabischen Bürger der gesamten Region, bis hinein ins tiefste Äthiopien. Wenn also von Antisemitismus, auch seitens des Zentralrates der Juden in Deutschland, gesprochen wird, verbreitet man weiterhin die nationalsozialistische Rassentheorie, welche im Jahre 1944 die arabischen Bewohner des Gebietes von den "Semiten" trennte.
Das was jüdische Semiten und arabische Semiten trennt, ist einzig die Religion - mehr nicht.

Wer also Kritik an der Politik des Staates Israel gleichsetzt mit Menschen, welche die Existenz des Staates Israel in Frage stellen, sich dem blinden Judenhass ergeben oder gar den Holocaust bestreiten, macht sich der Lüge und Desinformation schuldig und er ignoriert bewusst, dass es nicht nur jüdische Menschen sind, die Semiten sind.


Der Beschiss und...

...die Reichen:


http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=19022009ArtikelWirtschaftSchrezenmeir1



Wirtschaft: Neuer Betrugsskandal in den USA

Milliardär Stanford untergetaucht / Karibikinsel Antigua fürchtet um Existenz


Von Christina Schrezenmeir

Vor zwei Tagen beschuldigte die amerikanische Börsenaufsicht SEC den Milliardär Sir Richard Allen Stanford offiziell des Betrugs in Milliardenhöhe. Wärend seine Firmen unter Zwangsverwaltung gestellt und sein Konto eingefroren wurde, fehlt von Stanford selber jede Spur. Besonders in seiner Zweitheimat Antigua macht man sich unterdessen Sorgen um die Folgen seines Betrugs.

Die amerikanische Finanzwelt kommt nicht zur Ruhe: Wenige Monate nach der Aufdeckung des 50-Milliarden Betrugs von Bernard Madoff wurde nun ein neuer Betrugsfall in Milliardenhöhe aufgedeckt: Laut der am vergangenen Dienstag von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC bei einem Gericht in Dallas eingereichten Klageschrift betrog der Finanzunternehmer Sir Richard Allen Stanford seine Anleger mit Hilfe falscher Versprechen um mehrere Milliarden Euro. So habe er den Anlegern über seine in Antigua befindliche Bank SIB (Stanford International Bank) angeblich sichere Einlagezertifikate für insgesamt 8 Milliarden US-Dollar verkauft und Renditen versprochen, die mehr als doppelt so hoch wie die der Konkurrenz waren. Doch statt in Einlagenzertifikate investierte seine Bank SIB das Geld offenbar hauptsächlich in illiquide Immobilien, Finanzbeteiligungen und andere riskante Einlagen, unter anderem auch in den Fonds des Jahrhundertbetrügers Bernard Madoff.

Laut den SEC-Ermittlern fälschte Stanford seine Bilanzen und täuschte die Existenz einer seriösen Buchprüfung vor, um das Vertrauen seiner Kunden zu gewinnen. Nachdem das ganze Ausmaß des 50 Milliarden US-Dollar-Betrugsskandals um Bernhard Madoff bekannt wurde täuschte Stanford seine Anleger zudem vorsätzlich mit der Aussage, man habe nicht in dessen Fonds investiert.

Stanfords Firmen wurden vorerst unter Zwangsverwaltung gesetzt und sein Vermögen eingefroren. Von dem Texaner selbst jedoch fehlt bislang jede Spur. Die SEC gab an, man habe Stanford mehrere Vorlagen geschickt, dieser sei jedoch nie zu den Zeugenaussagen erschienen. Laut verschiedenen Zeitungsberichten versuchte der Milliardär am Dienstag, mit einem Learjet in seine Zweitheimat Antigua zu fliehen. Diesen Plan konnte er jedoch nicht umsetzen, da der Flugzeug-Verleih seine Kreditkarte ablehnte.

Wie heute bekannt wurde, ermittelt zudem offenbar das FBI gegen Stanford. Nach Angaben der Zeitung “B.Z.” steht er in dem Verdacht, Gelder für das berüchtigte mexikanische Gulf-Kartell gewaschen zu haben. Das Kartell schmuggelt weiche sowie harte Drogen in großen Mengen in die USA.

Einen Tag nach Bekanntgabe des Betrugs versuchten mehrere hundert Anleger in Venezuela und Antigua, ihre bei Stanford angelegten Ersparnisse in Sicherheit zu bringen. Da jedoch alle Vermögenswerte eingefroren wurden blieben diese Versuche ohne Erfolg. Mittlerweile hat die Regierung Venezuelas die örtliche Stanford-Bank übernommen.

Am schwersten wiegt der Betrug Stanfords wohl für seine Zweitheimat Antigua. Der Milliardär ist der größte private Arbeitgeber der Insel. Zudem befindet sich der Hauptsitz seiner FIB auf der Karibikinsel. Der Premierminister Baldwin Spencer fürchtet offenbar Aufstände der Bevölkerung und kündigte bereits vorgezogene Neuwahlen an.

Der aus Texas stammende Unternehmer Sir Allen Stanford ist Eigentümer des Börsenmaklerunternehmens Stanford Group Company (SGC), der Investmentberatung Stanford Capital Management (SCM) sowie der in Antigua ansässigen Stanford International Bank (SIB). Diese Unternehmen sind zusammengefasst in der Stanford Financial Group. Sie managt eigenen Angaben zufolge Vermögenswerte von mehr als 50 Milliarden Dollar und hat 30.000 Kunden in 131 Ländern.



Der Beschiss und die Reichen

http://tt.com/tt/home/story.csp?cid=3999127&sid=57&fid=21


19.2.2009

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Stanford-Betrugsskandal treibt ganzen Inselstaat in den Ruin

Die Bewohner von Antigua sind in heller Aufruhr: Grund dafür ist der Milliardenskandal um den texanischen Multi Allen Stanford - gleichzeitig der größte Arbeitgeber auf dem Inselstaat.

St. John's/Wien - Hunderte Personen haben sich am Mittwoch in Antigua vor der Bank des mutmaßlichen Milliarden-Betrügers und texanischen Multi-Milliardär Allen Stanford angestellt, um ihre Ersparnisse zu beheben.

Einen Tag zuvor war der Investmentmanager in den USA wegen eines 8-Mrd.-Dollar-Betrugsverdachtes angeklagt worden. Der Ministerpräsident von Antigua befürchtet "katastrophale" Folgen für sein Land. Stanford ist der größte Arbeitgeber des kleinen Inselstaates

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Vor der Bank of Antigua bildeten sich am
Mittwoch lange Schlangen. Bild: Reuters

Rund 600 Personen und zwei Polizisten haben sich Mittwoch vor der Bank eingefunden, trotz der Versicherungen der regionalen Behörden, dass die Bank über ausreichend Reserven verfügt.

Die Bank of Antigua mit ihren drei Filialen auf dem kleinen Doppelstaat von Antigua und Barbuda ist Teil von Stanford's weit verzweigtem Geschäftsimperium, ist jedoch unabhängig von der Stanford International Bank Ltd (SIB), die im Zentrum der Ermittlungen der US-Finanzaufsicht steht.

Der Ministerpräsident von Antigua, Baldwin Spencer, meinte in einem Fernsehinterview, dass die Klage gegen Stanford für das Land "katastrophale" Folgen haben könnte, und bat die Bewohner, nicht in Panik zu geraten. Antigua ist bloß 14 km breit und 19 km lang und hat 70.000 Einwohner.

Stanford gehört die größte Zeitung des Landes, steht einer lokalen Geschäftsbank vor, ist der größte private Arbeitgeber und Top-Investor des Landes. Er wurde als erster US-Amerikaner von der Regierung in den "Ritterstand" erhoben. Er besitzt über die ganze Region verteilt Häuser, von Antigua bis St. Croix auf den US-Jungferninseln bis Miami.

Stanford's Vermögen wurde inzwischen eingefroren, ein Staatsanwalt hat zum Schutz der "Opfer" einen Zwangsverwalter bestellt. (red/APA/Reuters)


Für mich: Der Witz des Jahrhunderts !

Also, es ist mir völlig piepegal, dass für die Messungen irgendwelcher dubios gewordener Institutionen der Januar einige Tage lang zu warm gewesen sei.

In "normaleren" Zeiten, als das Wetter und das sogenannte Klima, das inzwischen als Ersatz für ungeliebte Umweltpolitik zum Abzocken allerlei Gebührenkrams missbraucht wird, noch eine schlicht hinzunehmende Rolle spielte, gingen die Menschen anders damit um. Die Poeten beschrieben wortreich das Ringen des brutalen Winters mit seinen kalten, knochig-frostigen Eishänden mit dem kommenden Frühling, der als knackig-lockiger Jüngling, oder als Knabe beschrieben wurde - gerne auch mit Blumen im Haar.

Es gab Bauernregeln, die besagten, welchen Sinn für die kommende Ernte Schnee und Eis haben konnten, wenn dann der Rest des Jahres wettermäßig auch funktionierte. Und, es funktionierte besser als die heutigen Wetterberichte, die ja auch nicht immer stimmig sind.

Da ganze Klima-Theater kotzt mich, ehrlich gesagt, nur noch an. Ich stelle mir die Frage, ob die Menschen schon so denaturiert und selber von aller Verbindung, die auch so genannt werden könnte, zur Natur entfremdet sind, dass sie meinen, sie könnten in ihrem Größenwahn daran drehen. Wir sind nur ein Teil der Natur, und daran wird sich so rasch nichts ändern - auch nicht ändern lassen.

Das Einzige, was wir zu Stande bringen, ist, an allem nur herumzustümpern, mit Folgen, die uns nicht guttun. Daran sind wir Menschen allerdings selber schuld, und kein Klima, kein Wetter nimmt uns die Verantwortung dafür ab, welchen denaturierten und entfremdeten Mist wir uns antun lassen.

Über den zu warmen Januar berichtet Telepolis:

http://www.heise.de/tp/blogs/2/132728

"Heimatschutz" Deutschland - diktatorische Strukturen erklärt:


Das Ausmass dessen, was in Vorbereitung schon gediehen ist, beschreibt Telepolis. Es kommt nun tatsächlich darauf an, was wir dieses Jahr wählen werden. Bestätigen wir jene, die das alles schon vorbereitet haben, dann steht nach der Wahl der innere Schutz perfekt zum Zuschlagen bereit. Und, das was geschützt werden soll - auch gegen die eigenen Bürger, das eigene Volk, ist ein weiter Begriff.

Deshalb sind die Strukturveränderungen gefährlich für alle - und es geht alle an, was da geschieht.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29750/1.html



Der Schutz der kritischen Infrastruktur und Einsatz der Bundeswehr im Inneren

Christoph Hönow und Silvio Duwe 19.02.2009

Mit dem Aufbau von Verbindungskommandos auf kommunaler und Landesebene haben sich weitgehend unbemerkt gefährliche Strukturveränderungen ergeben

Der Aufbau von Verbindungskommandos auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene ist mittlerweile abgeschlossen. Sollten sich die Mehrheitsverhältnisse im so genannten [extern] Superwahljahr 2009 zu Gunsten der Befürworter des Bundeswehreinsatzes im Innern verschieben, so sind bereits Strukturen vorhanden, die diesen lokal effektiv koordinieren könnten.

(Bild vergrößern)

Was sind die Verbindungskommandos der Bundeswehr, die in jedem Kreis eingerichtet wurden?

Claudia Haydt: Die [extern] Verbindungskommandos der Bundeswehr sitzen in jedem Kreis, in jeder kreisfreien Kommune, in manchen Bezirken. Es gibt insgesamt 426 Kreisverbindungskommandos und dann noch etwa 30 Bezirkskommandos. Sie sind integriert in die kommunalen Strukturen und gehören den kommunalen, zivilen Verwaltungen. Es sind aber Bundeswehrreservisten, die dann in diesen Büros sitzen.

Diese Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und zivilen Stellen ist nicht grundsätzlich neu. In den 1970er und 1980er Jahren gab es [extern] zivil-militärische Übungen (WINTEX-CIMEX-Übungen), um die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und zivilen Stellen in Krisen- oder Katastrophenfällen zu üben. Aber seit den 1990er Jahren hat sich die Bundeswehr umstrukturiert, ist immer weiter aus der Fläche verschwunden, hat Stellen und Standorte abgebaut, mit dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Zusammenarbeit zwischen den zivilen Stellen und der Bundeswehr nicht mehr ohne weiteres möglich war. Dadurch ist auch der Anspruch der Bundeswehr, Experte für Krisenlösung zu sein, Stück für Stück verloren gegangen.

An dieser Stelle war es eine politische Entscheidung zu sagen, wir wollen die Bundeswehr aber im zivilen Kontext auch als Krisenlösungsfaktor installiert haben. Das war der Auslöser dafür, in Deutschland wie in anderen Ländern eine Art Homeland Security zu installieren. Diese Homeland Security wurde über die Bezirksverbindungskommandos installiert, so dass auch in Kreisen wie in meinem Heimatort in Tübingen, wo es schon längst keine Bundeswehr-Infrastruktur mehr gegeben hat, trotzdem wieder die Bundeswehr in den zivilen Strukturen präsent ist. Faktisch bedeutet das, dass 12 Reservisten pro Kreisverbindungskommando bereit stehen, um dort im Katastrophenfall mit den zivilen Katastrophenschutzbehörden zusammenzuarbeiten, um dann das Problem zu lösen.

Dadurch erhebt die Bundeswehr auch gleich den Anspruch, ein Teil der Problemlösung zu sein. Durch diese Struktur, in jedem Kreis präsent zu sein, hat die Bundeswehr auch ihren Anspruch wieder zementiert. Wir sind da, wir sind vor Ort und wir sind Teil dieses Katastrophenschutzszenarios. Rein faktisch und praktisch war es für die Bundeswehr notwendig, wenn sie den Anspruch auf Ordnung im Inneren weiter aufrecht erhalten will, dass sie auch weiter präsent ist. Sie hat das nun systematisch gemacht, viel systematischer als das vorher der Fall war. Es gibt eigentlich keine Strukturen der Katastrophenhilfe mehr, die ohne die Bundeswehr funktionieren werden.

Es handelt sich also in erster Linie um eine politische Entscheidung?

Claudia Haydt: Die Bundeswehr ist deutlich präsenter, und auch systematischer präsent. Früher musste quasi vom Landratsamt zum jeweiligen Bezirkskommando eine Verbindung hergestellt werden. Entweder man telefonierte oder man tauschte Beamte aus, je nachdem, was notwendig war. Nun sitzt die Bundeswehr in den zivilen Strukturen vor Ort. Es ist also unglaublich schwierig, um sie herum zu kommen, wenn es um die Behebung einer wie auch immer definierten Katastrophe geht. Sie ist auch mit mehr Personal präsent. Wenn man das hochrechnet, kommt man auf ungefähr 5.500 Reservistenposten in der Bundesrepublik, die explizit nur für die Zusammenarbeit im Krisen- oder Katastrophenfall da sind. Das ist eine ganz neue sowohl quantitative als auch qualitative Dimension.

Aushebelung der kommunalen Entscheidungsmöglichkeiten

Wer bestimmt die Reservisten, die vor Ort sitzen?

Claudia Haydt: Die Reservisten sind aufgerufen, sich selber zu melden für diese Arbeit. Die Bundeswehr sagt, wir brauchen zwölf Personen, die ein gewisses Rangspektrum, vom Feldjäger bis zum Offizier, aber auch ein gewisses Fähigkeitsspektrum abdecken müssen, zum Beispiel, dass es Sanitätsoffiziere geben muss und so weiter. Sie fragt dann, wer steht dafür zur Verfügung, und die Reservistenverbände bestehen häufig aus ehemaligen Soldaten, die einen sehr militaristischen Geist in sich tragen und sich auch zum größten Teil, zumindest im Westen der Bundesrepublik, gerne und freiwillig melden. Und dann muss natürlich die Bundeswehr, beziehungsweise die jeweilige Länderstruktur, entscheiden, wer passt. Aber es ist erst einmal die Initiative der Reservisten, und im Westen funktioniert das extrem gut.

Haben die zivilen Stellen vor Ort die Möglichkeit, auf die Besetzung der Posten Einfluss zu nehmen?

Claudia Haydt: Nein, es gibt keinerlei Möglichkeiten. Die zivilen Stellen bekommen die Menschen, mit denen sie im gleichen Haus, auf dem gleichen Flur zusammenarbeiten müssen, vorgesetzt. Die zivilen Stellen sind gezwungen und genötigt, für diese Personen die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, aber sie haben keinerlei Möglichkeiten, mit auszuwählen, wer das ist.

Und es gibt auch keine Möglichkeit, diese Personen abzusetzen?

Claudia Haydt: Nein. Das läuft dann über die Aufsicht der Bundeswehr. Es müsste dann also ein Landrat sich bei der Bundeswehr melden und sagen, wir haben schlechte Erfahrungen mit dieser Person gemacht, aber das wird wahrscheinlich wenig Erfolg haben, wenn es nicht wirklich ein klar nachweisbares Dienstvergehen ist. Sie stehen also außerhalb der Anweisungs- und Rechenschaftsstrukturen der jeweiligen kommunalen Behörden.

Der Angriff auf die kritische Infrastruktur wird bewusst weit gefasst

Eine Aufgabe der Verbindungskommandos ist es, die Kreise beim Schutz kritischer Infrastruktur zu unterstützen. Was versteht man darunter?

Claudia Haydt: [extern] Kritische Infrastruktur ist, mit einfachen Worten gesagt, all das, was notwendig ist, um unsere fortschrittliche Industriegesellschaft am Laufen zu halten. Das sind Datennetze, Eisenbahnnetze, zentrale Brücken, Elektrizitätskraftwerke, im Zweifelsfall aber auch die Müllabfuhr. Das heißt, sobald man das durchdenkt, was alles kritische Infrastruktur ist, merkt man, dass ein [extern] Angriff auf kritische Infrastruktur aus allem Möglichen bestehen kann. Das kann ein Streik, eine Besetzung eines Elektrizitätswerks durch seine Mitarbeiter sein, es kann sich um einen Bahnstreik oder einen Castortransportprotest handeln, der Schienen blockiert.

Der Krisenfall, der Angriff auf kritische Infrastruktur, kann ziemlich weit gefasst werden. Das heißt, eine Bekämpfung dieses Krisenfalls könnte auch bedeuten, dass im Zweifelsfall Soldaten gegen streikende Mitarbeiter oder gegen Menschen, die zum Beispiel Umweltproteste durchführen, eingesetzt werden können . Wenn das als Krise oder Terrorismus definiert ist, ist eben diese Einsatzschwelle gegeben. Ich vermute, dass wir in den nächsten ein, zwei oder drei Jahren noch nicht damit rechnen müssen, aber darauf könnte es längerfristig hinauslaufen. Den Sicherheitsbehörden wäre es dann möglich, neben Polizei auch tausende oder zehntausende Soldaten zur Verfügung zu haben, um dann solche Formen des Widerstandes auch niederschlagen zu können.

Gibt es eine verbindliche Definition dieser kritischen Infrastruktur?

Claudia Haydt: Es gibt keine verbindliche Definition dafür. Es gibt auf Ebene der EU eine Reihe von [extern] Hinweisen, was unter [extern] kritischer Infrastruktur zu verstehen ist. Da ist all das aufgezählt, was ich gerade eben genannt habe. Aber das ist nicht als Gesetz formuliert, es ist nicht einklagbar, sondern in gewisser Weise willkürlich, was jeweils bei einem Einsatz als kritische Infrastruktur definiert wird, deren Störung eine krisenhafte Auswirkung auf die Gesellschaft als Ganze haben kann. Der Protest gegen einen Zubringer für die Autobahn kann also ein Eingriff in kritische Infrastruktur oder auch nicht.

Noch gibt es Begrenzungen für den Einsatz des Militärs im Inneren, die aber schon aufgeweicht werden

Und der Schutz der kritischen Infrastruktur sieht dann so aus, dass Soldaten davor aufmarschieren?

Claudia Haydt: Dazu muss man sagen, dass die Bundeswehr nach jetziger Gesetzeslage im Zuge der Amtshilfe mit dazu gezogen werden kann. Sie darf, zumindest bisher, noch nicht in militärtypischem Kontext auftauchen. Sie darf nach Gesetzeslage nicht mit Panzern auftauchen, nicht mit ihrer Bewaffnung, sondern mit der gleichen Bewaffnung, die auch der Polizei zur Verfügung steht. Ich betone deswegen nach jetziger Gesetzeslage, weil bei den Protesten in Heiligendamm ja deutlich sichtbar war, dass dies sehr locker interpretiert wird. Wenn Fennek-Spähpanzer auf jeder Autobahnbrücke stehen können oder wenn Tornados über Protestcamps fliegen, dann ist es klar, es ist militärtypisch. Das sind keine Polizeimittel, die vom Militär benutzt worden sind. Und nachdem das keine rechtlichen Konsequenzen hat, ist klar, dass politisch kein Interesse daran besteht, diese gesetzliche Lage auch wirklich umzusetzen, sondern dass eher der Versuch unternommen wird, den gesetzlichen Schutz dort noch weiter auszuhöhlen.

Immer wieder wird gesagt, dass die Bedrohungen der heutigen Zeit wie der Terrorismus eine Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Stellen erforderlich machen würden. Macht dieser Zustand nicht eine entschlossene Sicherheitspolitik notwendig, bei der auch die Bundeswehr zunehmend eingebunden wird?

Claudia Haydt: Es wird sehr häufig gesagt, wir leben in einer Zeit der grenzenlosen Bedrohung, wo man keine Unterschiede mehr zwischen innerer und äußerer Sicherheit machen kann. Die Terroristen agieren grenzüberschreitend und können in Berlin genauso zuschlagen wie in London oder Islamabad, also müssen wir ja auch grenzüberschreitende Formen der Sicherheitskooperation finden. Das ist etwas, was immer wieder gesagt wird und was durchaus etwas für sich hat.

Aber es gibt ja auch die Möglichkeit grenzüberschreitender Polizeikooperation, die längst etabliert ist. Es werden Informationen, die die Polizei in einem Land erhoben hat, wenn es inhaltlich sinnvoll ist, in andere Länder weitergegeben. Das man nun noch zusätzlich die Bundeswehr brauchen sollte für eine Aufgabe, die polizeitypisch ist, das will mir nicht einleuchten. Die Bundeswehr ist nicht für polizeiliche Arbeit, für Ermittlungsarbeit, sondern für kriegerische Auseinandersetzung ausgebildet, also für das Bekämpfen von Gegnern. Wenn man die Terroristen als militärische Gegner definiert, dann macht man all die Fehler, die man macht, wenn man militärische Einsätze durchführt. Zivilisten werden gefährdet, es wird keine feine Ermittlungsarbeit, sondern relativ harte Formen des Zugriffs geben. All das, was die Polizei gelernt hat, haben diese Soldaten nicht gelernt, und sie werden deswegen Fehler machen.

Diese Fehler werden wahrscheinlich mehr Widerstand und mehr Unruhe produzieren, als dass sie zur Entspannung oder Lösung der Situation beitragen werden. Ganz primitiv: Terroristen sind eben nicht mit Uniform versehen, und man kann sie nicht genau orten. Also man kann nicht sagen, der ist ein Terrorist, und dann kann ich ihn mit militärtypischen Mitteln auch nicht bekämpfen. Ich kann keine Panzer auffahren lassen, um jemanden, den ich als Gegner gar nicht erkenne, zu bekämpfen. Terroristenbekämpfung ist klassische Ermittlungsarbeit, bei der ich unter vielen tausenden Zivilisten die Personen herausfinden muss, die wirklich eine Gefährdung für die Zivilbevölkerung darstellen. Wenn ich sie aber militärtypisch bekämpfe, gefährde ich die Zivilbevölkerung, die ich eigentlich schützen will. Wenn man um die Herstellung von Sicherheit und um den Erhalt bürgerlicher Freiheiten besorgt ist, dann müssen wir klar für eine Aufgabenteilung kämpfen. Das Militär, wenn man es überhaupt braucht, hat eine Aufgabe, nämlich Feinde militärisch zu bekämpfen, die Polizei hat eine Ermittlungsaufgabe, und beides muss man fein säuberlich trennen, wenn man nicht zusätzliche Gefährdungslagen entstehen lassen will.

Vor allem in der Union gibt es ja die Initiative, den Bundeswehreinsatz im Inneren zu ermöglichen. Gibt es da einen Zusammenhang zu den Verbindungskommandos?

Claudia Haydt: Ja, da gibt es einen massiven Zusammenhang, weil wie ich sagte, momentan gibt es noch bestimmte Grenzen. Die Bundeswehr darf im Inneren nur im Krisen- oder Katastrophenfall eingesetzt werden, was eine Einschränkung ist, weil man dann zumindest einmal Krisen- und Katastrophenfall definieren muss. Eine weitere Einschränkung ist, dass nur polizeitypische Ausrüstung eingesetzt werden darf. All das schränkt die Bundeswehr in ihrer freien Verwendung nach Innen ein. Wenn man dann aber die Bundeswehr wesentlich selbstverständlicher zum Schutz von Atomkraftwerken oder von Brücken benutzen will, dann ist es sinnvoller, wenn man das nicht nur anlassbezogen machen kann, also wenn eine konkrete Gefährdung vorliegt, sondern ständig und dauerhaft, oder zumindest dann machen kann, wenn es politisch für opportun gehalten wird. Und dann ist es sinnvoll, wenn diese gesetzlichen Einschränkungen auch fallen oder zumindest minimiert werden, weil es eine größere Flexibilität der Einsätze der Bundeswehr ermöglicht.

Außerdem ist der Einsatz momentan auch durch die Anzahl von Soldaten, die ständig zur Verfügung stehen, begrenzt. Die CDU/CSU hatte ja die [extern] Idee, nicht nur diese 5.500 oder 10.000 Reservisten zu haben, sondern schlussendlich 250.000 zur Verfügung zu haben, die im Inland im Einsatz sein können. Eine ganz andere Dimension. Und wenn man solche Dimensionen im Kopf hat, ist natürlich jede gesetzliche Einschränkung mindestens eine zu viel. Deswegen gibt es einen massiven Versuch, immer und immer weiter die Trennung von Polizei und Militär aufzuheben, aber auch die Art der Einsätze immer stärker und offensiver möglich zu machen.

Aus meiner Sicht ist der wichtige Punkt, dass dies gar nicht so sehr gegen Terroristen gerichtet ist, das ist ein Einfalltor, sondern dass es gegen die eigene Bevölkerung gerichtet ist. Dahinter könnte etwa die Angst stecken, dass zum Beispiel Streiks so stark werden könnten, dass sie eine wirtschaftliche Auswirkung haben. Man hat Angst davor, als Staat erpressbar zu sein von streikenden Energiearbeitern zum Beispiel, und will die Möglichkeit haben, ein Gegendrohpotential zu entfalten. Und je mehr wir in einem armen Land leben, je mehr die Not zunimmt, desto mehr wird das auch als Notstand definiert und desto mehr müssen wir dann auch mit Bundeswehreinsätzen im Inneren rechnen.

Und im Ergebnis stehen dann Flugzeugabwehrbatterien vor Stadien wegen Terrorgefahr und Panzer im Regierungsviertel...

Claudia Haydt: Sie spielen auf den Einsatz der Bundeswehr bei der Fußball-WM 2006 an, als wirklich die Bundeswehr in den Stadien mit nicht polizeitypischer Ausrüstung präsent war. Und das bedeutet, dass jedes Großereignis auch ein militärisches Großereignis werden wird. Eine fürchterliche Vorstellung. Dann muss nur noch irgendeine Befehlslage unklar sein, man kann sich vorstellen, eine Panik im Stadion, die Soldaten im Stadion bekommen vielleicht eine Anweisung, die nicht passend ist zur Situation, da kann es dann ganz schnell zu Hunderten oder Tausenden von Opfern kommen, wenn die Soldaten entsprechend ausgerüstet, aber in der Situation völlig überfordert sind. Man kann sich vorstellen, dass das vollständig eskalieren und keinesfalls zum Schutz der Bevölkerung dienen wird.

Wird die Bundeswehr bald auch auf Streikende schießen können?

Warum glauben Sie, findet das Thema bisher in den Medien so wenig Beachtung?

Claudia Haydt: Ich glaube, weil es so abstrakt ist. Es sind die Strukturen, die verändert worden sind, sichtbar wurde es eben nur bei der WM oder in Heiligendamm. Weitere Ereignisse, bei denen das zum Tragen kam, waren dann Vogelgrippe, Waldbrand oder Hochwasser. Das klingt erstmal schön, das ist so eine Art Public-Relations-Maßnahme für die Bundeswehr, wenn sie dort auftaucht und den Menschen helfen kann. Für solche Hilfe gibt es in den Medien dann auch häufig Beifall. Sich aber zu überlegen, was das in anderen Situationen bedeutet, das setzt eine Hintergrundrecherche voraus, für die meistens im Alltag von Journalisten wenig Zeit bleibt.

Deswegen braucht es natürlich kritische Journalisten, die fragen, was das konkret bedeutet. Ist das nur dieser schöne Effekt, dass beim Hochwasser jemand da ist, der Sandsäcke füllt, oder bedeutet das etwas, was schlussendlich das Leben in der Bundesrepublik verändert? Diese Frage zu stellen braucht Zeit und Recherche und Reflexion, und all das findet im Redaktionsalltag viel zu selten statt. Aber es fehlt auch am Geschichtsbewusstsein. Vielen ist nicht klar, was es bedeutet, wenn Sicherheitskräfte, also Polizei, Geheimdienste und Militär, in einem Land so eng zusammenarbeiten. Das zeichnet einen totalitären Staat aus, den wir im Dritten Reich hatten.

Und der letzte Punkt aus meiner Sicht ist, dass die Bundeswehr insgesamt ein sehr gutes Image hat. Nicht so sehr ihre Kriegseinsätze, der Afghanistaneinsatz hat ja ein schlechtes Image, aber die Bundeswehr als Ganze hat ein gutes Image in der Bevölkerung. Folglich traut man ihr nichts Böses zu, man kann sich nicht vorstellen, dass diese Bürger in Uniform sich tatsächlich auch gegen andere Bürger wenden könnten. Damit müssen wir, wie gesagt, auch nicht sofort rechnen, sondern das sind schleichende Strukturveränderungen, die etwas ermöglichen, wovor ich Angst habe und wovor ich warnen will, bevor wir unkontrollierbare Sicherheitskräfte haben. Wenn man Menschen auf der Straße fragt, dann denken sie beim Thema Afghanistan zuerst an einen Entwicklungshilfeeinsatz, und im Innern denkt man eben auch nur an das Sandsackschaufeln und nicht daran, was es zur Einschränkung von Demonstrationen oder zur Kontrolle der Bevölkerung und Einschränkung von Bürgerrechten beiträgt. Das wird systematisch ausgeblendet, und es ist noch eine harte Arbeit, dafür ein Bewusstsein zu schaffen.

Aber mittelfristig trauen Sie der Bundeswehr nicht zu, auf Streikende zu schießen?

Claudia Haydt: Ich sagte, kurzfristig traue ich es ihr nicht zu. Mittelfristig wage ich da wirklich keine Aussage. Es kommt jeweils auf die Eskalation von Situationen an.

Ich habe ja schon einmal den Vergleich zu Afghanistan gezogen. Seit Juni 2008 sind in Afghanistan diese Quick Reaction Forces, also so eine Art militärische schnelle Eingreiftruppe im Einsatz. Das sind im Einzelnen sicherlich alles nette Jungs, aber sie sind von konkreten Situationen überfordert und reagieren falsch, was man zum Beispiel im August merkte, als Bundeswehrsoldaten an einem Checkpoint waren, es kamen Autos auf sie zu, wendeten, es war Nacht, sie hatten Angst, die Befehlslage war unklar, und einer der Soldaten [local] schoss, als das Auto schon gewendet hat, und traf dann die Frau und die Kinder auf dem Rücksitz. Ich denke, dass ist einfach eine klassische Überforderungssituation. Und eine Checkpointsituation ist eine Polizeisituation, wo man Polizisten braucht, die gelernt haben, wie man nachts bei schlechten Sichtverhältnissen mit Kontrollsituationen umgeht, während die Bundeswehrsoldaten das noch nicht einmal richtig gelernt haben, sondern nur einen Kurzkurs über wenige Tage darüber hatten, wie sie mit so einer Situation umgehen müssen, und sich dann entsprechend falsch verhalten.

Ich denke, solche Eskalationen werden erstmal nicht mit Absicht passieren, sondern sie werden aus Überforderung entstehen, weil das eben nicht der Ausbildung der Soldaten entspricht. So etwas Ähnliches kann ich mir im Innern auch vorstellen. Ein Beispiel wären Barrikaden, die Streikende aufgebaut haben und von denen die Soldaten nicht wissen, ob hinter diesen Barrikaden ein Kameraobjektiv ist oder vielleicht doch jemand auf sie zielt, und dann schießen sie eben, weil sie sich gefährdet fühlen. So etwas kann sehr schnell passieren, und das kann dann insgesamt ein Klima der Angst und des Hasses entstehen lassen. Ich denke, wir sind von Situationen wie in Griechenland noch weit entfernt, aber das zeigt ja, wenn in der Bevölkerung großer Hass, große Wut da ist, dann kann das sehr schnell eskalieren, und wenn auf der anderen Seite entsprechend ausgerüstete Soldaten sind, die in der Situation verunsichert sind, setzen sie ihre Waffen auch ein, oder zumindest ist zu befürchten, dass sie sie einsetzen, und genau das möchte ich verhindern und rechtzeitig davor warnen.


Die Bundeswehr lernt bei Auslandseinsätzen auch Fähigkeiten für den Einsatz im Inneren

Stellen Sie sich das zukünftige Vorgehen der Bundeswehr dann so vor, wie auf diesem [extern] Foto aus der Zeitschrift "Europäische Sicherheit" zu sehen ist?

Claudia Haydt: Das ist nicht ausgeschlossen. All das, was die Soldaten gerade für den Auslandseinsatz üben oder auch im Einsatz mitmachen, sind Fähigkeiten, die sie nach Innen auch mitbringen. Und diese Fähigkeiten der "Crowd and Riot-Control", also der Kontrolle von Massen und der Kontrolle von Aufständen, gehören zum Beispiel für die Einsätze im Kosovo oder in Afghanistan zur Schnellausbildung der Bundeswehr. Das sind Fähigkeiten, bei denen dann durchaus politisch die Entscheidung kommen kann, dass sie jetzt im Inneren gebraucht werden.

Ich nehme einfach noch einmal das griechische Szenario. Wenn es tausende oder hunderttausende Menschen geben würde, die auf den Straßen sind, weil sie zum Beispiel die weitere Verschärfung der Hartz-IV-Gesetze nicht mehr akzeptieren wollen, und das aus Sicht der Politik unkalkulierbar wird, man gleichzeitig aber auch nicht bereit ist, politische Zugeständnisse zu machen, dann bietet es sich an, Soldaten, die gelernt haben, wie man Massen in Schach halten kann, auch im Innern einzusetzen. Deswegen denke ich, dass wir sehr genau hinsehen müssen, nicht nur auf das, was hier in Deutschland passiert, sondern auch, welche Fähigkeiten sich Bundeswehrsoldaten im Ausland erwerben. Gerade dieses etwas brutalere Vorgehen als das der Polizei in Deutschland macht den Bundeswehreinsatz im Ausland aus. Nun gut, man versucht dann erstmal nur mit Schlagstöcken oder nur mit Wasserwerfern oder nur mit Tränengas, Gruppen in Schach zu halten, hat aber die Panzer im Hintergrund und kann Schusswaffen gebrauchen oder eben mit Panzern auf Menschenmengen zurollen. Das eskaliert eine Situation total und ist eben auch eine Gefährdung der Zivilbevölkerung, macht Zivilbevölkerung zum Gegner, im Ausland wie im Inland.

Es gibt Konzepte der Bundeswehr, so genannte Konzepte der vernetzten Sicherheit. Zu denen gehört unter anderem zu sagen, dass die Bundeswehr ein ganz breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten hat. Wir können in zivilen Kontakt mit der Bevölkerung kommen, sie überreden, überzeugen, das auf der einen Seite. Und wir haben auf der anderen Seite die Möglichkeit, wirklich tödliche Gewalt anzuwenden. Und wir haben dazwischen ein ganzes Spektrum an Eskalationsmöglichkeiten, eben vom Schlagstock über den Wasserwerfereinsatz bis zum Schusswaffengebrauch, die wir je nachdem, wie wir es für nötig halten, einsetzen können.

Dieses Kontinuum in der Ausweitung militärischer Gewaltanwendung wird gerade ausgetestet. Es wird nahtlos von einem zum anderen übergegangen, so dass es zuerst einmal freundlich aussieht, nicht militärisch, nicht so sehr nach Krieg, aber wir haben immer im Hinterhalt die Möglichkeit, auch harte Mittel einzusetzen. Situationen werden auch darüber definiert, wer das stärkste Mittel hat. Wenn ich mit jemandem verhandele, mit dem ich nur rede, aber der andere hat ein Maschinengewehr über der Schulter, dann ist es klar, dass er eine andere Verhandlungsposition hat. Das heißt, es geht darum, die Bundeswehr sowohl konkret in Einsatz zu bringen, aber sie auch als politisches Gewicht zur Überzeugung und zur Beeinflussung von Situationen heranzuziehen. Und dieses politische Gewicht der Bundeswehr ist etwas, vor dem ich große Angst habe, weil es Möglichkeiten einschränkt, auch Protest einschränkt.


Anstatt die Bundeswehr bei Katastrophen heranziehen zu müssen, wäre der Ausbau des zivilen Katastrophenschutzes wichtig

Die Verbindungskommandos sind in jedem Kreis installiert. Besteht denn die Möglichkeit der Einflussnahme dieser Kommandos auf die Kommunalpolitik?

Claudia Haydt: Die Einflussnahme der Verbindungskommandos auf die Kommunalpolitik ist erst einmal indirekt, aber dennoch nicht unwichtig. Wenn Bundeswehrsoldaten in den kommunalen Behörden sitzen und das Militär zum Beispiel eine eigene Feuerwehr anbieten kann, die beim Brand einer Chemiefabrik helfen kann, oder auch in der Lage ist, auf Räumgeräte zurückzugreifen, mit dem nach einem Orkan die Straßen geräumt werden können, ist ein Anreiz für die Kommunen gegeben, zu sagen, wir haben ja die Bundeswehr, wir brauchen kein eigenes Gerät mehr, da können wir Geld sparen.

Allein durch das Angebot dieser militärischen Fähigkeiten entsteht ein Druck, durch den die zivilen Fähigkeiten Stück für Stück abgebaut werden. Damit macht sich Militär immer unabkömmlicher, und da die Kommunen alle sehr arm sind, ist es ein extremer Druck, der da ausgeübt wird. Ich habe zehn Jahre lang Kommunalpolitik gemacht, und man sucht da jeden Punkt, wo man ein Feuerwehrauto, einen Räumbagger oder sonst was sparen kann, einfach um ein bisschen Geld, ein bisschen Luft frei zu haben. Das Militär wird dadurch nach und nach zum einzigen Anbieter, der den zivilen Schutz im Katastrophenfall bieten kann.

In meinen Augen eine völlige Fehlentwicklung. Es wäre viel besser zu sagen, die Bundeswehr muss das nicht machen können, die zivilen Stellen müssen es können, und sie müssen im Notfall auch entscheiden können, was für sie wichtiger ist. Ist der Weg zum Krankenhaus oder der zur Kaserne der wichtigere? Solche Entscheidungen werden im Notfall vom Militär definiert, mit seinen eigenen Prioritäten. Deshalb halte ich das für einen ganz katastrophalen Einfluss auf die kommunalen Strukturen. Es ist nicht so, dass die zivilen Krisenhilfsstrukturen abgebaut werden, weil die Bundeswehr das sagt. Die Bundeswehr wird sagen, wir haben das niemandem vorgeschrieben, natürlich sollen die Kommunen das weiter behalten. Aber durch die normative Kraft des Faktischen wird es für die Kommunen fast selbstverständlich, ihre eigenen Kapazitäten abzuschaffen.

Ein weiterer Punkt in diesem Kontext ist übrigens, dass es für die Kommunen dann doch nicht billig wird. Es wird gesagt, wir stellen ja militärisches Personal und militärisches Gerät zur Verfügung. Aber es gibt jetzt schon [extern] Kommunen, wo dann das Militär gesagt hat, naja, wir stellen das schon zur Verfügung, aber wir wollen dann ein anständiges Lagezentrum haben. Die Einrichtung eines Lagezentrums bedeutet immer: abhörsichere Kommunikationswege. Das bedeutet, dass es immer gesicherte Datenverbindungen von diesen zivilen Lagezentren zur Bundeswehr geben muss. Es ist also eine Art High-Tech-Lagezentrum erforderlich, und das kostet Geld. Das kostet hunderttausende Euro, die auch investiert werden müssen, und zwar von den Kommunen. Einerseits wird also Geld eingespart, aber andererseits müssen die Bürger dann doch wieder alles zahlen.

Aber was sie nun bezahlen, kontrollieren sie nur noch begrenzt. In gewisser Weise entstehen dadurch in den zivilen und eigentlich demokratisch kontrollierbaren Strukturen kontrollfreie Räume in denen die Bundeswehr das Sagen hat. Und die Bundeswehr funktioniert nach Befehl und gehorsam, nach ganz eigenen Kriterien. Da kann dann vielleicht noch der einzelne Landrat oder einzelne Beamte etwas mitreden, aber schlussendlich wird die Bundeswehr die Oberhand haben.

Die Verbindungskommandos sind also nicht mehr demokratisch kontrollierbar?

Claudia Haydt: Sie sind nur noch begrenzt demokratisch kontrollierbar. Dadurch, dass die Bundeswehr mit bis zu zwölf Personen dort präsent ist, sie fast die gesamte Ausrüstung stellt und auch über Expertise verfügt, die im kommunalen Kontext Stück für Stück verloren geht, kann sie die jeweiligen Situationen mehr und mehr bestimmen. Sie kann definieren, was der Notfall räumlich und inhaltlich ist. Sie definiert die Lage, und sie ist außerhalb dessen, was kommunale Strukturen ausmacht.

Die Bundeswehr ist also diejenige, die einen demokratiefreien Raum entstehen lässt. Einen Landrat kann man, je nach Bundesland, entweder abwählen oder zumindest bei den neuen Wahlen ist es klar, dass er nicht mehr von seiner Partei aufgestellt wird, wenn er Mist baut. Die einzelnen Beamten kann man vor Ort leichter kontrollieren, durch Dienstaufsichtsbeschwerden und so weiter, die auch einzelne Bürger machen können. Das ist gegenüber der Bundeswehr wesentlich schwieriger, wesentlich intransparenter. Sowohl die einzelnen Bürger als auch die kommunalen Strukturen haben weniger Möglichkeiten der Einflussnahme. All das ist für mich so unkontrollierbar, so intransparent, dass man sich allein aus demokratietheoretischen Gründen dieser Form der zivil-militärischen Kooperation versperren und verschließen sollte.

Welche Alternative zur zivil-militärischen Zusammenarbeit schlagen Sie vor?

Claudia Haydt: Wichtig ist, die zivilen Strukturen mit dem Gerät auszustatten, das benötigt wird, um in Krisen- und Katastrophenfällen auch helfen zu können. Gebraucht werden zum Beispiel Räumbagger oder ein gewisses Maß an Kommunikationsstrukturen, die funktionieren, auch wenn die Stromversorgung zusammenbricht. Weiterhin wird entsprechendes Personal mit entsprechender Ausbildung benötigt. All das ist möglich und all das gibt es ja auch schon in Ansätzen, nur eben zu wenig.

Es ist eine Frage der politischen Prioritäten, wo investiert wird. Aus meiner Sicht ist das Zivile das einzig Sinnvolle, weil man nur so auch zivile Prioritäten setzen und dann entsprechend der Bedürfnisse der Bevölkerung agieren kann. Es ist durchaus möglich, ein gewisses Maß an Reservisten auch auf der Ebene der Bevölkerung mit einzubeziehen, auch Schulklassen mit einzubeziehen in die Ausbildung, was zu tun ist, wenn ein Damm zu brechen droht. Es lassen sich Strukturen finden, in denen man Menschen heranziehen kann, die helfen, die auch sicher bereit sind zu helfen, wenn man sich rechtzeitig entsprechende zivile Strukturen überlegt und ausbaut. Es ist nicht notwendig, auf die Bundeswehr zurückzugreifen, ganz im Gegenteil, ich halte es für sinnvoller, wenn sich eine zivile Bevölkerung von militärischen Strukturen unabhängig macht.

Deswegen ist es aus meiner Sicht nicht nur so, dass es Alternativen zur Bundeswehr gibt, sondern man kann wesentlich effektiver Katastrophen bekämpfen, wesentlich effektiver helfen, wenn das in ziviler Hand ist. Und diese Hilfe kann man dann auch wesentlich effektiver in andere Länder bringen, wenn es dort notwendig ist, als wenn ich dazu die militärischen Strukturen brauche, weil dann das Humanitäre wesentlich mehr Priorität hat als im militärischen Kontext.


Die Religionswissenschaftlerin und Soziologin [extern] Claudia Haydt war von 1989-1994 Mitglied des Kreistags Tübingen und von 1994 bis 1999 als Stadträtin in Tübingen aktiv. Aus Protest gegen den Krieg im Kosovo [extern] erklärte sie ihren Parteiaustritt bei Bündnis90/Die Grünen. Heute ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Bundestagsfraktion der Linkspartei. Außerdem engagiert sie sich in der Informationsstelle Militarisierung ([extern] IMI). Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Europäische Militarisierung sowie allgemeine Friedens- und Konfliktforschung. Telepolis sprach mit ihr über "Homeland Security" in der Bundesrepublik.



Mittwoch, 18. Februar 2009

Traumapolitik:

http://www.duckhome.de/tb/archives/5396-Traumatisierte-Soldaten-in-einem-traumatisierten-Volk.html


Mittwoch, 18. Februar 2009

Traumatisierte Soldaten in einem traumatisierten Volk

Wie nicht anders zu erwarten, treffen immer mehr traumatisierte Soldaten der Bundeswehr von ihren Auslandseinsätzen wieder in Deutschland ein. Ein kleiner Teil, bisher wohl 245 Soldaten, suchte ärztliche Hilfe, der weitaus größere Teil der 63.000 Soldaten, die aus den Einsätzen kamen und zumindest teilweise auch schwer traumatisiert sind, sucht diese Hilfe nicht. Wir kennen dieses Problem von den amerikanischen Soldaten in Vietnam, die sich auch solange für geistig gesund hielten, bis sie dann Amok liefen.

Es is natürlich nicht populär und entspricht auch nicht dem allgemeinen Bild eines harten deutschen Soldaten, der ja für Peter Struck die Freiheit des Drogenanbaus in Afghanistan verteidigen sollte und dessen Tod für die Gedächtnisbaracke des Kriegsministers Jung so unverzichtbar ist. Sie sind eben nicht zäh wie Leder, flink wie Windhunde und schon gar nicht hart wie Kruppstahl. Sie sind Söhne und Töchter ihrer Mütter und Väter.

Natürlich ist das Menschsein an sich, in einer neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen Gesellschaft, auch ein Makel an sich. Man braucht in solch einer Gesellschaft keine Menschen, sondern funktionierende Automaten. Menschlichkeit, Mitempfinden und Verantwortungsgefühl sind da einfach fehl am Platze. Ein Soldat soll nicht fühlen, sondern gehorchen. Der Bürger in Uniform muss einer mörderischen Marionette weichen.

Während die Soldaten durch das unnötige und durch nichts zu rechtfertigende Grauen der imperialistischen Kriegsmaschine der USA und die eigene Hilflosigkeit, dank mangelnder Versorgung, traumatisiert sind, wird das Volk durch die Quälereien der Herrschenden traumatisiert. Seit Jahren wird allen Menschen erzählt, dass sie wertlos und zu nichts nutze sind, dass ihr Leben die Reichen und Schönen nur belastet, dass jeder Cent, den sie erhalten, zwei Euro zuviel sind.

Diese ständigen Angriffe auf ihre Menschlichkeit haben viele Bürger zermürbt, jede Hoffnung zerstört und eine tiefe Depression hinterlassen. Diese Depression war Absicht der Kannegiesser, INSM, Mohn/Bertelsmann und Springer sowie des Großkapitals. Mach die Menschen klein, dass sie sich nicht wehren, dass sie sich vor ihrem eigenen Spiegelbild schämen.

Die Jungen in den Krieg, als Opfer, oder um sie als perfekte mitleidlose Mörder zurückzubekommen, die dann auch bereit sind, für Schäuble, Bosbach, Merkel, Wiefelspütz, Steinmeier und Steinbrück auch ihre eigenen Geschwister und ihre Eltern ohne Nachdenken zu erschießen. Auf dass die neoliberale Diktatur des Großkapitals und seiner Handlanger auf ewig erhalten werde! - Soldaten auf Arbeiter schießen zu lassen, war immer schon ein gutes Herrschaftsinstrument. Die Arbeiter sollen die Soldaten anstatt die Herrschenden hassen. Die Ausführenden statt den Auftraggeber. Wir kennen das ja gut, in Deutschland.

Reiter eieder an der schwarzen Mauer

Reiter wieder an der schwarzen Mauer
vor der Kokerei im Pfefferminz.
Diesmal sind es sieben junge Mädchen
auf Patrouillenritt zum Märchenprinz.
Hören sie im Bauch schon die Trompeten?
Eine, die sich in die Bügel stellt
Helle Rufe. Und dann stürmt das Fähnlein
galoppierend in das Roggenfeld.
Schüsse fallen nicht Es wehen Tücher
überm gelben Roggen. An Schacht
Zwei in der stiligelegten Zeche
traben sieben junge Mädchen rasch vorbei.

Dreizehn waren sie und waren Ulanen
an der schwarzen Mauer, Halt davor.
Und dann schmetterte eine Trompete
zur Attacke auf das Zechentor.
Und dahinter standen hundert Kumpel
ohne Waffen, ihre Frauen mit;
sangen lauter, um sich Mut zu machen,
wie das Fähnlein in den Roggen ritt
Säbelblitzen überm gelben Rouen,
doch Ulanen schlagen erstmal flach.
Später fielen erst die scharfen Schüsse.
Und zwei Kumpel waren tot danach.

Ich sah dann auch an der schwarzen Mauer
die drei Reiter, einer noch ein Kind.
Einarmig der erste, und dem letzten
flatterte der Kopfverband im Wind.
Nein, man hörte kein Trompetenschmettern
beim Galopp hinein ins Roggenfeld.
Zwei Granaten feuerte der Panzer,
gut getarnt ans Zechentor gestellt
Erdfontänen überm gelben Roggen
und der gräßlich helle Pferdeschrei.
Einer aber galoppierte weiter
ohne Kopf und kam noch bis Schacht Zwei.

Nein das Vergangene ist nicht tot - es ist nicht einmal vergangen.

Reiter wieder an der schwarzen Mauer
vor der Kokerei im Pfefferminz.
Diesmal sind es sieben junge Mädchen
auf Patrouillenritt zum Märchenprinz.


Franz Josef Degenhardt


Allerdings haben die Zeiten sich gewandelt. Die Bürger sind nicht mehr ganz so schrecklich dumm, auch wenn manche sie für dumm halten oder wie Mohn/Bertelsmann sie wieder dumm machen möchten. Auch die Soldaten merken, dass man ihnen Schreckliches antut, damit sie ihren Opfern Schreckliches antun. Dass sie Kriege für Leute führen sollen, die ihren Familien nicht einmal eine einzige Scheibe Brot für alle gönnen. Die Menschen wachen auf - und weil das gefährlich ist, wenn die Herrschenden es mit einem wachen Volk zu tun bekommen, sinnen sie auf Abhilfe.

Man kann dem Volk nicht mehr damit drohen, ihm etwas wegzunehmen. Das Volk hat längst begriffen, dass ihm alles genommen werden wird. Dass es kein Erbarmen geben wird. Die Merkel/Steinmeier werden das Blut der Neugeborenen mit einem Lachen auf dem Alter des Großkapitals opfern, wenn sie dafür nur ein wenig gekrault und nicht geschlagen werden. Sie sind schnell dankbar vor ihren Herren vom Kapital.

Deshalb muss die Wissenschaft ran. Kaum haben wir traumatisierte Soldaten und ein traumatisiertes Volk, hilft die allzu willige Wissenschaft doch unmenschlich gerne.

Forscher löschen Erinnerungen aus dem Angstgedächtnis

Schreckliche Erlebnisse brennen sich regelrecht in das Gedächtnis des Menschen ein. Ein großes Problem für Betroffene, denn mitunter genügt ein kleiner Reiz, um die Erinnerung an eine Bombenexplosion, den miterlebten Tod eines Freundes oder eine blutige Schießerei wachzurufen. Tausende Veteranen der Kriege im Irak und Afghanistan leiden unter der sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) - die Behandlung ist aufwendig. Selbst Erlebnisse aus dem 2. Weltkrieg können bis in heutige Tage nachwirken.

In einem kontrollierten Laborexperiment konnten niederländische Forscher nun den Zugriff auf Inhalte aus dem Angstgedächtnis komplett verhindern - und das auf Dauer. Selbst längere Zeit nach dem Experiment schreckten die Probanden nicht mehr vor den Angstreizen des Experiments zurück.


Ist das nicht schön. Anstatt die Ursache der Traumata, den gnadenlosen Krieg gegen die Zivilbevölkerung und die mangelnde Ausrüstung der Soldaten durch Frieden von vornherein zu beenden, kommt die grandiose Wissenschaft auf die Idee, einfach die Erinnerung zu löschen. So mordet's sich beim nächsten Mal doch schon viel leichter.

Mal sehen, wann bei den ersten Probanden die Mittelchen nicht mehr wirken und ein gut ausgebildeter Killer durch eine europäische Innenstadt und einen Wochenmarkt tobt. Da entstehen dann bestimmt viele schöne neue Traumata, die dann "gelöscht" werden können. Und wenn das nicht mehr hilft, dann kann man bald einfach ein ganzes Gehirn neu programmieren. Auch wenn es jetzt wie eine Gnade der Stammzellenforschung klingt, birgt es doch einige Gefahren.

Menschliche Stammzellen kommunizieren mit Maushirn

Bonner Forscher haben aus menschlichen embryonalen Stammzellen sogenannte Gehirnstammzellen hergestellt, die sich nahezu unbegrenzt im Labor vermehren lassen.

Das Team von Prof. Oliver Brüstle pflanzte daraus gewonnene Zellen zudem in Mäusehirne, wo sie mit anderen Zellen kommunizieren konnten. «Das ist der erste direkte Beweis, dass sich Nervenzellen aus menschlichen Stammzellen in die Schaltkreise eines Gehirns integrieren können», erklärt der Erstautor der Studie, Philipp Koch. Unter den gewonnenen Nervenzellen seien auch solche, die bei der Parkinsonschen Erkrankung ausfallen, berichtete die Universität Bonn am Montag.


Wann werden sie versuchen, ob sie nicht Stammzellen aus einem Mäuse- oder Spatzenhirn in ein menschliches Gehirn einbauen können, um simple Befehlsempfänger zu bekommen, die dann ohne Bedenken alles tun, was man ihnen sagt? Die könnten sogar Wahlrecht erhalten und den Herrschenden eine Dauerlegitimation geben.

Das sei doch Übertreibung, meinen Sie, lieber Leser. Ja. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Ich traue unseren Herrschenden alles zu. Nur nichts Gutes.

Erwartete Arbeitslosenzahlen der EU - bei uns noch keine Schlagzeile wert...

...doch im Iran durchaus: IRIB berichtet darüber, dass die EU in Europa 10 % Arbeitslose erwartet. Schon im Dezember letzten Jahres stiegen die Zahlen auf 7 - 8 %. Die Analyse wurde gestern vorgelegt.

Wenn die Arbeitslosenzahlen schön gerechnet werden, hatten es die Verantwortlichen und Regierenden allemale eilig damit, diese zu verkünden. Seit die Zahlen wieder im Negativbereich ansteigen, pressiert es nicht mehr so sehr.

Hier der Link zu IRIB:

http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=21064:eu-erwartet-10-prozent-arbeitslose-in-europa&catid=16:wirtschaft&Itemid=6

Israel und palästinensische Gefangene

http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=21053:blick-auf-lage-palaestinensischer-gefangenen&catid=13:kommentare&Itemid=11


Blick auf Lage palästinensischer Gefangenen
Dienstag, 17. Februar 2009 um 22:45
Das zionistische Regime unterdrückt die Palästinenser auf jeder erdenklichen Art, dazu gehört auch, dass es sie gefangen nimmt. So kommt es, dass in den letzten 40 Jahren über 800 tausend Palästinenser unter verschiedensten Begründungen eine Haft in Israel erdulden mussten und praktisch verschiedener Folter ausgesetzt waren. Zurzeit befinden sich über 12 tausend Palästinenser in israelischer Haft. Die Haftbedingungen sind sehr schlecht und die Inhaftierten sind täglich Folter ausgesetzt. Dutzende dieser Gefangenen haben durch die Misshandlungen in den letzten Jahren den Märtyrertod gefunden, hunderte weitere sind an unheilbaren Krankheiten erkrankt.
Ergebnisse von Untersuchungen an palästinensischen Häftlingen haben ergeben, dass das unmenschliche Verhalten der Zionisten ihnen gegenüber zugenommen hat. Die Zionisten wollen damit die Haftzeit verlängern und noch weitere inhaftieren.
Das deutet alles darauf hin, dass es eine Grundpolitik der Zionisten ist, die Palästinenser in ihre Gefängnisse zu stecken. In Palästina betonen Rechtskreise, dass unter den 12 tausend Inhaftierten 760 zu Lebenslanger Haft verurteilt worden sind. Abdelnasser Ouni Farwaneh, Forscher in Angelegenheiten von Gefangenen, legte dazu eine Statistik vor. Die 12 tausend Gefangenen werden in etwa 20 Gefängnissen und Haftlager festgehalten; 760 wurden zu einem Jahr und mehrere zu lebenslanger Haft verurteilt, 11 Gefangene befinden sich seit mehr als 5 Jahren in Haft, 336 Gefangenen schon seit über 15 Jahren.
Das barbarische Verhalten der Zionisten kommt damit zum Vorschein, gleichzeitig genießen sie die umfangreiche Unterstützung westlicher Staaten, die sich als Verfechter der Menschenrechte ausgeben.
Das Schweigen internationaler Gremien gegenüber diesen Verbrechen und die Unterstützung aus westlichen Ländern für diese unmenschlichen Taten ermuntern Israel in seiner Unterdrückung der Palästinenser. Im Fall Gaza hat die Unterstützung aus dem Westen dazu geführt, dass Israel die Blockade verschärfte und damit den Gazastreifen zu einem grossen Gefängnis für die Palästinenser machte.

Sonntag, 15. Februar 2009

Erfolg bedeutet, dass man Hilfskrücken nicht mehr braucht...

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/dokumentation/1657079_Die-neue-Armenspeisung.html


"Tafelbewegung"

Die neue Armenspeisung

Von Stefan Selke

Gut fünfzehn Jahre ist es her, dass in hiesigen Medien von der neuartigen Gründung einer "Berliner Tafel e.V." berichtet wurde - dem Nukleus der daraus erwachsenden deutschen "Tafelbewegung". Das Vorbild war die Gründung der Einrichtung "City Harvest" in New York im Jahre 1983. Die Grundidee ist so bestechend wie einfach: Überschüssige Lebensmittel werden eingesammelt und kostenlos an bedürftige Menschen und soziale Einrichtungen verteilt.

Armenspeisung
Der Beitragist eine gekürzte Fassung eines Artikels aus den Blättern für deutsche und internationale Politik (Heft 1/2009). www.blaetter.de
Er beruht auf dem Buch des Verfassers "Fast ganz unten", das kürzlich im Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, erschienen ist.
Heute versorgen in der Bundesrepublik rund 800 Lebensmitteltafeln - etwa dreimal so viele wie noch im Jahr 2000 - fast eine Million Menschen mit dem Notwendigsten. Täglich arbeiten Zehntausende ehrenamtliche Helferinnen und Helfer daran, dass alle Menschen "ihr täglich Brot" bekommen, und noch einiges mehr. Sie sammeln Lebensmittel, die ansonsten vernichtet würden, und verteilen sie weiter. Die Tafelbewegung gilt damit als die größte Bürgerbewegung der Bundesrepublik und wird inzwischen von überregionalen Unternehmen und prominenten Großspendern, wie etwa Daimler, Aldi, Lidl und Rewe, unterstützt.

Dennoch ist die Tafellandschaft letztlich noch eine "terra incognita" - vor allem für die Menschen, die von Armut selbst nicht betroffen sind. Denn Tafeln sind eine Reaktion auf die wachsende Armut. Sie sind die Hinterbühne des erodierten Wohlfahrtsstaates und gehören inzwischen stillschweigend zu dessen Normalausstattung. Das Motto der Tafelbewegung lautet: "Jeder gibt, was er kann." Tafeln versorgen Woche für Woche bedürftige Menschen mit Waren aus der Überproduktion der Lebensmittelbranche oder mit Lebensmitteln, die kurz vor dem Haltbarkeitsdatum stehen. Sie stellen damit die mehr oder weniger komplementäre Versorgung immer größerer Bevölkerungsteile sicher und ersetzen auf diese Weise schleichend Fürsorgeleistungen des Staates. (…)

Der Autor
Stefan Selke ist Professor für Soziologie Digitaler Medien an der Hochschule Furtwangen University. Neben seiner Forschung über virtuelle Realitäten im Cyberspace beschäftigt er sich aus soziologischer Perspektive auch mit der realen Welt der Tafeln und den konkreten Formen sozialer Ungleichheit in Deutschland. In beiden Welten verfolgt er immer wieder die Leitfrage: "In welcher Wirklichkeit leben wir eigentlich?"
Hoch ambivalent ist dabei die Rolle, die den Spendern zukommt. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sie das Tafelwesen erst ermöglichen und in Gang halten. Schaut man jedoch genauer hin, wird deutlich, dass die Spender ebenfalls von den Tafeln profitieren.

Allein in Deutschland werden jährlich 400 Millionen Tonnen Abfall produziert. Die Spuren der Wegwerfgesellschaft finden sich überall. "Kaufen, auspacken, wegwerfen", scheint die Formel für unseren modernen Lebensstil zu sein. Ein Teil dieser schnell und scheinbar mühelos entsorgten Waren sind auch Lebensmittel.

Dahinter "stecken" letztlich wir alle: Als übermäßig anspruchsvolle Kunden machen wir das Tafelwesen erst möglich. Wir, die wir einen Apfel schon dann nicht mehr kaufen, wenn er eine leichte Druckstelle hat. Wir, die wir eine Packung, die aufgerissen ist, wie selbstverständlich im Regal liegen lassen. Erst unsere Anspruchshaltung erzeugt den allgegenwärtigen Überfluss. Von dessen Zweitverwertung ernähren sich die bedürftigen Menschen.

Und hier trifft man auf eine ganz andere Problemdimension. Hier geht es nicht darum, dass immer mehr Gebrauchsgegenstände so konstruiert werden, dass sie durch Neukauf statt Reparatur ersetzt werden müssen. Sondern darum, dass einfach zu viele Lebensmittel produziert werden und dann - in voll genussfähigem Zustand - auf dem Müll landen. Lebensmittelhersteller produzieren stets 120 bis 140 Prozent des Bedarfs, damit Engpässe, Verkaufsschwankungen, Transportprobleme und andere Störungen ausgeglichen werden können. 20 bis 40 Prozent werden also bewusst für den Müll produziert.

Tafeln und Supermärkte befinden sich daher oft in einem symbiotischen Verhältnis. Insgesamt holen die Tafeln jährlich gut über 100 000 Tonnen brauchbare Lebensmittel ab. Das geht sogar so weit, dass einige Tafeln Mitarbeiter abstellen, die in den Supermärkten die Restware aussortieren. Die Supermärkte sparen auf diese Weise Personalkosten, den Tafeln ist dadurch immer eine Mindestmenge an Lebensmitteln garantiert.

Soziale Gründe spielen für die Spender-Unternehmen nur eine untergeordnete oder eine vorgeschobene Rolle. "Das spielt wohl auch mit rein", formuliert ein Marktleiter den sozialen Aspekt vorsichtig, "sicher bin ich mir aber nicht. Uns wurde damals gesagt, dass wir dadurch eben viel Geld sparen können. Wenn wir die Lebensmittel nicht spenden würden, müssten wir sie ja verschrotten. Und das kostet eben."

Trotz dieser doppelten Nützlichkeit - für Kunden und Spender - haben die meisten Tafeln heute mit wachsenden Problemen zu kämpfen. Sie müssen immer schneller reagieren, der Kundenstamm wächst schneller als die eigenen Strukturen. Mancherorts gibt es einen regelrechten "Krieg" um die Waren zwischen verschiedenen Tafeln. Gerade auch deshalb, weil immer mehr tafelähnliche Einrichtungen oder sogenannte "wilde Tafeln" entstehen, die sich des positiv besetzten Namens "Tafeln" bedienen. Vor allem die Tafelvereine, die ausschließlich ehrenamtlich arbeiten, stehen unter einem erheblichen Organisations- und Professionalisierungsdruck. Einerseits wollen sie sich ihre Freiräume erhalten und einen offenen Umgang mit ihren Kunden pflegen; andererseits müssen sie aber auch immer mehr Vorgaben erfüllen und Leistungen erbringen. In diesem Spannungsfeld wird ein Teil des Drucks unwillkürlich an die Kunden abgegeben. Mit Disziplinierungsmaßnahmen sollen die eigenen Kunden regelrecht "erzogen" werden. Letztlich bedeutet dies, dass diese lernen müssen, sich an die örtlich vorhandene Tafelstruktur anzupassen.Aber das Wesen des wirklichen Elends ist immer, dass es weder zum richtigen Zeitpunkt kommt, noch eine ansehnliche Form annimmt. Es wirkt immer derangiert, es ist immer deplatziert. Die Tafeln sind, aus dieser Perspektive betrachtet, nichts anderes als der paradoxe Versuch, dem Elend einen konkreten Ort und eine akzeptable Form zu geben. Die Tafeln sind ein gesellschaftlicher Mechanismus zur Disziplinierung des Elends.

Und dennoch: Die Erfindung der Tafeln war und ist eine herrliche Idee. Ich habe eigentlich nur Menschen getroffen, die von der Grundidee ("Jeder gibt, was er kann") überzeugt, wenn nicht sogar begeistert waren.

Der Erfolg der Tafeln erklärt sich erstens und primär aus der relativen Nähe zwischen Helfern und Kunden. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, sich bei einer Tafel zu engagieren. Der zweite Grund für den Erfolg der Tafeln ergibt sich aus dem Stellenwert von Nahrungsmitteln in unserer Gesellschaft. Lebensmittel sind ambivalente Produkte. Einerseits von existenzieller Bedeutung (Nahrung), andererseits wie kaum etwas anderes Ausdruck sozialer Differenzierung und von Lebensstil (um dies zu erfahren, gehe man nur einmal in eines der vielen Feinkostgeschäfte). Bei der Tafel werden beide Seiten zusammengeführt, weil die Reste der Lebensmittelproduktion aus der Sphäre des (oft ästhetisch überhöhten) Konsums in die Sphäre der Überlebensnotwendigkeiten überführt werden.

Den dritten Grund für den Erfolg der Tafeln sehe ich darin, dass sich in der Tafelarbeit eine konkret-individuelle Begegnungsebene mit einer abstrakt-kollektiven Planungsebene ideal kombinieren lässt. Die zentrale menschliche Geste der Gabe hat sich im Rahmen der Lebensmitteltafeln zwar entindividualisiert, ohne dabei jedoch ihren persönlichen Charakter vollständig zu verlieren. In der Tafellandschaft ist somit beides möglich: Massen von Lebensmitteln werden unter hohem organisatorischen, kommunikativen und logistischen Aufwand akquiriert, gesammelt, zwischengelagert, verteilt und schließlich an die "Endkunden" ausgegeben. Dies ist die neue Dimension des Umverteilens. Eine fast technokratisch anmutende, dafür aber umso zeitgemäßere Interpretation des Topos "Nächstenliebe".

Der vierte Grund für den Erfolg der Tafeln ist die Möglichkeit situativer, sichtbarer Einflussnahme. Das Engagement ist für die Helferinnen mit einem positiven Imagefaktor verbunden, der sich auch außerhalb der Tafelwelt einsetzen lässt.

Auf der praktischen Ebene leistet jede einzelne Tafel fantastische Arbeit. Aber man vergisst dabei allzu leicht, dass Tafeln in einer nach wie vor reichen Gesellschaft wie der Bundesrepublik eigentlich überflüssig sein sollten. Die Tafeln, die sich mittlerweile eine komplexe interne Struktur aufgebaut und an die sich immer wieder ändernden Bedürfnisse und Voraussetzungen angepasst haben, befinden sich jedoch in einer Situation, in der es relativ rational ist, sich mit dem sozialen Abstieg ganzer Bevölkerungsschichten abzufinden - gerade weil dieser Prozess ihre eigene Existenz ja überhaupt erst legitimiert und sichert. Diese strukturelle Paradoxie, gleichzeitig gegen ein Elend anzukämpfen, dieses aber auch zu benötigen, um erfolgreich dagegen ankämpfen zu können, ist die grundsätzliche Ungereimtheit, die mit der Welt der Tafeln verbunden ist.

Das eigentliche Ziel der Tafelbewegung müsste deshalb die Selbstabschaffung der Tafeln sein. Dann wären die Tafeln wirklich erfolgreich. Wenn die Tafeln verschwinden können, bedeutet das, dass der Grund für ihre Existenz verschwunden wäre. Neben der konkreten Hilfstätigkeit wird es deshalb in Zukunft darauf ankommen, die politische Dimension der Tafelarbeit stärker in den Blick zu nehmen.

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Copyright © FR-online.de 2009
Dokument erstellt am 09.01.2009 um 16:28:01 Uhr
Letzte Änderung am 09.01.2009 um 21:27:55 Uhr
Erscheinungsdatum 10.01.2009

Verbrechen des Krieges in Zeiten der Waffenruhe:

http://www.zeit.de/2009/08/DOS-Gaza


Krieg in Gaza

Warum starben Ibrahim und Kassab?

Freitag, 16. Januar 2009: Im Gaza-Streifen schießen israelische Soldaten auf einen Palästinenser und seine beiden Söhne. Der eine ist sofort tot. Der andere verblutet langsam in den Armen des Vaters. Kein Arzt darf helfen – Chronik eines unbegreiflichen Todes

Aus einem Krieg eine Geschichte vom Sterben zu erzählen ist nichts Besonderes. Im Krieg wird gestorben. Menschen werden getötet, gezielt oder aus Versehen. Lange Erklärungen gibt es. Und kurze. Bomben werden eingesetzt, Raketen, Sprengfallen, Handgranaten. Körper werden durchlöchert und zerrissen, verbrannt und verstümmelt. Im Schlaf wird gestorben, im Kampf, mit geladenen Waffen, mit leeren Händen.

Warum vom Tod eines einzelnen Menschen berichten, wenn auch zahllose andere gestorben sind, auf beiden Seiten? Über Schuld und Unschuld sagt diese Geschichte aus dem jüngsten Gaza-Krieg nichts aus. Trotzdem muss vom Tod eines einzelnen Menschen erzählt werden, weil nur dann verständlich wird, wie unverständlich es ist, das Sterben, so unverständlich wie ungeheuerlich.

Der Palästinenser Mohammed Shurab sucht noch immer nach Gründen für den Tod seiner Söhne. Sucht nach einem Fehler. Nach etwas, das ihm einen Hinweis hätte geben können. Aber da war nichts. Warum nur mussten seine Söhne sterben? Und warum in einer Feuerpause?

Der 63-Jährige sitzt auf der Dachterrasse seines Hauses in der Stadt Khan Younis bei einem Glas Orangensaft und erzählt von jenem 16. Januar 2009, an dem er seine beiden Söhne verlor, obwohl die Rettung so nah war. Er erzählt sie langsam, die ganze Geschichte, als könne er sie so besser begreifen. Er sagt: »Ich hatte nie Probleme mit Israelis. Nie.« Wieder und wieder sagt er diesen Satz. Er hält ihn vor sich wie einen Schutzschild, als hätte die versöhnliche Geschichte der Begegnungen, die er mit den Menschen der anderen Seite gemacht hat, all das abwehren müssen, was ihm während des Krieges im Gaza-Streifen widerfahren ist.

Nur vierhundert Meter von der israelischen Grenze entfernt liegt sein Zweithaus auf dem Land nahe dem Dorf al Foukhary, ein von Grapefruitbäumen umstandenes Idyll. Hierhin zieht sich Mohammed Shurab von Sonntag bis Donnerstag zurück, bevor er zurückfährt in die Stadt, jeden Freitag, immer über den lehmigen Sandweg, der in die asphaltierte Hauptstraße mündet, vorbei am kleinen Supermarkt, bis er ein paar Kilometer weiter in Khan Younis ankommt, der ruhigen Stadt im Süden von Gaza, wo er das Wochenende bei seiner Familie verbringt. Das Haus dort teilen sich Mohammed und sein Bruder Ibrahim mit ihren Kindern und der gebrechlichen Großmutter, die im Erdgeschoss auf einem Sofa ruht.

»Ich hatte nie Probleme dort«, sagt Mohammed, »nicht während der Besetzung von Gaza und nicht danach.« Er lächelt, wenn er von den früheren Besuchen der israelischen Soldaten erzählt. Wie sie mehrmals sein Haus durchsuchten, das wie ein Grenzstein an dieser Konfliktlinie zwischen Palästinensern und Israelis stand, die ihn aber immer unbehelligt ließen. Mohammed verstand das als Bestätigung seiner Unbefangenheit, als ein Gütesiegel vielleicht. Auch darum sucht er jetzt nach Gründen: Weil er noch immer glaubt, dass es der Gründe bedarf, um jemanden zu töten. Weil er nicht glauben will, was so viele andere glauben: dass die andere Seite ein Feind sein müsse. Weil er den Hass, der den Krieg im Nahen Osten schürt, nicht teilt. Und weil er den Hass aus seiner Geschichte des 16. Januar heraushalten will.

Wieder und wieder geht Mohammed Shurab den Ablauf dieses Tages durch, malt Wege und Straßen auf ein Blatt Papier, druckt Satellitenfotos von Google Earth aus, schützt seine Unterlagen mit Klarsichtfolien. Alles muss ordentlich sein. Wie sonst sollte er der Unordnung begegnen, die sein Leben zerstörte, an jenem Freitag, dem 16. Januar?

Am Mittag, gegen 12 Uhr, waren er und seine Söhne, der 28 Jahre alte Kassab und der 18 Jahre alte Ibrahim, in den roten Landrover gestiegen und losgefahren, vom Land in Richtung Stadt, wie immer, sagt Mohammed. Mühsam bewegt er seinen verletzten linken Arm über den Tisch und zeigt auf der Landkarte den Punkt, an dem die Geschichte begann. Von 10 bis 14 Uhr sollte die tägliche Feuerpause dauern, festgelegt von der israelischen Armee, damit Zivilisten sich bewegen konnten, zum Beispiel etwas einkaufen. Dass Einheiten der israelischen Armee in der Nähe waren, wusste Mohammed Shurab. Er hatte Panzer vorbeifahren sehen. Von der Terrasse seines Landhauses hatte er einen Überblick. »Ich konnte die Bombardierungen sehen«, sagt er und malt einen Halbkreis auf seinem Lageplan, »in Rafah…«, er malt einen Punkt im Süden, für die Grenzstadt, »…in Gaza«, er malt einen weiteren Punkt für Gaza-Stadt ans andere Ende. »Ich konnte alles sehen.«

Mohammed Shurab beschreibt den Krieg wie jemand, der sich in Sicherheit wähnte, auf einem entlegenen Außenposten, den die Gewalt nicht treffen konnte. All die Jahre hatten die Israelis um sein Haus gewusst, und nie hatten sie etwas zu beanstanden. Warum sollte er irgendetwas anders machen als an all den anderen Freitagen? Warum den Israelis nicht trauen? Sie hatten diese Waffenruhe versprochen, und Mohammed Shurab war ohne Furcht.

Den Zeitpunkt, an dem er aufbrach, wählte er mit Bedacht. 12 Uhr, das sollte die besonders sichere Mitte der Waffenruhe sein. Normalerweise, erzählt Mohammed, fuhr er diese Strecke allein. Es war ein Zufall, dass ihn an diesem Tag seine beiden Söhne begleiteten. Der Fernseher in seinem Haus auf dem Land war ausgefallen. »Kassab wollte ihn reparieren.« Kassab, der ältere Bruder, hatte einen Abschluss in Architektur an der Universität in Gaza. Ibrahim, der jüngere, begleitete ihn. Am Mittwoch, dem 14. Januar, hatten die beiden den Vater besucht, die Satellitenschüssel gerichtet und danach zusammen ferngesehen. Als sie am Freitag ins Auto stiegen, um in die Stadt zurückzukehren, saß der Vater auf dem Fahrersitz, neben ihm Kassab, Ibrahim dahinter.

Es gibt einen Zeugen für den Zeitpunkt, an dem der Vater mit seinen Söhnen das Haus verließ: Der 39 Jahre alte Amer Amira al Amour bestätigt die Uhrzeit. »Ich konnte Mohammeds roten Jeep sehen, wie er langsam den Weg entlangfuhr.« Als Amer das sagt, steht er auf dem Dach seines Hauses, das zwischen Mohammed Shurabs Landsitz und der Hauptstraße liegt, hier war er auch am 16. Januar. Amer trägt ein Sweatshirt mit dem Schriftzug Israel Airport Authority, es ist ein wenig ausgewaschen. Schon lange ist es her, dass jemand wie Amer, ein Beduine aus Gaza, in Israel arbeiten durfte. Er sagt: »Mohammeds roter Jeep fuhr so langsam, dass selbst ein Esel ihn hätte überholen können.«

Die ersten Schüsse fielen um kurz nach zwölf. Sie trafen den Vater

Mohammed Shurab nahm die gewohnte Strecke, am Ende der Kakteenallee bog er auf die Hauptstraße. »Es war ein klarer Tag«, erzählt er, »es war sonnig.« Das ist ihm wichtig. Er wäre nicht gefahren, wenn es neblig gewesen wäre. »Im Dorf al Foukhary wurde nicht gekämpft. Alles war ruhig.« Mohammed Shurab fuhr langsam, der Kreisel am Salim Platz war nur noch wenige Hundert Meter entfernt. Links vor ihm, neben der Straße, die nach Westen führt, sah er zwei israelische Panzer. »Ich habe gestoppt«, sagt er, »und ich habe gewinkt.« Er winkt jetzt noch einmal, ganz so, als müsse er für jedes Detail einen Beweis vorlegen. Wie oft hat er diese Szene in seiner Fantasie noch einmal durchgespielt? Wenn diese Straßenkreuzung das Leben seiner Söhne zerstörte, hätte er dann nicht etwas bemerken müssen? »Es war alles in Ordnung«, sagt er, die Soldaten auf dem Panzer konnten ihn sehen, ihn und seine beiden unbewaffneten Söhne.

Sie hätten ihn warnen können, ihn aufhalten können, ihn zwingen, die andere Abzweigung zu nehmen, den Weg nach Norden. Aber die Soldaten auf dem Panzer regten sich nicht. So fuhr Mohammed Shurab weiter, langsam, geradeaus, ließ die Panzer hinter sich. Er schaffte noch zweihundertfünfzig Meter, ungefähr. Dann brach es los. »Auf einmal wurden wir beschossen, aus diesem Haus in vierzig Meter Entfernung«, sagt er, »sie haben uns nicht gewarnt.« Eine der ersten Kugeln traf Mohammed Shurab im linken Oberarm. »Ich habe zu den Jungen geschrien: Runter!« Das Gewehrfeuer wollte nicht aufhören. Mohammed Shurab konnte den Wagen nicht mehr kontrollieren. Er prallte gegen eine Mauer am Straßenrand.

Der Landrover ist ein stummer Zeuge. Der Wagen steht in der Werkstatt von Bilal el Khady in der Stadt Khan Younis. Der Mechaniker zeigt die Munitionssplitter, die er aus dem durchlöcherten Auto mit dem Nummernschild 3-3776-93 geklaubt hat: aus dem Motor, dem Dach, den Türen, der Rückbank. Zweiundzwanzig Einschusslöcher allein in der Windschutzscheibe, die meisten auf der Fahrerseite, in Kopfhöhe.

Mohammed Shurab liebte seine Söhne. Wenn er von ihnen erzählt, funkeln seine Augen. Er erhebt sich und steigt die Treppe hinunter ins Erdgeschoss, die Ablenkung scheint ihm gutzutun. Er möchte etwas zeigen, geht ins Wohnzimmer und holt hinter einer Tür die Zeichnungen von Kassab hervor: Pläne des jungen Architekten, Entwürfe von Häusern und Landschaften, Utopien eines neuen Gaza-Streifens, eines Landes ohne Krieg. Mohammed Shurab zeigt ein Foto seines Sohnes Ibrahim, der sich erst wenige Monate zuvor an der Universität eingeschrieben hatte, er wollte Wirtschaft studieren wie sein Vater.

»Als wir auf dem Boden lagen«, sagt er, »haben sie weiter geschossen. Tiefer.« Im Auto konnten sie nicht bleiben. Sie mussten aussteigen. Langsam. Mussten deutlich machen, dass keine Gefahr von ihnen ausging. »Kassab stieg als Erster aus«, sagt der Vater, »er öffnete die Autotür und stand aufrecht, ganz ohne Angst. Er wurde sofort erschossen.«

Mit seiner Hand markiert Mohammed Shurab eine schräge Linie vor seinem eigenen Oberkörper, um die sieben Kugeln zu beschreiben, die seinem Sohn quer in der Brust einschlugen. »Kassab ging noch ein paar Schritte. Dann wurde er wieder getroffen und fiel zu Boden.« Der Vater schweigt einen Moment, dann fügt er hinzu: »Er hat sich nicht mehr gerührt.«

Wo war der Fehler, der erklären könnte, weshalb sein Sohn getötet wurde? Jede Frage, die Mohammed Shurab seither an sich richtet, zieht eine weitere nach sich, weil er keine Antwort findet. Warum wurde während der Feuerpause geschossen? Warum am helllichten Tag? Warum auf einer übersichtlichen Straße in einem winzigen Dorf? Wieso hatte niemand gesehen, dass der Junge unbewaffnet war? Dass er aufrecht stand, aufrecht, wie das nur der Sohn eines Palästinensers konnte, der israelischen Soldaten vertraute?

»Dann ist auch Ibrahim ausgestiegen«, sagt Mohammed Shurab, auch sein anderer Sohn verließ das Auto, »die rechte hintere Tür ließ er offen. Sie haben auf ihn geschossen.« Ibrahim stürzte zu Boden und versuchte noch, Mohammed zu beruhigen. Ibrahim habe gesagt: »Keine Sorge, Vater, es ist nicht so schlimm. Sie haben mich am Bein getroffen, unterhalb des Knies.« So erinnert sich der Vater. Er sitzt über den Tisch gebeugt, sagt bloß noch diesen Satz: »Das warme Blut lief über meinen Arm die Finger herunter. Mein einer Sohn war tot und mein anderer verwundet.«

Captain Benjamin Rutland, ein Sprecher der israelischen Armee, kann sich zu der Geschichte von Mohammed Shurab nicht äußern. »Wir unterziehen gerade das allgemeine Auftreten der Israel Defense Forces während der Gaza-Offensive und einige Einzelfälle einer extensiven Überprüfung«, erklärt Rutland. Die Frage, warum auf Mohammed Shurab geschossen wurde, darf Rutland nicht beantworten, solange die Ermittlungen laufen. Auch die Frage, warum die Waffenpause an jenem Freitag, dem 16. Januar, im Dorf al Foukhary nicht eingehalten wurde, lässt er offen. Vielleicht gibt es Erklärungen für die Schüsse auf das Auto von Mohammed Shurab, vielleicht gibt es Gründe für den Tod von Kassab Shurab, vielleicht kennt sie Captain Rutland, aber er schweigt. Daraus lässt sich nichts folgern. Keine Absicht. Keine Motive. Keine Schuld.

Für die Perspektive der israelischen Soldaten im Dorf al Foukhary gibt es einen einzigen Zeugen, einen Palästinenser, der zweisprachig ist. Er wohnt nicht in dem Gebäude, aus dem heraus geschossen wurde, sondern nebenan. Etwas linkisch sitzt er auf seinem Stuhl. Er fühlt sich unwohl bei der Erinnerung an den 16. Januar. Es ist seine eigene Rolle, die ihm nicht behagt. Er hat sie sich nicht ausgesucht. Etwas zu wissen, was gegen die israelische Armee verwendet werden könnte, macht ihm Angst. Etwas preiszugeben, was die Israelis wiederum gegen ihn verwenden könnten, macht ihm noch mehr Angst.

Am Donnerstag, dem 15. Januar, so beginnt die Geschichte des Nachbarn, seien israelische Soldaten bei ihm zu Hause aufgetaucht. Sie hätten durch die Tür seines Hauses geschossen und ihn am Arm verwundet. Tatsächlich klafft im rechten Ärmel seiner Jacke ein Loch. Er sei als Geisel genommen worden, zwei Tage lang mussten er und neun andere Menschen in einem Zimmer im Erdgeschoss ausharren. Die Tür sei offen geblieben, erzählt der Nachbar, auf einem Stuhl habe ein israelischer Soldat gesessen, mit einem Gewehr auf dem Schoß, um die Geiseln zu bewachen. Seine Wunde am Arm hätten die israelischen Soldaten verarztet.

Der Nachbar sagt, sein Hebräisch sei gut genug gewesen, um mit den Soldaten ins Gespräch zu kommen. Gut genug, um zu verabreden, wer auf die Toilette gehen durfte oder in die Küche. Zu essen habe es nichts gegeben, jedoch zu trinken. Sein Hebräisch, sagt der Nachbar, habe auch gereicht, um den Funkverkehr der Soldaten zu verstehen. Der Funker habe draußen direkt vor dem offenen Fenster gestanden. Zwar habe er ihn nicht sehen können, aber er habe die Stimmen verschiedener Soldaten, die über Funk mit dem Kommandeur sprachen, deutlich gehört. In dem Gespräch, das am Freitagmittag stattfand, habe eine Stimme gesagt: »Da kommt ein Wagen. Was sollen wir tun?« Eine andere Stimme habe geantwortet: »Schießen!«

Ob er sich sicher sei? Ja. Keine Warnung? Keine Warnung. Danach, sagt der Nachbar, habe sich die erste Stimme wieder gemeldet: »Schon erledigt.« Dass die Worte »schon erledigt« Mohammed Shurab galten, habe er nicht geahnt.

Captain Rutland kann sich zu den Ereignissen vom 16. Januar nicht äußern. Was immer es an entlastenden Erklärungen geben könnte, an Gründen für die Schüsse auf Mohammed Shurab und seine Söhne, er kann nicht darüber sprechen, bis die internen Ermittlungen der Armee abgeschlossen sind. Vielleicht hatten die Soldaten auf Befehl gehandelt, wie es der ängstliche Nachbar erzählt. Vielleicht auch nicht. Vielleicht waren es junge Soldaten, die das Auto auf sich zufahren sahen. Vielleicht waren sie unerfahren und schossen deshalb. Vielleicht waren es ältere Soldaten. Vielleicht waren sie erfahren und schossen deshalb. Vielleicht war es ein Fehler, begangen aus Müdigkeit oder Angst. Vielleicht hatte die palästinensische Organisation Hamas an diesem Tag an einem anderen Ort den Waffenstillstand gebrochen. Vielleicht waren die Soldaten angegriffen worden. Vielleicht hatten sie Freunde verloren.

Damit wäre vielleicht der erste Beschuss zu erklären, die Kugel, die Mohammeds linken Arm traf. Vielleicht war es ein weiterer Irrtum, Kassab zu erschießen, den Sohn, der aufrecht aus dem Auto gestiegen war. Und vielleicht lässt sich so erklären, warum der zweite Sohn, Ibrahim, am Bein getroffen wurde.

Um 13.30 Uhr rief der Onkel einen Rettungswagen – und wurde vertröstet

Aber die Geschichte hat noch einen zweiten Teil. Noch lag der Vater an jenem Freitagmittag mit seinem verwundeten Sohn Ibrahim auf der Straße, etwa vierzig Meter vom Gebäude mit den Soldaten entfernt. »Das waren ja Menschen, die Israelis«, sagt Mohammed Shurab, er spricht immer von »Israelis«. Kein einziges Mal bei all den Begegnungen, in den Gesprächen, die sich über Stunden ziehen, nie verwendet er das Wort »Juden«. Die Israelis, sagt er, die waren ja nah, er konnte sie sehen.

»Ibrahim hat gefleht, er brauche Hilfe«, erzählt Mohammed Shurab, »aber die Soldaten haben ihn angeschrien: Hör auf zu weinen, sonst erschießen wir dich.« Ibrahim versuchte, mit seinem Handy einen Krankenwagen zu rufen, 1–0–1, aber, so erinnert sich der Vater, ein Soldat habe gebrüllt: »Wenn du das Handy benutzt, erschießen wir dich.« Eine halbe Stunde vielleicht lagen sie auf der Straße, wenige Meter voneinander entfernt. Gegen 13 Uhr klingelte plötzlich Ibrahims Handy. Obwohl es ihm verboten war, nahm der verwundete Junge den Anruf an: Sein Onkel Ibrahim, Mohammeds Bruder, erkundigte sich ahnungslos, wann sie zu Hause einträfen.

Ibrahim, der den Erinnerungen seines Bruders Mohammed wortlos zugehört hat, erzählt jetzt, da er selbst zum Zeugen der Geschehnisse wird, seinen Teil der Geschichte. Es war ungefähr 13.30 Uhr an diesem 16. Januar, als er zu versuchen begann, seinen Bruder Mohammed und dessen Sohn zu retten. Er alarmierte die Notrufstelle der Ambulanz in der Stadt Khan Younis und die Rettungsdienste des Roten Halbmonds. Er hielt es zu Hause nicht mehr aus, sondern machte sich sofort auf den Weg zu dem Parkplatz, wo die Krankenwagen standen. Er wollte dabei sein, wenn die Ambulanz losfuhr. Er würde nicht lange warten müssen, habe er gedacht, der Rote Halbmond ist eine der Partnerorganisationen des Internationalen Roten Kreuzes und hat damit die besten Kontakte, um bei den Israelis eine Genehmigung für die Evakuierung von Verwundeten zu bekommen.

Anne Sophie Bonefeld vom Internationalen Roten Kreuz in Jerusalem kann zu konkreten Fällen nichts sagen. Das ist die offizielle Politik ihrer Organisation, Bonefeld ist die Medienbeauftragte. Wann das Rote Kreuz den Notruf zur Evakuierung von Mohammed und Ibrahim Shurab erhalten hat? Kann sie nicht sagen. Bonefeld erklärt die normale Prozedur während eines Krieges, der kaum normale Prozeduren zuließ. Sie sagt: »Üblicherweise erhielten wir Anrufe wegen ganz unterschiedlicher Notlagen: Familien wollten aus Gegenden evakuiert werden und brauchten sicheres Geleit. Oder es gab Notrufe, um Verwundete zu retten.« Der Rote Halbmond rief beim Internationalen Roten Kreuz an und bat um Schutz, und das Rote Kreuz setzte sich mit den israelischen Behörden in Verbindung, um eine Genehmigung zu bekommen. Bonefeld sagt: »Alles, was wir dann tun konnten, war, auf grünes Licht zu warten.« Wie lange konnte das dauern? »Manchmal Stunden. Manchmal Tage.«

Um 14 Uhr begann der Vater zu beten. Sein Sohn hörte nicht auf zu bluten

Mohammed Shurab, der mit seinem verwundeten Sohn auf der Straße lag, ahnte nichts von diesen Verwicklungen. Er wusste nur, dass sein Sohn Hilfe brauchte. Er habe auf Hebräisch gerufen: »Bitte, Soldat, ruf einen Krankenwagen.« Er schaut ins Leere, noch immer erzählt er die Geschichte fragend, als ob er in der Wiederholung irgendwann eine Erklärung entdecken könnte. Konnte es wahr sein, dass diese Menschen das Leid nicht sahen? Denn Menschen, das waren sie doch, diese Soldaten, die da am eisernen Tor vor dem zweistöckigen Gebäude standen. Gegen 14 Uhr begann Mohammed Shurab zu beten. Sein Sohn war inzwischen näher an ihn herangerobbt. Er lag zwischen seinen Beinen. »Vater, bitte«, habe Ibrahim gesagt, »ruf Hilfe.« Wieder und wieder habe der Junge diesen Satz gesagt, erinnert sich der Vater.

»Die erste Stimme hat dann noch mal nachgefragt«, sagt der Zeuge im Nachbarhaus: »Sollen wir helfen?« Die Antwort sei »Nein« gewesen, »die sollen sich selbst helfen«. Wie viel Zeit zwischen den Schüssen und dieser Frage vergangen sei? »Nicht viel.«

»Für diese Offensive wurde extra ein humanitäres Koordinierungsbüro eingerichtet«, sagt Captain Rutland von der israelischen Armee. »Natürlich waren wir generell immer darum bemüht, den Ambulanzwagen Zugang zu den Gegenden zu verschaffen, an denen jemand gerettet werden musste. Aber wenn es Kämpfe in der Gegend gab, dann konnten wir diesen Zugang nicht autorisieren.«

Waren nicht auch die Soldaten dazu verpflichtet, Verletzten zu helfen, unabhängig vom Roten Kreuz? »Doch. Unsere Soldaten und Sanitäter sind selbstverständlich so ausgebildet, dass sie Verwundete bergen und verarzten. Aber wenn es Gefechte gibt, ist es ihre oberste Pflicht, sich selbst zu verteidigen.« Ob es am Freitag, dem 16. Januar, Gefechte in der Umgebung des Dorfes al Foukhary gab, darf Captain Rutland nicht sagen.

Von Kämpfen an jenem Tag weiß niemand im Dorf. Nicht Mohammed Shurab. Nicht Ibrahim, sein Bruder. Nicht Amer Amira al Amour, der erste Zeuge. Der Osten, die Gegend von Khouza, sei ein umkämpftes Gebiet gewesen, aber im Dorf al Foukhary sei es ruhig geblieben. Unabhängig verifizieren lässt sich das nicht. Auch das Internationale Rote Kreuz kann sich dazu nicht äußern.

Um 14.30 Uhr hatte Ibrahim, der Onkel des verletzten Jungen, noch immer keine Bestätigung des Roten Kreuzes, dass ein Rettungswagen losfahren werde. Eine Stunde war seit dem ersten Notruf vergangen. Auf eigene Faust, mit einem örtlichen Ambulanzfahrer, versuchte Ibrahim nun, seinen Bruder und seinen Neffen zu evakuieren. Sie kamen bis ans Rondell, wenige hundert Meter von Mohammed und Ibrahim entfernt. Die Panzer waren noch immer da. Nur noch einmal abbiegen, und der Ambulanzwagen wäre am Ziel gewesen. Weil der Fahrer aber keine Erlaubnis erhielt, wagte er es nicht, sich den Verwundeten zu nähern. Im Krieg ist auch ein Rettungswagen keine Garantie, nicht beschossen zu werden.

Anne Sophie Bonefeld vom Internationalen Roten Kreuz sagt, Furcht sei da verständlich. »Viele der Fahrer vom Roten Halbmond haben bei ihrer Arbeit ihr Leben riskiert.« Immer wieder mussten Rettungsversuche abgebrochen werden, weil plötzlich geschossen wurde. Ohne Genehmigung der israelischen Behörden konnte es kein Sanitäter wagen, einem Menschen in Not zu helfen.

Warum die Genehmigung auf sich warten ließ, kann niemand sagen. Jede halbe Stunde, erzählt Ibrahim, der Onkel, habe er beim Roten Halbmond angerufen. Jede halbe Stunde wurde ihm gesagt, es werde daran gearbeitet. Gegen 17 Uhr erhielt der Onkel die Auskunft, dass er auf einen Rettungswagen nicht mehr hoffen könne. Die Genehmigung war noch immer nicht erteilt, und der Rote Halbmond rechnete nicht mehr damit, dass sie nun, nach Einbruch der Dunkelheit, noch komme.

Ibrahim rief seinen Bruder Mohammed an und sagte, dass er nichts mehr tun könne. Mohammed sei nun auf sich allein gestellt, allein mit den israelischen Soldaten. »Es waren ungefähr vier«, erinnert sich Mohammed Shurab, »die standen am Gartentor.« Sein Sohn war noch ansprechbar. Als es dunkel war und die Kälte hereinbrach, zog der Vater den Jungen in den Wagen, um ihn zu wärmen. Er musterte die Soldaten vor dem Haus. Was taten sie die ganze Zeit?

Aus einem Loch in der Wand im ersten Stock des Hauses kann man die kleine Straße gut überblicken. Das Loch wurde auf der Höhe des Fußbodens von innen in die Mauer geschlagen, sodass man im Liegen auf die Straße schießen kann. Auf dem Boden vor dem Loch liegen noch immer Zigarettenstummel im Sand, die Reste von Zigaretten der Marken Kent und Next.

Die Besitzer des Hauses rauchten nicht. Sie waren vor dem 16. Januar geflohen. Ob von hier aus geschossen wurde, vom improvisierten Schießschacht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Oben auf der Dachterrasse wurde ein weiteres Loch in die Mauer geschlagen, etwas größer. Davor liegen grüne, mit Sand gefüllte Plastiksäcke. Mit Sicherheit lässt sich nur sagen, dass die Sicht von hier aus ungehindert war. Dass man von hier erkennen konnte, ob der Mann mit dem blutenden Sohn im Arm bewaffnet war oder nicht.

Vielleicht haben sich die Soldaten einfach gelangweilt. Warum sonst sollten sie das Büro mit all den Büchern im ersten Stock verwüstet haben? Warum sonst sollten sie die Krawatten im Kleiderschrank des Schlafzimmers abgeschnitten haben? Die halbierten Schlipse hängen noch immer aufgereiht im Schrank. Und warum sonst sollten sie die Graffiti an der weißen Wand neben der Küche hinterlassen haben? »Kahane hatte recht« steht da auf Hebräisch, in Erinnerung an den Rabbi Meir Kahane, der von einem Groß-Israel träumte und der jeden Araber dazu zwingen wollte, sein Land aufzugeben.

Am Abend telefonierte der Vater mit der BBC, danach starb sein Sohn

Es war kurz nach 17 Uhr an jenem Freitag, dem 16. Januar. Ibrahim, der Onkel, wartete mit den Fahrern im Aufenthaltsraum des Krankenhauses, als einer der Sanitäter auf eine Idee kam. »Er schlug mir vor«, sagt der Onkel, »Mohammeds Handynummer an die Medien zu geben, damit die vielleicht etwas ausrichten konnten.« Von nun an ging Mohammed Shurab ans Telefon, wann immer es klingelte. »Es war mir egal, ob die israelischen Soldaten mich erschießen würden«, sagt er. Mohammed Shurab sprach in diesen Stunden mit Reportern von Al Jazeera, Al Arabia, BBC. Er kann sie gar nicht mehr alle aufzählen, so viele Journalisten meldeten sich bei ihm. Jedem Anrufer berichtete der Vater, was vorgefallen war und wo er lag und dass sein Sohn Ibrahim noch immer blutete. Stunde um Stunde verging, die Nacht kroch ins Dorf, und fremde Menschen wurden Ohrenzeugen eines unfassbaren Schicksals in einem palästinensischen Irgendwo.

»Es wurde kälter«, sagt Mohammed Shurab, »ich habe Ibrahim den Rücken gerieben, um ihn warm zu halten.« Er führt es noch einmal vor, wieder und wieder dieselbe Handbewegung. »Ich habe gesagt: Bitte, Soldat, gib uns eine Decke. Wenigstens eine Decke. Die Nacht ist so kalt.« Ibrahim, der Sohn, wurde stiller. Ibrahim habe nicht mehr viel gesprochen, nur gefragt: »Warst du zufrieden mit mir, Vater?« Immer wieder habe der Vater zurückgefragt: »Bist du noch bei Bewusstsein, Junge?«

Gegen Mitternacht, erinnert sich der Vater, habe sein Sohn so still dagelegen, dass nichts mehr von ihm zu hören war, nicht einmal Atemgeräusche. »Ich habe ihm die Stirn gefühlt«, sagt Mohammed Shurab, »sie war noch warm. Ich habe den Puls gefühlt. Aber er war fort.«

Einen halben Tag lang hatte Mohammed Shurab mit seinem Sohn auf der Straße gelegen, dann war Ibrahim verblutet. Ein halber Tag, an dem niemand zu Hilfe kam. Vielleicht gab es Gründe, gute oder schlechte, für den Beschuss des Wagens. Vielleicht gab es Gründe, gute oder schlechte, für die Schüsse auf Kassab, für die Schüsse auf Ibrahim. Es mag Absicht gewesen sein oder ein Irrtum. Es war Krieg in Gaza. Und im Krieg wird gestorben. Aber zu jeder Stunde nach dem Beschuss hätte Ibrahim Shurab gerettet werden können.

Irgendwann in jener Nacht, erinnert sich Mohammed Shurab, kamen die Soldaten aus dem Haus und zogen an ihm vorbei. Zweimal, sagt Mohammed, seien sie in Marschordnung an ihm vorübergezogen, als gehörten er und seine toten Söhne zur Kulisse. »Sie hatten zwei Sanitäter«, sagt Mohammed Shurab.

»Ich war verzweifelt«, sagt er, »als irgendwann Tom anrief.« An die genaue Uhrzeit erinnert er sich nicht. »Es war spät.«

Der 32-jährige Tom Mehager von der Organisation Physicians for Human Rights erinnert sich. Es war 1 Uhr in der Nacht, als er durch den Anruf einer Freundin aus Gaza von Mohammed Shurab erfuhr. Tom Mehager wählte sofort die Nummer, die er erhalten hatte, und Mohammed Shurab meldete sich, aber da war sein Sohn schon nicht mehr am Leben. »Wir haben die ganze Nacht gesprochen«, erinnert sich Tom Mehager in seinem Büro in Tel Aviv. Helfen konnte er nicht mehr, nur trösten. »Wir haben geredet und geweint.« Immer wieder legte er auf und rief Mohammed aufs Neue an. In den Gesprächspausen versuchte er, die israelische Koordinierungsstelle für Rettungseinsätze zu erreichen. »Mein Ansprechpartner dort war ein Barak. Wieder und wieder habe ich ihm erklärt, dass da noch immer ein verwundeter Mann liegt, Mohammed, der friert und blutet. Und dass sie einen Rettungswagen schicken müssen. Barak behauptete, es gebe Probleme mit dem sicheren Zugang.« Tom Mehager schüttelt den Kopf. »Ich konnte doch bei jedem Telefonat mit Mohammed die Stille der Nacht um ihn hören.«

Am nächsten Mittag kam ein Rettungswagen und barg die Toten

Wenn Mohammed Shurab von dieser Nacht erzählt, von den Stunden, in denen Ibrahim tot in seinen Armen lag, dann erzählt er vor allem von Tom, diesem jungen Israeli aus Tel Aviv, dem liebevollen Zuhörer von der anderen Seite, dem Menschen, der dieselbe Staatsangehörigkeit besitzt wie die Soldaten, die seine Söhne töteten. Und nichts daran kommt Mohammed Shurab sonderbar vor. Diese Menschlichkeit, das ist es, was er erwartet von seinen Nachbarn. Das ist es, was er ihnen zutraut, Israelis wie Palästinensern. Wie wäre der Tag verlaufen, wenn Mohammed Shurab dieses Vertrauen nicht gehabt hätte? Oder wenn die Soldaten auf der anderen Seite ebendieses Vertrauen gehabt hätten? Ob dann alles anders ausgegangen wäre?

Mohammed Shurab und Tom Mehager sprachen miteinander bis halb acht am Morgen. Es war schon wieder hell, als sie sich voneinander verabschiedeten. Der Akku in Mohammed Shurabs Handy war leer. Es vergingen noch einmal fünf Stunden, bis ein Rettungswagen kam. Es war Samstag, der 17. Januar 2009, es war Mittag, 12.30 Uhr, als Mohammed Shurab mit den Leichen seiner beiden Söhne zum European Hospital nach Khan Younis gebracht wurde. Einen Tag lang hatte er auf Hilfe gewartet.

Der Krankenwagen bog am Rondell links ab. An der Kreuzung, vor der Mohammed Shurab am Tag zuvor mit seinem roten Jeep gestanden hatte, nahm der Fahrer die Straße nach Norden. Da lag auch gleich das Krankenhaus. Die Fahrt dauerte vier Minuten.


Donnerstag, 12. Februar 2009

Massenpsychologie...

Ja, auch Werbung banaler Art ist Massenpsychologie:


http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29704/1.html



Wie man Massen steuert

Matthias Gräbner 11.02.2009

Massenaufmärsche, Fackelzüge, gemeinsamer Gesang: Wissenschaftler erforschen, wie Propaganda funktioniert, im Guten wie im Bösen

Bevor Sie diesen Artikel lesen, bittet der Autor um ein paar einfache Vorbereitungen. Schreiben Sie zunächst "Telepolis-Fan" auf ein Post-It und heften Sie sich das Papier deutlich sichtbar auf T-Shirt, Bluse, Hemd oder notfalls auch auf den nackten Oberkörper. Setzen Sie sich gerade hin und fangen Sie an zu singen: "Hoch auf dem gelben Wa-ha-gen…" Wie fühlt es sich an, wenn Sie wissen, dass es Ihnen in diesem Moment tausende andere Telepolis-Leser gleichtun?

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Wenn man den Forschern glauben darf, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, Sie haben gerade mit einer Portion Dopamin Ihr Belohnungssystem aktiviert und sind ein kleines bisschen zufriedener als zuvor. Oder Ihr Gehirn hat soeben ein Fehlersignal generiert - eine Warnung, die Ihnen sagt, dass Sie nicht dem Weg der anderen gefolgt sind und diese Entscheidung doch bitte überdenken sollten.



Das schlussfolgert jedenfalls ein Forscherteam um Vasily Klucharev, das in der Fachzeitschrift [extern] Neuron entsprechende Magnetresonanz-Aufnahmen ausgewertet hat. Die Wissenschaftler meinen, auf diese Weise das soziale Lernen erklären zu können: Durch positive Verstärkung und Fehlerkorrektur lernt der Mensch, der Masse zu folgen.

Dass der Herdeneffekt tatsächlich funktioniert, haben jüngst die Psychologen Scott Wiltermuth und Chip Heath von der Stanford University im Fachmagazin Psychological Science [extern] gezeigt. Die Forscher haben sich angesehen, was passiert, wenn Menschen synchron handeln - typisch für Aufmärsche oder Gottesdienste. Denn eigentlich ist ein solches Verhalten widersinnig. In Reih und Glied zu marschieren, mag noch zu Napoleons Zeiten sinnvoll gewesen sein. Seit der Erfindung des Maschinengewehrs ist es im Ernstfall selbstmörderisch.


Trotzdem lassen Armeen nicht von dieser Tradition. Wiltermuth und Heath zeigen mit Experimenten, dass synchrones Handeln die Kooperation in Gruppen erhöht. Dazu ist weder ein gemeinsam erlebtes Glücksmoment nötig noch Körperkontakt - es genügte völlig, wenn die Versuchspersonen sich im Gleichschritt bewegten.

Auch wenn, wie die Geschichte zeigt, hier enormes Missbrauchspotenzial besteht: Der Herdentrieb muss in der Evolution als positives Selektionskriterium entstanden sein, sonst gäbe es ihn nicht mehr, oder uns. Ein Forscherteam um Jonathan Haidt von der Virginia University dikutiert im [extern] Journal of Legal Studies diese Tatsache und schlägt vor, sie zum Wohl des Menschen einzusetzen. Eine Gesellschaft, die aus vielen kleinen "Herden" mit einigen Hundert Mitgliedern besteht, könnte ihrer Meinung nach zu mehr Vertrauen und Kooperation auf lokaler Ebene führen.


Erst, wenn ganze Nationen oder Ethnien sich der Herden-Mentalität beugen, entstehen demnach Bilder, wie man sie von Nazikundgebungen kennt, die das Potenzial von Gewalt und Unterdrückung in sich tragen. Die Existenz vieler kleiner, lokaler Herden, meinen die Forscher, könnte sogar einer durch Demagogie entstehenden National-Herde vorbeugen. Ihr Argument: Menschen, die sich nach Einbindung in ein Netzwerk sehnen, sind für die Demagogie eines großen Führers anfälliger als solche, die ihre Bedürfnisse auf lokaler Ebene befriedigt sehen.

Ironie der Geschichte: Auch Leser von Wissenschaftsmagazinen können sich der Nutzung des Herdeneffekts nicht entziehen. Als die Online-Ausgabe des "New Scientist" einen Artikel zu diesem [extern] Thema mit dem Editorial "The Obama factor, revealed" (Der Obama-Faktor aufgedeckt) ankündigte, zeigten sich einige Kommentatoren erbost über die scheinbare Gleichsetzung des US-Präsidenten mit den faschistischen Diktatoren Hitler und Mussolini. Ihr folgerichtiger Aufruf: "Jeder sollte der Redaktion seine Kritik mitteilen. Lasst uns das jetzt gemeinsam durchziehen!"

Donnerstag, 5. Februar 2009

Wir sehen alle nur zu...

...bei den Greueln in der Welt, weil uns eingeredet wurde, dass nichts das deutsche Verbrechen des Holocausts je würde übertreffen können.

Ich will hier gar nicht behaupten, dass es übertroffen wurde - aber darauf hinweisen, dass wir mit unserer Gleichgültigkeit und Blindheit die Möglichkeit eines neuerlichen Verbrechens dieser Art wahrscheinlich machen.

Dazu eine interressante Buchbesprechung:

http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Stimmen_deutsch/rupert_neudeck_rezension_burg_avraham_holocaust_is_over.htm



Kein Platz an der Sonne
Die zerfaserte Identität des israelischen Juden

Zu einem aufregenden Buch von Avraham Burg
Von Rupert Neudeck

2.02.09

Das ist ein sehr unkonventionelles Buch, das einen im Nachdenken über die unsäglichen Zeitläufte regelrecht zurechtbringt. Alles ist zugleich auch provokativ für unsere deutschen Köpfe. Der Titel ist fast blasphemisch für uns Deutsche, die wir uns eingeigelt haben wie unsere israelischen Counterparts. Das Buch ist deshalb genau so gegen eine israelische Denkweise gerichtet wie gegen eine deutsche. Avraham Burg habe ich immer mit Freude gehört, selbst wenn es ganz aussichtslos war zwischen Israel und Palästina. Er hatte seinerzeit einen Satz, der mich herausgeführt hat an die frische Luft des freien Denkens, abseits der Denkschablonen und Prothesen, die wir uns angezogen haben und die uns leider so wärmen, dass wir nicht daraus aus eigener Kraft hervorkommen.

Dieser Satz lautete damals 2003, als klar wurde, dass es so nicht weitergehen kann:

„Wir sind in die Dummheit der Palästinenser verliebt!“ Ein schneidender und – wie ich bis heute fürchte – politisch korrekt analysierender Satz.

Jetzt geht es weiter. Wie unser Rolf Verleger in Deutschland schreibt er sich seine großen Sorgen als religiös bewusster Jude, nicht als Israeli von der Seele.

Eines der Paradoxe, die er feststellt, ist so erkenntnisstark wie für manche fast beleidigend: Es sei diese ganz starke Partnerschaft mit Deutschland, die sich stark unterscheidet von unserer Nichtpartnerschaft und Feindschaft im Nahen Osten. Die hastige Versöhnung mit Deutschland sei eines der bleibenden Paradoxe des Traumes der Erinnerung, das die feindlichen Beziehungen zu unseren Nahost Nachbarn noch einmal verschärft. Eine große Entfremdung in bezug auf die Jüdische Identität habe damit zu tun, dass wir Deutschland viel zu hastig vergeben haben. Die Verhandlungen, die Vereinbarungen und die Diplomatischen Beziehungen wurden wegen handfester und praktischer Gründe und der Interessen des Staates aufgebaut, aber sie kamen nicht über eine emotionale Akzeptanz zustande. „Heute hören wir die deutsche Sprache überall. Die Deutschen Autos genießen ein Statussymbol und selbst die deutsche Fußballmannschaft hat sehr viele Fans und Sympathisanten in Israel.“

Dagegen – so Burg - werden wir Israelis niemals den Arabern vergeben, denn sie sind schlimmer als die Deutschen. Englisch klingt der folgende Satz noch deutlicher und markanter: „We habe displaced our anger and revenge from one people to another, from an old foe to an new adversary“. Also „wir Israelis“ haben die Feindschaft umgepolt.

Avraham Burg ist zusätzlich zu seinem Scharfsinn noch ein glänzender Pädagoge. Er berichtet von einer Schulveranstaltung an einer der Hohen Traditionsschulen, in der Zeit, in der er noch als Präsident in der Knesseth saß. Die Schüler waren voller Hass und Zorn auf die Palästinenser und argumentierten ganz offen für die Deportation und den Transfer von Palästinensern aus ihren Gebieten. „Rache war eine ganz akzeptierte Philosophie und das Töten von unschuldigen Zivilisten ein legitimes Mittel der Abschreckung“. Der Schulleiter war ganz ausser sich und sagte ihnen: Ihr sprecht genau so wie sie 60 Jahre vorher über und zu uns gesprochen haben. Aber die Schüler fanden das nicht gut. „Mein Freund, sagte einer, wurde in einem terroristischen Akt getötet und ich werde ihnen (=den Arabern) nie vergeben“. Und er steigerte das noch. „Das schlimmste, was den Juden passieren konnte, waren die Araber“. Darauf versuchte es Burg auf eine andere Art. Er fragte den Heissporn Schüler, was für ein Auto sein Vater fährt: „Einen Volkswagen Passat“. „Und Ihre Mutter?“

„Einen alten Audi“.

Burg: „Ihr habt den Deutschen vergeben?“

„Ja,. sie haben mir nichts Böses getan. Die waren nicht so furchtbar wie die Araber!“

Dann gab es eine große Stille und der Junge brach noch einmal, während die Schulschelle läutet aus und sagte: „Sie sind ein furchtbarer Demagoge, sie haben mich ausgetrickst“. Burg aber meint, dass diese Szene die verwundete Psyche der israelischen Nation zeigte, die die Wahrheit sprach. Die erneuerten Beziehungen zu den Deutschen und dem Westen „haben uns deutsche Reparationen und viel Kompensationsgeld gebracht“. In der gleichen Zeit lamentieren wir bis heute über das furchtbare Schicksal, um den Zorn auszudrücken, „in dem wir den Nazi Geist in dem Arabischen Körper reinkarnierten.“

Avraham Burg kennt die deutsche Geschichte zu gut, dass ihm nicht vieles auffallen würde, was auch in dem englischen Text deutsch auftaucht. In Deutschland gab es in den 20 und 30 Jahren die „November Verbrecher“. Die haben jetzt ihr Pendant in der Geschichte Israels in den „Oslo Verbrechern“, unter denen ja einer wie Itzhak Rabin war, der dafür ermordet wurde, ein „Oslo Verbrecher“ gewesen zu sein, der also 1993 die Oslo Verträge mit unterschrieben hat.

Wenn er jetzt an der Mauer in Israels Schriftzeichen lesen würde wie „Arabs out“ oder „Transfer Now“ – was ist daran anders als bei dem damaligen „Juden raus“?

Die Deutschen suchten in der verblödenden imperialistischen Phase unter Wilhelm dem II. einen Platz an der Sonne. Netanyahu schrieb jüngst ein politisches Buch mit dem verräterischen Titel: „A Place under the Sun?“

Burg zitiert mit Zustimmung den großen Philosophen Yeshayahu Leibowich, der in Riga am Beginn des 20. Jahrhunderts geboren wurde und Hannah Arendt, die davon sprechen, wie weit sich dieser neue Staat über die Kriege hinweg zu einem entwickelt hat, in dem die Araber die Arbeiter und Heloten sind und die Juden die Manager, Supervisoren und Polizisten.

Burg hat als den entscheidenden Fehler die Zeit zwischen dem Eichmann Tribunal und dem Rudolf Kastner Tribunal (das den Leiter der ungarischen jüdischen Gemeinde verurteilte, der mit Eichmann eine Vereinbarung getroffen hatte) erkannt, an dem es für Israel von dort an falsch lief. Und nach interessanten Passagen kommt er zu dem entscheidenden Fehler: Die Shoah wurde von Israel nationalisiert, eigensüchtig benutzt: „We took the Shoa to be exclusively our own“. Dadurch versäumten wir Juden, so Burg, die Möglichkeit, diese Schrecken der Menschheit als ein universales Ereignis zu verstehen. „Es ist nämlich nicht ein Ereignis zwischen uns Juden und der gesamten Welt. Es ist eines zwischen allen Guten in der Welt gegen alle Schlechten. Kurz: „Wir nationalisierten die Shoah, wir monopolisierten und wir internalisierten sie.

Avraham Burg ist immer noch ein jüdischer Enthusiast. Es sei auch für den Staat Israel noch nicht zu spät, die Erfahrung der Shoah universal umzudrehen. Denn in dieser Zeit, in der die Welt vorangeht, um immer mehr „Jüdisch“ wird im Sinne der alten jüdischen Moral, werden „wir Israelis“ immer provinzieller. Das moderne Israel ist ein immenser Schatz von nicht erfüllten Potentialen. „Ich will glauben, dass wir eines Tages Teile eines weltweiten universalen Prozesses sind und einer Kraft die die Kluft zwischen Nationen und Kulturen überbrückt“.

Im nächsten Kapitel beschreibt Burg die falsche Politik, die darin besteht, den eigenen Holocaust einfach zu besitzen und damit über allen Völkern und Verbrechen zu stehen. So wird aus Realinteressen des Staates Israel der Armenier Holocaust auch geleugnet, weil der Staat der Türken diese Leugnung mag. Außer Yossi Beilin und Yossi Sarid haben alle israelischen Offiziellen diese Haltung mitgemacht. Und der Autor zitiert den erschreckenden Satz aus dem Amt des Premierministers: „Die Eskimos und die Armenier interessieren uns nicht, uns interessieren nur die Juden“.

Avraham Burg zitiert die großartige Leistung des polnischen Juden und Völkerrechtlers Richard Lemkin, der 1944 den Ausdruck Genozid begründete und die Konvention über die Verhütung und die Bestrafung des Verbrechens des Völkermordes formulierte, die im Januar 1951 in Kraft trat. In Anwendung der Kriterien des Buches von Avraham Burg muß ich sagen: Obwohl juristisch diese Konvention im Januar 1951 ratifiziert war, ist sie bis heute noch nicht in Kraft getreten. Immer wenn sie in Kraft hätte treten müssen (Kambodscha, Ruanda), hat sie versagt. Immer dann haben auch der Staat Israel und die jüdische Lobby in den USA versagt. Wo waren denn 1994 die großen Gestalten der jüdischen US-Lobby, die später 2003 den George W. Bush so heftig unterstützt haben bei seinem Krieg im Irak? Als es darum ging, einen gerade beginnenden Völkermord in Ruanda zu stoppen und dem kanadischen General Romeo Dallaire, der die Blauhelme Truppe leitete, durch weitere Soldaten und beherzte Politik den Rücken zu stärken?

Schweigen. Beschämendes Schweigen auch in Israel. Immerhin wären da über eine Million Menschen, Ruander, Afrikaner, Tutsis zu retten gewesen in dem schnellsten Völkermord aller Zeiten.

Avraham Burg ist damit noch nicht am Ende. Er bezeichnet seine israelischen Mitbürger und Politiker als apathische Beobachter, die die Genozide nur beobachteten mit dem entschuldigenden Satz. „Macht nichts, Euer Holocaust kann nicht so groß und wichtig sein wie unser jüdischer!“ Das hörte ich ebenfalls vom Israel Botschafter in Ruanda.

Burg: Der Beiseitesteher, der nicht verhindert, dass das Verbrechen geschieht, ist ein Komplize. In das Israel Gesetz „Zur Verfolgung von Nazis und ihren Kollaborateuren“ von 1950, das man brauchte, um Eichmann zu verurteilen, schrieb die Knesset drei Urteilskriterien: Verbrechen gegen das Jüdische Volk, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen. Burg meint, die Knesset sollte die Klausel „Verbrechen gegen das jüdische Volk“ streichen, denn: Sind die Juden nicht Teil der Menschheit?

Die Interessen des jüdischen Staates haben dabei mitgespielt, den Armenischen Völkermord zu leugnen (und das ausgerechnet durch den jetzigen Staatspräsidenten Simon Peres). Als Burg als Knesset-Präsident den Dalai Lama eingeladen hatte, einen Mann des Friedens, kam ein Anruf auf dem Auswärtigen Amt in Israel.

- Sie können den Dalai Lama nicht empfangen.

- Warum?

- Das ist gegen die Auswärtige Politik Israels.

- Sie müssen den Besuch canceln.

Burg erzählt: Er habe tief Luft geholt, bis zehn gezählt und dann so weich wie möglich gesagt: „Dieser Besuch wird stattfinden. Ich werde darüber in Israel und in der Welt so viel publizieren wie möglich. Wenn die Außenpolitik Israels auf Waffenverkäufen für die Mörder vom Tiananmen Platz begründet ist, dann möchte ich daran keinen Anteil haben“.

Der Besuch fand statt und war eine wunderbare Gelegenheit, die gewaltlose Politik des Dalai Lama zu bewundern. Gleichermaßen fand der Besuch des Chinesischen Diktators statt

Israel hat auch Waffen an Ruanda geliefert und war damit mitschuldig am Genozid.

„Zwischen Tibet und China sollten wir Tibet wählen. Wir dürfen nicht indifferent sein mit Bezug auf den Kosovo, Jugoslawien, Indonesien, Ost Timor.“ Israel sollte eine Supermacht der moralischen Führerschaft sein.

Als das Abschlachten der Muslime und der Kroaten durch die paramilitärischen Serben begann, stellten sich der Staat Israel auf die Seite von Serbien. Professor Igor Primorek von der Hebräischen Universität in Jerusalem begründete das so.

„Die Juden sind historisch verpflichtet, immer auf der Seite Serbiens zu sein und die serbischen Interessen zu unterstützen“.

Dieser Test ist falsch. Er manifestiert das Scheitern eines Staates, der die Shoah enteignet hat, eingeschlossen das Recht und die Pflicht für die Opfer und die Überlebenden zu sprechen. Nur diese Opfer sind unsere Verpflichtung. Unsere serbischen und ruandischen Partner und Klienten mögen sie abschlachten. „Wenn wir unsere israelische Jurisdiktion erweitert hätten, dann hätten wir die Israel Kollaborateure, die Milosevic unterstützt haben, verfolgen können.“

Burg schließt seine Forderungen mit einer, die Ruanda in dem Genozid Museum in der eigenen Hauptstadt Kigali erfüllt hat. In Kigali gibt es ein sehr würdiges großes Museum zum Gedenken an die über eine Million Genozid Opfer. Das Museum enthält gleichzeitig ausführliche Abteilungen über alle bisher stattgehabten Völkermorde, einschließlich des Deutschen, des Armenischen, des Kambodschanischen (u.a.).

Burg plädiert dafür, dass das Tribunal zur Aburteilung von Menschheitsverbrechen seinen besten Platz in Israel hätte. Und Yad Vashem müsste eine Stätte sein des Gedenkens auch an den Armenischen und den Herero Aufstand und den Volkermord an den Hereros in Namibia, sowie den Genozid in Ruanda. Beide, der Internationale Gerichtshof und das Museum würden als Internationale Institutionen noch besser anerkannt, würden sie auf Dauer ihren Platz in Israel einnehmen. Ihr Land, auf dem sie stehen würde international werden und der Boden würde der Menschheitsfamilie gehören.

Es wird das nach Avraham Burg eine Welt sein, in der die anderen Holocausts auch unsere sein werden. Um ganz neu zu beginnen, müssen wir uns auch selbst in die Augen schauen und die neuen Wurzeln eines jüdischen Rassismus ausreißen, der uns von unserer Mitte her bedroht. Dieser neue Rassismus sei für ihn, Avraham Burg, total entfremdend und sei das Gegenteil von all dem, was er in seiner Familie gelernt habe. Er sei auch fremd dem eigenen jüdischen Volk.

Avraham Burg: “The Holocaust is over. We must rise from its Ashes”. Mac Millan New York 2008 254 Seiten

PRAISE

“This is an important book by a very courageous man. The shadow of the Shoah and its abusive application to the contemporary Middle East have been a catastrophe for Jews, Israelis and Arabs alike. In Burg's view Israel must move beyond Hitler's poisoned legacy. If they cannot or will not do this, the Middle East will never see peace and Israel has no future.” -- Tony Judt, bestselling author of Postwar: A History of Europe Since 1945 and Professor at New York University

“An Israeli-born son of Holocaust survivors, Burg addresses a heartfelt plea to his countrymen: remember the past, but do not be its slaves; pathology is neither patriotism nor statescraft. A compelling and eloquent cri de coeur from a veteran of Israel's wars and politics.” -- Howard M. Sachar, bestselling author of A History of the Jews in the Modern World and A History of Israel

"Burg takes a blunt, loving, painful and desperately important look at the state of the Jewish soul today. Anyone who cares about the future of the Middle East and the fate of victimized peoples needs to read this book and think hard." -- J.J. Goldberg, author of Jewish Power: Inside the American Jewish Establishment and Editorial Director of The Forward

“This fascinating and thought-provoking book should be read by every person who cares about Israel. Burg's central theme is that Israeli leaders use the memory of the Holocaust in ways that are warping the country's soul, creating unnecessary fear, and making it impossible to achieve peace with the Palestinians.” -- John J. Mearsheimer, bestselling author of The Israel Lobby and US Foreign Policy and Professor of Political Science at the University of Chicago

"[An] assured and provocative polemic. . . . [A] lecture with much wisdom . . . worthy of global consideration." -- Kirkus Reviews

“An honest reflection of a tormented man searching for the universal values in Judaism.” -- Le Figaro

“In this book of memories and reflections, the former Knesset Speaker delivers his disquieting findings about Israel that 'became a Kingdom without a prophesy.'... Foremost a book of hope from a man who wants to find ways to return Judaism to its universal calling.” --Le Monde

“Short of being Prime Minister, Burg could not be higher in the Zionist establishment.” David Remnick, The New Yorker

"Mr. Burg...wrote a powerful book, an indictment of how Zionism and the Holocaust have been used."--Globe and Mail

Das wahre Gesicht des Wirtschaftsminister Glos

Doch - doch: Er kann - und zwar in bester Herrenmenschenmanier - wenn auch mit Proll-Methoden - gegen einen Polizisten losgehen, der ihn nicht durchlassen will: Unseren Wirtschaftsminister.

http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/669606/Minister-Glos-soll-Polizisten-gedroht-haben.html

Nach Unfall mit Dienstwagen

Minister Glos soll Polizisten gedroht haben

zuletzt aktualisiert: 05.02.2009 - 06:19

Berlin (RPO). Bei einer Auseinandersetzung zwischen dem Fahrer von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und einem Berliner Polizisten ist der Beamte am Dienstag leicht verletzt worden. Er konnte nach ambulanter Behandlung wieder aus einem Krankenhaus entlassen werden, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag.

Die "Berliner Morgenpost" berichtet, dass Glos stellvertretend für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew empfangen sollte, sein Wagen allerdings an einer Absperrung von dem Beamten auftragsgemäß nicht durchgelassen wurde. Bei der Auseinandersetzung fuhr der Fahrer mit dem Dienstwagen schließlich über den Fuß des Beamten. Die Polizei nahm den Vorgang auf, Glos setzte seinen Weg zu Fuß fort.

Das Unfallopfer habe später zu Protokoll gegeben, dass Glos ihm mit dem Ende der polizeilichen Karriere gedroht habe, berichtete das Blatt weiter. Ein Ministeriumssprecher wies hingegen auf Anfrage zurück, dass Glos dem Polizisten gedroht habe. Nach Polizeiangaben gab es an der Unfallstelle einen "Wortwechsel" zwischen dem Minister und dem Beamten. Über den Inhalt gebe es aber von beiden Seiten "unterschiedliche Darstellungen".

Glos wandte sich schließlich am Mittwoch in einem Schreiben an den Polizisten und drückte sein Bedauern aus. Das Zusammentreffen an der Zufahrtskontrolle zum Empfang des kasachischen Staatspräsidenten habe "unter keinem guten Stern" gestanden, heißt es in dem Brief, der der Nachrichtenagentur ddp vorliegt. Er sei in Eile gewesen.

"Ihre Weigerung uns passieren zu lassen" sei "in diesem Moment nur schwer verständlich" gewesen. Glos betonte: "Falls ich unwirsch reagiert haben sollte, bedauere ich dies." Sein Ärger sei "inzwischen verraucht", fügte er hinzu. "Ich hoffe, auch Sie tragen mir die unglückliche Situation von gestern Vormittag nicht nach."


http://www.focus.de/politik/deutschland/michael-glos-falls-ich-unwirsch-reagiert-haben-sollte_aid_367929.html

05.02.09, 13:00

Michael Glos

„Falls ich unwirsch reagiert haben sollte…“

Wirtschaftsminister Glos war in Eile, doch ein Polizist ließ ihn nicht passieren. Die Folgen: Ein verbaler Disput, ein verletzter Beamter, zwei Meinungen – und womöglich eine Affäre für den CSU-Minister.
Polizist von Dienstwagen des Bundeswirtschaftsministers angefahren
Vielfahrer Michael Glos
Denn das Unfallopfer gab später zu Protokoll, dass ihm der erboste Minister im Zuge der verbalen Auseinandersetzung mit dem Ende seiner polizeilichen Karriere gedroht haben soll.

Der Vorfall, der am Donnerstag vom Bundeswirtschaftsministerium bestätigt wurde, ereignete sich am Dienstag. Ressortleiter Michael Glos sollte stellvertretend für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew empfangen, sein Wagen wurde an einer Absperrung von dem Beamten aber nicht durchgelassen. Nach kurzer – aber offenbar heftiger – Diskussion fuhr Glos´ Fahrer schließlich einfach los – und dem Polizisten über den Fuß.
Die Wortwahl der Beteiligten der Auseinandersetzung ist nicht bekannt. Der Berliner Polizei, die den Unfall aufnahm, liegen „unterschiedliche Aussagen“ vor. Ein Ministeriumssprecher wies lediglich zurück, dass Glos dem Polizisten gedroht habe. Der CSU-Politiker wandte sich am Mittwoch in einem Schreiben, das FOCUS Online vorliegt, an den Polizisten. Sein darin zum Ausdruck gebrachtes Bedauern lässt allerdings viel Raum für jegliche Interpretationsmöglichkeiten.

Der Entschuldigungsbrief im Wortlaut:

„Unser gestriges Zusammentreffen an der Zufahrtskontrolle zum Empfang des kasachischen Staatspräsidenten Nasarbayev stand leider unter keinem guten Stern. Sie hatten Ihre Anweisungen, die Sie auftragsgemäß befolgt haben. Ich wiederum war in Eile, denn meine Aufgabe war es, Präsident Nasarbayev in Stellvertretung der Bundeskanzlerin zu empfangen. Insofern war für mich Ihre Weigerung, uns passieren zu lassen, in diesem Moment nur schwer verständlich. Falls ich unwirsch reagiert haben sollte, bedauere ich dies.

Mein Ärger ist inzwischen verraucht. Ich hoffe auch Sie tragen mir die unglückliche Situation von gestern Vormittag nicht nach. Mit freundlichen Grüßen, Michael Glos“


hmmm, also wenn das alles ist was der Glos dazu zu sagen hat?...


Besorgnis alleine genügt nicht mehr...

...trotz allen Leides um den Holocaust, der den Menschen jüdischer Abstammung unter Hitler widerfahren ist, leben wir heute - und heute hat die Regierung Israels Fakten geschaffen, und tut dies immer noch. Diese Fakten sind derart menschenverachtend, dass Forderung nach Ermittlungen gegen Israel, und die Ächtung dieses Staates wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gerechtfertigt sind.

Die Unmenschlichkeiten gegenüber den Menschen in Gaza gehen weiter. Die Drohungen gegen einen Hamas-Führer, diesen umzubringen, sind nur ein Beispiel. Das neueste Beispiel aber ist dieses hier:


Jerusalem/Dubai (Reuters) - Die israelische Marine hat ein libanesisches Schiff mit Kurs auf den Gazastreifen abgefangen.

Verteidigungsminister Ehud Barak teilte am Donnerstag mit, die Soldaten nahmen das Schiff ein. Es werde nun in den israelischen Hafen Aschdod geleitet.

Zuvor hatte der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichtet, das mit Hilfsgütern beladene Schiff sei von der israelischen Marine beschossen worden. Ein Korrespondent des Senders berichtete, Soldaten hätten das Schiff geentert, die Besatzung mit Waffen bedroht und geschlagen. Der Reporter meldete sich per Telefon von dem Schiff aus. Das Telefonat wurde unterbrochen. Der Kontakt habe nicht wieder hergestellt werden können, berichtete Al-Dschasira.

hier weiterlesen:

http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE51404S20090205

Völkerrechtliches um Gaza

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Gaza/voelkerrecht2.html


Gaza und Völkerrecht

Von Norman Paech *

Fast genau ein Jahr nach der Nahost-Konferenz von Annapolis hat Israel am 27. Dezember 2008 seinen Krieg im Gazastreifen begonnen. Die erste Bilanz der drei Wochen dauernden Militäroffensive ist erschreckend: Nach Angaben der UN vom 19. Januar 2009 wurden 1.340 Palästinenser und Palästinenserinnen getötet, darunter sind 460 Kinder und 106 Frauen. 5.320 Menschen wurden verletzt, darunter 1.855 Kinder, wobei ein Großteil der Verletzungen schwerwiegend ist. Doch täglich steigen die Zahlen immer noch. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass es sich bei der Hälfte aller Todesopfer um Zivilisten handelt. 90.000 Menschen wurden aus ihrem Zuhause vertrieben. Auf Israels Seite gab es 13 Todesopfer, davon sind 4 Zivilisten, und 183 Verletzte.[1]

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich bei seiner Pressekonferenz anlässlich seines Besuchs im Gazastreifen zwei Tage nach Ausrufung des Waffenstillstandes entsetzt und schockiert über das Ausmaß der Zerstörung.

Die UNO-Hochkommissarin Navi Pillay fordert eine unabhängige Untersuchung möglicher Menschenrechtsverletzungen. Sollte diese die Vorwürfe bestätigen, müssten sie als Kriegsverbrechen verfolgt werden. Ebenso verlangt der UNO-Sonderbeauftragte für das besetzte Westjordanland und den Gazastreifen Richard Falk unabhängige Ermittlungen, denn es gebe zwingende Beweise, dass Israel grundlegende humanitäre Prinzipien und das Kriegsrecht „gegen eine im Wesentlichen wehrlose Bevölkerung“ gebrochen habe.[2] Acht israelische Menschenrechtsorganisationen haben ihre Regierung aufgefordert, angesichts der massiven Zerstörungen im Gazastreifen Untersuchungen einzuleiten. Die Stimmen, die eine unabhängige Untersuchung des Kriegsgeschehens fordern, werden auch innerhalb der EU immer lauter. Allerdings soll insbesondere die deutsche Regierung ein derartiges Unternehmen bremsen.

Die israelische Regierung wiederum begründet ihr Vorgehen mit dem Selbstverteidigungsrecht. Die sehr hohe Zahl der zivilen Opfer rechtfertigte Außenministerin Tzipi Livni am 19.01.09 im israelischen Rundfunk damit, dass das Ziel die Terroristen der Hamas seien, dass beim Kampf gegen den Terror aber manchmal Zivilisten leiden müssten.

Die Debatte um die politischen und moralischen Fragen des Krieges erweitert sich nun zunehmend um die juristische Dimension. Dabei sind zwei Fragen zu beantworten: Erstens, hatte Israel ein Recht, den Gazastreifen am 26. Dezember 2008 anzugreifen? Dies ist die Frage nach dem sog. ius ad bellum, dem Recht zum Krieg. Zweitens, hat die israelische Armee bei ihrem Luftangriff und der folgenden Bodenoffensive die Regeln des Kriegsvölkerrechts beachtet, die bestimmte Kampfformen ausschließt und Auswirkungen ächtet? Dies ist die Frage nach der Beachtung des ius in bello, dem Recht im Krieg. Beide Fragen stellen sich natürlich gleichermaßen in Hinblick auf den Raketenbeschuss israelischen Territoriums durch Hamas und andere palästinensische Gruppen sowie ihre Kampfführung in Gaza.

Die juristische Dimension ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie zum einen Kriterien der Beurteilung bietet, die allgemein anerkannt und nachprüfbar sind, da von den Staaten kodifiziert. Zum anderen öffnet das moderne Völkerrecht seit der Gründung des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag und der Einführung sog. Weltstrafgesetzbücher in etlichen Staaten den Weg strafrechtlicher Verantwortung. Die folgenden Ausführungen zur juristischen Bewertung des Krieges sind ein erster und bestimmt unvollkommener Ansatz, eine Grundlegung, die weiterer Diskussion und Analyse bedarf. Vor allem werden erst dann genaue und definitive Aussagen gemacht werden können, wenn die Formen der Kriegsführung und das Ausmaß der Schäden bekannt und bestimmt sind. Genaue und verlässliche Angaben waren schwer zu erhalten, da Israel während des ganzen Krieges allen internationalen Journalisten und unabhängigen Militärbeobachtern den Zutritt zum Gazastreifen verweigert hat.

Selbstverteidigungsrecht

Das alte jus ad bellum ist für die Staaten mit der UNO-Charta von 1945 in ein jus contra bellum umgewandelt worden: Es gibt nur noch zwei Ausnahmen, die Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat (Art. 39, 42 UNO-Charta) und das Selbstverteidigungsrecht (Art. 51 UNOCharta). Israel beruft sich ausdrücklich auf das Selbstverteidigungsrecht gegen den Raketenbeschuss durch Hamas. Beide Parteien hatten am 19. Juni 2008 eine sechsmonatige Waffenpause vereinbart, die weitgehend eingehalten wurde. „Weitgehend“ bedeutet keine vollständige Waffenruhe. Nach offiziellen israelischen Angaben feuerten die Palästinenser im Juli zwei Raketen, im August acht, im September und Oktober je eine Rakete nach Israel, die zwar Sachschäden anrichteten aber keine Menschen töteten. Beide Parteien gingen davon aus, dass dieser Zustand sich noch im Rahmen des Waffenstillstandabkommens hielt – bis zum 4. November 2008. An diesem Tag startete die israelische Armee einen Angriff auf den Gazastreifen, der nach Zeitungsberichten der Zerstörung eines Tunnels galt. Die israelische Tageszeitung Haaretz schrieb am 30. Dezember 2008 über diesen Zwischenfall:

„Alles hat am 4. November angefangen, als die israelische Armee in den Gazastreifen eindrang, um einen Tunnel zu sprengen, der eine ‚tickende Bombe‘ sein sollte, nämlich ein Mittel, israelische Soldaten zu entführen. Am 11. November umzingelte die Armee ein Haus und sprengte es. Dabei wurde ein Hamas‐Mann getötet und mehrere Palästinenser verletzt. War es der einzige Tunnel in Gaza? War die große Einheit der einzige Weg, die Gefahr zu beseitigen? Man hätte doch den Ausgang des Tunnels auf der israelischen Seite blockieren oder einen Hinterhalt vorbereiten können. Israel hat sich aber mit dieser Aktion nicht begnügt. Am nächsten Tag liquidierte man ein Fahrzeug mit sechs Menschen, angeblich Hamas‐Leute. Vielleicht sind es aber Menschen auf dem Weg zum Einkaufen gewesen. Diese Aktion tief im Gazastreifen hat zur Eskalation geführt. Hamas hat darauf mit einem Hagel von Raketen geantwortet. Israel reagierte mit der Sperrung der Übergänge. So hat die Aktion“ „Gegossenes Blei“ angefangen. Dabei hat sich Hamas bis zum bitteren Tag an den Waffenstillstand gehalten. Hamas hat sogar Leute von ‚Djihad Islami‘ festgenommen, die auf Israel schossen oder zu schießen planten.“

Der Waffenstillstand endete formal am 19. Dezember 2008, beide Seiten waren an einer Verlängerung nicht interessiert. Israel nicht, da die Pläne für den baldigen Angriff schon auf dem Tisch lagen. Hamas nicht, weil Israel seine Verpflichtung, während des Waffenstillstandes die Grenzen für die Versorgung der Bevölkerung zu öffnen, nicht nachgekommen war und sich die Situation der Menschen weiter verschlechtert hatte. Es ist zwar kein offizielles schriftliches Dokument des Waffenstillstandes veröffentlicht worden, aber der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der an der Vermittlung der Waffenruhe im Juni 2008 beteiligt war, zählt auch die Wiederaufnahme der lebenswichtigen Lieferungen von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Wasser und Treibstoff im alten Umfang der Zeit vor dem Rückzug der Israelis aus dem Gazastreifen zu der Vereinbarung. Laut Carter ließen die Israelis jedoch kaum ein Drittel der notwendigen Lieferungen über die Grenze. Noch im Dezember habe sich Hamas bereit erklärt, die Waffenruhe einzuhalten, wenn Israel die normalen Lieferungen wieder zulassen würde. Die israelische Regierung habe sich jedoch nur zu 15 % der früheren Warentransporte bereit erklärt, was für Hamas nicht akzeptabel war.[3] Man wird nach Kenntnis dieser Umstände denen schwer widersprechen können, die darauf verweisen, dass es Israel klar gewesen sein musste, dass die Palästinenser auf dieses Verhalten über kurz oder lang mit erneuten Raketen reagieren würden.

Doch nimmt das den Israelis das Recht auf Selbstverteidigung gem. Art. 51 UNO-Charta? Man könnte argumentieren, dass derjenige, der den Angriff durch eigenes rechtswidriges Verhalten (Bruch des Waffenstillstandes) provoziert, das Selbstverteidigungsrecht verwirkt. Andernfalls könnte sich ein Staat eine billige Legitimation für den eigenen Angriff verschaffen. Inzwischen hat Verteidigungsminister Barak selbst eingestanden, dass der Angriff vom 27. Dezember von langer Hand sorgfältig geplant und vorbereitet worden war. Damit ist zumindest die Behauptung widerlegt, dass die Raketen der Auslöser des Angriffs gewesen sind. Und das wiederum nährt die Zweifel an der gängigen und weithin akzeptierten These, Israel habe in Ausübung seines Selbstverteidigungsrechts den Gazastreifen angegriffen.

Völkerrechtlichen Pflichten einer Besatzungsmacht

Unterstellen wir dennoch ein uneingeschränktes Recht der Israelis auf Selbstverteidigung gegen die Raketen der Palästinenser, so befreit auch dieses Recht nicht von den Regeln und Gesetzen, die das humanitäre Völkerrecht jeder militärischen Aktion auferlegt.

Bevor wir jedoch diese Fragen erörtern, sei noch ein kurzer Blick auf den rechtlichen Status des Gazastreifens gerichtet. Es ist ein Gebiet ohne Staatsqualität, ohne faktische oder rechtliche Souveränität. Es ist von keinem Staat anerkannt und nach dem Rückzug der israelischen Siedler und Soldaten im Sommer 2005 in den Augen der israelischen Regierung auch nicht mehr Besatzungsgebiet mit den sich daraus für die israelische Regierung ergebenden völkerrechtlichen Pflichten einer Besatzungsmacht: ein rechtliches Niemandsland. Dies galt jedoch höchstens bis zu den Wahlen im Januar 2006. Denn nach den Wahlen schloss sich wieder der Ring um den Gazastreifen, zunächst durch die Verweigerung der Auszahlung der Zoll- und Steuereinnahmen und dem Stopp der ausländischen Zahlungen bis zu der vollständigen Blockade mit Boykott und Schließung der Grenzen, nachdem im Juni 2007 Hamas die Macht in Gaza übernommen hatte. Seitdem ist Gaza faktisch wieder zum besetzten Gebiet geworden.

Nach der klassischen Definition des Artikels 42 der Haager Landkriegsordnung (HLKO) von 1907 gilt ein Gebiet als kriegerisch besetzt, „wenn es sich tatsächlich in der Gewalt des feindlichen Heeres befindet. Die Besetzung erstreckt sich nur auf die Gebiete, wo diese Gewalt hergestellt ist und ausgeübt werden kann.“ Es ist aber nicht erforderlich, dass die feindliche Armee sich an jedem Ort des besetzten Gebietes befindet. Besetzt ist ein Gebiet dann, wenn es sich tatsächlich in der Gewalt und effektiv unter der Kontrolle der gegnerischen Streitkräfte befindet, d.h. wenn die Besatzungsmacht faktisch in der Lage ist, ihre Herrschaft über die Zivilbevölkerung durchzusetzen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die israelische Armee spätestens seit Sommer 2007 den Gazastreifen wieder unter ihre vollständige Kontrolle gebracht hat. Weder zu Land, noch zu Luft oder Wasser konnte jemand ohne die Erlaubnis der israelischen Armee das Gebiet verlassen oder betreten. Es gab praktisch keine Bewegungsfreiheit aus dem Gebiet heraus, und jede Bewegung in dem nur 365 km² großen Areal unterlag der lückenlosen Luftüberwachung durch das israelische Militär. Für die Anwendung des Besatzungsrechts zum Schutze der Bevölkerung reicht es aus, dass die Besatzung auch ohne die Anwendung militärischer Gewalt erfolgt, weil etwa jeder Widerstand auf Grund der Übermacht des Gegners unterbleibt. Entscheidend ist nur die vollständige und effektive Kontrolle durch die fremde Macht – und die lag ab Sommer 2007 bei der israelischen Armee.

Daraus folgt eine Reihe von rechtlichen Verpflichtungen, die in der HLKO und später im IV. Genfer Abkommen von 1949 sowie den beiden Zusatzprotokollen zu den Genfer Abkommen von 1977 kodifiziert worden sind.[4] Vornehmlich geht es dabei um den Schutz und die Versorgung der Zivilbevölkerung. Artikel 43 HLKO überträgt der Besatzungsmacht die Aufgabe, „alle von ihm abhängenden Vorkehrungen zu treffen, um nach Möglichkeit die öffentliche Ordnung und das öffentliche Leben wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten, und zwar, soweit kein zwingendes Hindernis besteht, unter Beachtung der Landesgesetze.“ Diese Aufgaben umfassen nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit den lebensnotwendigen Nahrungsmitteln und medizinischen Gütern (Art. 55 ff. IV. Genfer Abkommen), sondern den Schutz der Menschenrechte, der religiösen und anderen Gebräuche (Art. 27 IV. Genfer Abkommen) sowie die Achtung der innerstaatlichen Rechtsordnung (Art. 64 IV. Genfer Abkommen). Ausdrücklich verboten sind der Besatzungsmacht die Annexion besetzten Territoriums (Art. 2.3 u. 2.4 UN-Charta), die Besiedlung mit eigenen Staatsangehörigen sowie die Verschleppung von Teilen der Bevölkerung (Art. 147 IV. Genfer Abkommen, Art. 85.4 des 1. Zusatzprotokolls zu den Genfer Abkommen von 1976). Der Verstoß gegen diese Verbote ist als Kriegsverbrechen zu ahnden, wofür der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag zuständig ist (Art. 8.2 a, b Statut des Internationalen Strafgerichtshof - IStGH - von 1998).

Recht zum Widerstand?

Nichts ist in den Haager und Genfer Abkommen über das Recht der Bevölkerung zum Widerstand gegen die illegale Besetzung gesagt. Überwiegend wird in der völkerrechtlichen Literatur die Meinung vertreten, dass die besetzte Bevölkerung kein Recht habe, gegen die Besatzungsbehörden und ihre Streitkräfte mit Gewalt vorzugehen. „Es gibt weder ein individuelles noch kollektives Widerstandsrecht“.[5] Das mag für eine Situation gelten, in der die Besatzungsmacht ihren völkerrechtlichen Ordnungs- und Versorgungspflichten nachkommt. Gegen eine Besatzungsmacht, die die Verbote der Annexion, Besiedlung und Verschleppung missachtet und auch ihren Versorgungspflichten nicht nachkommt, muss es jedoch ein Recht zum Widerstand geben. Dieses folgt aus dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, welches seit den 1960er Jahren als zwingendes Recht anerkannt ist. In der berühmten „Erklärung über die Grundsätze des Völkerrechts betreffend freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen den Staaten“, der sog. Friendly-Relations-Deklaration vom 24. Oktober 1970, hat die UNO-Generalversammlung festgestellt, dass jede Gewalt verboten ist, die einem Volk „sein Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit und Unabhängigkeit“ entzieht. Daran anknüpfend haben die Staaten auf der Rotkreuz-Konferenz von 1977 in Artikel 1.4 des 1. Zusatzprotokolls zu den Genfer Abkommen bestimmt, dass „bewaffnete Konflikte, in denen Völker gegen Kolonialherrschaft und fremde Besetzung sowie gegen rassistische Regimes in Ausübung ihres Rechts auf Selbstbestimmung kämpfen“, als internationale bewaffnete Konflikte zu gelten haben. Der Widerstand gegen jede „fremde Besetzung“ ist demnach gerechtfertigt, also auch im Gazastreifen. Sobald der Widerstand zur Gewalt greift, ist er allerdings an die Regeln des humanitären Völkerrechts gebunden. Das bedeutet: die Kämpfer erhalten den Status der Kombattanten und jeder Angriff auf Zivilisten sowie auf zivile Einrichtungen ist verboten. Der Abschuss von Kassam- und Katjouscha- Raketen auf israelische Ortschaften ist deswegen ebenfalls ein Verstoß gegen das Völkerrecht.

Juristische Aufarbeitung des Kriegs durch Internationale Kommission

Die Bilanz des Krieges ist furchtbar. Die israelische Luftwaffe flog allein bis zum 15. Januar 2009 2.360 Angriffe,[6] die Panzereinheiten stießen bis in die Städte Gaza, Khan Younis und Rafah vor, die Marine nahm den Streifen von See aus unter Feuer.[7] Aber nicht nur die vielen Toten und Verwundeten sind zu beklagen.

Erste Schätzungen von unabhängiger Seite geben die Höhe der entstandenen Schäden mit 2 Mrd. US-$ an. Etwa 15 % aller Gebäude im Gazastreifen sind zerstört oder schwer getroffen, über 4.100 Wohnhäuser, rund 1.500 Betriebe und Werkstätten und 20 Moscheen - die Zahlen erhöhen sich täglich. Auch sind ca. 70 % der Tunnel nach Ägypten, durch die nicht nur Waffen, sondern vor allem Lebensmittel für die von Lieferungen aus Israel abgeschnittene Bevölkerung geschmuggelt wurde, offensichtlich zerstört.

UN-OCHA schrieb bereits am 8. Januar 2009 in seinem wöchentlichen Bericht: „Es gibt keinen sicheren Ort im Gazastreifen – keine sichere Zuflucht, keinen Bunker und die Grenzen sind geschlossen, Zivilisten haben keinen Ort zum Fliehen.“ Auf einer Fläche von 365 km², nicht halb so groß wie Hamburg, drängen sich 1,5 Mio. Menschen (Hamburg 1,7 Mio.). In dieser Situation blieb den Bewohnern kaum eine Fluchtalternative, wenn sie von der israelischen Seite aufgefordert wurden, ihre Häuser zu verlassen, weil diese anschließend bombardiert würden.

Die Behauptung der israelischen Armee, die Hamas-Kämpfer hätten sich hinter den Zivilisten versteckt und diese als Schilde benutzt – beides ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht (Art. 51.7 1. Zusatzprotokoll) und in schweren Fällen als Kriegsverbrechen zu verfolgen (Art. 8.b.xxiii Statut des IGH) – wirkt bis zum Nachweis konkreter Fälle wenig überzeugend. Die Bevölkerungsenge macht eine deutliche Trennung von zivilen Einrichtungen und Kämpfenden kaum möglich. Zudem zeigen die zahlreichen Bombardierungen von Einrichtungen der UNO (Schulen, Krankenhäuser, Fahrzeuge), von Universität, Ambulanzen, Ministerien und öffentlichen Gebäuden zweierlei: entweder sie erfolgten vorsätzlich und zielgerichtet oder es bestand keine objektive Möglichkeit der eindeutigen Trennung von zivilen und militärischen Anlagen für die Angreifer. Im zweiten Fall handelt es sich nicht um bedauerliche aber straflose Kollateralschäden, sondern wie im ersten Fall um eindeutige Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Denn Art. 51 1. Zusatzprotokoll verbietet einen

„Angriff, bei dem damit zu rechnen ist, dass er auch Verluste an Menschenleben unter der Zivilbevölkerung, die Verwundung von Zivilpersonen, die Beschädigung ziviler Objekte oder mehrere derartige Folgen zusammen verursacht, die in keinem Verhältnis zum erwarteten konkreten Fall und unmittelbaren militärischen Vorteil stehen.“

Die Frage der Verhältnismäßigkeit wird immer ein Streitfall der konkreten Bewertung zwischen den Gegnern bleiben. Die Zahl der zivilen Opfer und das Ausmaß der erfolgten Zerstörungen in Gaza jedoch müssen schon heute als unverhältnismäßig angesehen werden gegenüber dem Kriegsziel, die Hamas zu schwächen und den Raketenbeschuss zu unterbinden. Nach Art. 85.3.b. 1. Zusatzprotokoll handelt es sich um Kriegsverbrechen, die in schweren Fällen vor dem Internationalen Strafgerichtshof verfolgt werden können (Art. 8.2.b.i. Statut des IStGH).

Eine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof wird allerdings nach diesem Krieg nicht in Frage kommen, da weder Israel noch die Palästinenser das Statut unterzeichnet haben. Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit können jedoch inzwischen vor einer Reihe nationaler Strafgerichte angeklagt werden, die über ein Weltstrafrecht verfügen, wie z.B. Deutschland und Belgien.

Das israelische Verteidigungsministerium hat auch schon vor Beendigung des Krieges damit begonnen, in Erwartung der strafrechtlichen Anklagen gegen führende Offiziere und Politiker Material vor Ort zu sammeln, welches die These bestätigen soll, dass ausschließlich gegen die Hamas gekämpft worden sei, diese jedoch die Zivilbevölkerung als Schutz benutzt habe und für die vielen Opfer selbst verantwortlich sei.[8]

Es wird also bei der juristischen Aufarbeitung um konkrete Kampfmethoden, Kampfmittel und Schäden gehen.

Amnesty International wirft Israel den Einsatz von Phosphorbomben vor, der inzwischen von der israelischen Armee zugegeben wird.[9] Der Einsatz von Phosphor ist zwar nicht generell verboten, darf aber in einer derart dichtbesiedelten Umgebung wegen seiner unterschiedslosen Wirkung nicht eingesetzt werden (vgl. Art. 51.4 1. Zusatzprotokoll). Auch wird Israel vorgeworfen, Munition mit abgereichertem Uran verwendet zu haben. Dies wird zwar von Israel bestritten, der Vorwurf wird jedoch zu prüfen sein.

Zudem müssen die Angriffe auf Moscheen, die als religiöse Kultstätten gem. Art. 53 1.Zusatzprotokoll geschützt sind, untersucht werden. Sie dürfen natürlich nicht zu militärischen Zwecken missbraucht werden, die Kultstätte kann bei militärischer Nutzung ihre Unverletzlichkeit verlieren (vgl. Art. 6 Zusatzprotokoll von 1999 zum ursprünglichen Abkommen von 1954).

Ebenso können die bisher 15 bekannt gewordenen Angriffe auf medizinische Einrichtungen wie Ambulanzen, mobile Kliniken, drei Regierungshospitäler, ein Zentrum für geistig behinderte Menschen und ein medizinische Lagerhaus nicht als einfache Kollateralschäden verharmlost werden. Die bekannt gewordenen Fälle, dass verletzte Zivilpersonen bis zu sieben Tagen ohne medizinische Versorgung, Wasser und Nahrung in Häusern und Ruinen eingeschlossen wurden, ehe die Armee dem Roten Halbmond (PRCS) den Zugang und die Befreiung erlaubte, stellen schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar.

Wenn Artikel 54 1. Zusatzprotokoll bestimmt: „Das Aushungern von Zivilpersonen als Mittel der Kriegsführung ist verboten“, so geht es dabei um die Frage, wie das Überleben der Zivilbevölkerung im Krieg auch gegen Hunger, Krankheit und Elend gesichert werden kann. Es ist absolut verboten, für die Bevölkerung lebensnotwenige Objekte anzugreifen, zu zerstören oder unbrauchbar zu machen. Bereits während der Militäroffensive ist das durch die Blockade der Jahre zuvor marode Gesundheitssystem kollabiert. Gerade in diesem zentralen Bereich hat Israel seine Besatzungspflichten vollkommen vernachlässigt. Viele verletzte Menschen starben, weil sie medizinisch nicht angemessen versorgt werden konnten.

Mehr als eine halbe Million Menschen sind vollkommen vom Trinkwasser abgeschnitten. Das Stromnetz in Gaza-Stadt ist zu 80 Prozent beschädigt, die Abwässer fließen in den Straßen, da die Pumpen mangels Elektrizität oder auf Grund der Bombardements nicht mehr arbeiten. Allein für humanitäre und Soforthilfe hält der Leiter der UN-Hilfsdienste, John Holmes, hunderte Millionen Dollar für erforderlich. Die gesamten Wiederaufbaukosten gingen in die Milliarden.

Die Bilder der Zerstörung, die uns nun erreichen, dokumentieren eine Katastrophe entsetzlichen Ausmaßes. Die Toten mögen begraben werden, die Verwundeten wieder gesunden, die Trümmer beseitigt und neue Bauten errichtet werden. Der Krieg aber wird sich tief in das Gedächtnis der Überlebenden eingraben und in den nächsten Jahrzehnten nicht aus ihrem Bewusstsein weichen. Schon jetzt stehen Gelder zur Verfügung, den Wiederaufbau zu beginnen. Wenn aber die EU – wie angekündigt - ihre Hilfe von der Abdankung der Hamas abhängig macht, setzt sie den Krieg mit anderen Mitteln fort.

Notwendig wird sein, die Geschehnisse dieser 23 barbarischen Tage zu untersuchen, um die völkerrechtliche und evtl. strafrechtliche Verantwortung festzustellen. Auch zivilrechtliche Klagen auf Entschädigung wegen zerstörten Eigentums sind zu erwarten. Dafür müsste umgehend eine internationale, unabhängige Untersuchungskommission zusammengestellt werden, die vor Ort die Sicherung der Beweise vornimmt. Nur dann, wenn dieser Krieg auch zu rechtlichen Konsequenzen führt, erfüllen die Bemühungen der Staaten um die Fortentwicklung und Verbesserung der Regeln gegen den Krieg ihren Sinn. Wer nicht zur Verantwortung gezogen wird und nichts zu befürchten hat, wird immer eine Gefahr für seine Nachbarn bleiben.

Fußnoten
  1. UN Office For The Humanitarian Affairs (OCHA) v. 19. Januar 2009.
  2. apd Meldung vom 22.01.2009, 20:51:00 h, UN-Experte fordert Ermittlung zu möglichen Kriegsverbrechen Israels. Jüngst hat sich diesen Forderungen auch der Hohe Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Xavier Solana, angeschlossen.
  3. Jimmy Carter: An Unnecessary War. Washington Post vom 8. 1. 2009.
  4. Israel bestreitet zwar die Anwendbarkeit der Genfer Konventionen auf die besetzten Gebiete und hat auch die beiden Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen nicht ratifiziert. Das ist jedoch unerheblich, da es sich bei den Protokollen bereits weitgehend um Gewohnheitsrecht handelt, und die Ablehnung der Genfer Konventionen von niemand anders geteilt wird.
  5. Hans-Peter Gassner 2007: Humanitäres Völkerrecht, S. 134.
  6. The Independent, 15 January 2009.
  7. Haaretz meldete am 14. Januar, dass bis dahin 565 Raketen und 200 Granaten in Israel einschlugen.
  8. Vgl. etwa FAZ v. 24. Januar 2009, S. 2.
  9. Afd Meldung vom 23.01.2009, 08:00 h, „Israel bereitet Verteidigung gegen Kriegsverbrecher-Vorwürfe vor - Olmert setzt Arbeitsgruppe ein.“
* Der Beitrag erscheint in: Welttrends – Zeitschrift für internationale Politik, Nr. 65 (2009)

Die Implosion des Humanitären im Gaza-Streifen...

aufgelistet hier:

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Gaza/Implosion.pdf

Change crasht in Germany

http://www.freitag.de/datenbank/freitag/2009/06/der-wandel-scheitert-am-proporz/#

Der Wandel scheitert am Proporz

Das deutsche Wahlvolk hat sich auf der Tribüne eingerichtet - auch im Cyberspace. Nur wenn es die Arena betreten darf, bekommt die Politik im Netz den nötigen Schwung

Was haben Barack Obama und Thorsten Schäfer-Gümbel gemeinsam? Sicher, beide setzten in ihrem Wahlkampf auf „Hoffnung“ und „Wandel“. Aber sie haben noch eine weitere Gemeinsamkeit, die dem deutschen Publikum sicher noch nicht einmal bekannt ist. Beide haben in ihrer Kampagne intensiv das Internet und dessen soziale Netzwerke genutzt – mit unterschiedlichem Erfolg. Obama verdankte sei­nen Sieg bei den Primaries zu einem gehörigen Teil dem aktiven „Graswurzeljournalismus“ im Netz. Schäfer-Gümbels Onlinekampagne konnte bestenfalls durch ihr bewusst eingesetztes Understatement glänzen, blieb ansonsten aber weitgehend unbeachtet. Woran liegt es, dass das Internet im deutschen Wahlkampf so ein Schattendasein fristet? Liegt der Unterschied in der häufig kolportierten Vermutung, dass jenseits des Atlantiks digitale Medien wie Blogs und Netzwerke wie Twitter oder Facebook eine größere Reichweite haben und professioneller genutzt werden als in Deutschland? Nein, denn man muss Medium und Inhalt trennen.

Wie in den USA

Auch in Deutschland gibt es eine kleine, aber feine Netzgemeinde, die sich hinsichtlich der Reichweite keineswegs hinter ihrem amerikanischen Pendant verstecken muss. Das größte Politikblog der USA ist die Huffington Post – sie hat pro Monat bis zu 5,7 Millionen Leser. Wenn man bedenkt, dass Englisch auf der ganzen Welt gesprochen wird und viele der Leser keine Amerikaner sind, relativiert sich diese Zahl. Die USA haben außerdem fast viermal so viele Einwohner wie Deutschland. So gesehen hätte die Huffington Post auf deutsche Zahlen übertragen auch nur 47.000 Leser am Tag. Das meistgelesene deutsche Politikblog sind die Nachdenkseiten mit rund 25.000 Lesern pro Tag. Die Huffington-Post ist ein werbefinanzierter, redaktionell geführter Medienkonzern mit 43 Vollzeitmitarbeitern. Die Nachdenkseiten werden von vier kritischen Bloggern als Hobby betrieben und durch freiwillige Spenden der Leser finanziert. Die Huffington Post wurde hingegen mit zwanzig Millionen Dollar von renditeorientierten Kapitalgebern ausgestattet.Deutschland ist nicht mit den USA zu vergleichen – was Leserinteresse und Relevanz angeht, spielt man allerdings dieseits und jenseits des Atlantiks in der gleichen Liga.

Der große Unterschied zwischen den USA und Deutschland besteht nicht in der Struktur der Netzmedien, sondern in der Partizipation der Bürger am politischen System. In den USA herrscht auch in den kritischen Ecken des Netzes das Selbstverständnis vor, ein Teil des politischen Systems zu sein und aktiv mitgestalten zu können. In Deutschland beschränkt sich die politische Partizipation des Netzes hingegen meist auf die Kritik an der institutionellen Politik.

Die politischen Blogs in Deutschland betrachten sich nicht als aktive Mitspieler auf dem Spielfeld der großen Politik, sondern als Kommentatoren. Von der Tribüne aus werden die Fehler der einzelnen Spieler und die Schwächen im Spielsystem der Mannschaften erläutert und bewertet. Das Publikum soll das Spiel besser verstehen. Weder die Zuschauer, noch die Kommentatoren geben sich der Illusion hin, selbst etwas am Spiel ändern zu können. Ist dies typisch deutsch? Ist das Volk der 80 Millionen Bundestrainer, die nicht selbst Fußball spielen, auch ein Volk der 80 Millionen Bundeskanzler, die nicht selbst regieren könnten? Dem politischen System in Deutschland fehlt es wohl eher an interaktiven Schnittstellen. Herrn Schäfer-Gümbel über Twitter eine Nachricht zukommen zu lassen, auf die er – oder sein Referent – vielleicht auch antwortet, ist nun einmal etwas anderes, als einen „eigenen“ Kandidaten aktiv durch die Vorwahlen zu begleiten. Soziale Netzwerke können nur dann funktionieren, wenn der Inhalt zu begeistern vermag und die Mitglieder dieser Netzwerke überzeugt sind, etwas verändern zu können. Sich aktiv für seinen Kandidaten einzusetzen, ist hierzulande eher das Spielfeld der Juniorenmannschaften. Wer kennt sie nicht, die juvenilen Vorfeldorganisationen der Parteien, die in Wahlkampfzeiten – mit unerschütterlich optimistischer Miene – Flyer, Kugelschreiber und Fähnchen ihrer Parteien in den Fußgängerzonen verteilen. Mit derlei orchestriertem Aktivismus will das politische Internet aber nichts zu tun haben. Man will selbst ein Teil des Gestaltungsprozesses sein, kann es in diesem Politiksystem aber nicht.

Ein Vorwahlkampf, in dem es um Mindestlohn, Studiengebühren, Hartz IV und Vermögenssteuer geht? Das Netz wäre begeistert

Kandidaten, die intransparent und undemokratisch durch auf Proporz bedachte Seilschaften und Old-Boy-Networks ausgekungelt werden, stehen nicht unbedingt in Verdacht, die basisdemokratisch orientierte Internetgemeinde für sich einnehmen zu können. Würden die deutschen Parteien ihre Kandidaten in einem offenen Auswahlverfahren, ähnlich den amerikanischen Primaries, vom Volke wählen lassen, sähe wohl auch die Partizipation und damit die Bedeutung der digitalen Netzwerke ganz anders aus. Ein sozialdemokratischer Vorwahlkampf zwischen Andrea Nahles, Peer Steinbrück, Walter Steinmeier und Klaus Wowereit? So etwas würde auch die Netzgemeinde freudig kommentieren. Ein Vorwahlkampf, in dem es um Mindestlohn, Studiengebühren, Hartz IV und Vermögenssteuer geht? Das Netz wäre begeistert, und Blogs wie soziale Netzwerke würden für „ihre“ Kandidaten Wahlkampf machen. Aber ebenso wenig, wie ein deutscher Kanzler mit der Machtfülle eines US-Präsidenten konkurrieren kann, kann das deutsche Politiksystem basisdemokratische Schnittstellen einbauen, die das Volk an der politischen Entscheidungsfindung ernsthaft teilhaben lassen. Demokratie heißt in Deutschland eben nicht, die Macht in die Hände der Bürger zu legen, sondern dem Volk lediglich das Gefühl zu geben, es habe eine Wahl.

In diesem Spektrum bewegen sich auch die Möglichkeiten des politischen Internets in Deutschland. Die Parteien werden es daher auch schwer haben, mit ihren ambitioniert klingenden Online-Strategien Erfolg jenseits der eigenen Vorfeldorganisationen zu haben. Zwischen medientheoretischen Hochglanzprospekten und der trüben Realität gibt es nun einmal Unterschiede. Ein minderwertiges Produkt, für das es keinen Markt gibt, lässt sich auch mit der ausgeklügeltsten Werbestrategie nur schlecht verkaufen. Hierzulande hat sich allerdings die Unsitte breitgemacht, für seine Kaufenthaltung den Kunden verantwortlich zu machen. Nicht das politische Internet ist dafür verantwortlich, dass es sich dem Wahlkampf entzieht, sondern der Wahlkampf selbst ist dafür verantwortlich, dass er im Netz nicht adaptiert wird.

Verdrossenheit am System

Die Wahlkampfberichterstattung in Blogs und sozialen Netzwerken wird nicht darauf aus sein, Alternativen aufzuzeigen. Sie wird aber Fehler und Lügen aufdecken. Dadurch wird letztendlich vor allem die Partei der Nichtwähler an Stimmen gewinnen. Es ist aber falsch, vor diesem Hintergrund von Politikverdrossenheit zu sprechen – im Netz wird lebhaft und engagiert über Politik diskutiert. Es handelt sich um eine Systemverdrossenheit. Das Netz will partizipieren, kann es aber nicht. Das deutsche Politiksystem ist nicht internetkompatibel. In Deutschland wäre Obama auch nur ein mittelmäßiger Online-Wahlkämpfer. Schon vor dem Start wäre sein Motto „Change“ vom Proporz abgeschliffen worden. Ob Thorsten Schäfer-Gümbel es in den USA geschafft hätte, die Graswurzeln zum Ausschlagen zu bringen, darf allerdings ebenfalls angezweifelt werden.

Eigentliche Website von Jens Berger:

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/

Der Papst und die anderen:

http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=6164&Itemid=286

Und was ist mit dem Papst, der Piusbrüderschaft und und ...?



von Nemetico 05.02.2009

Israelischer Panzer und pal. Untermenschen
Alles gegen den Papst und die Piusbruderschaft, vereint im antifaschistischen Kampf gegen Holocaustleugnung.....?
Da ich kein Katholik bin, noch nicht einmal Christ, fühlte ich mich bisher nicht zu einer Stellungnahme genötigt.

Aber schon seltsam, dass das gesamte THEMA so die Schlagzeilenbeherrscht, so kurz nach dem "Waffenstillstand" in Gaza, der weiterhin fast täglich von Israel gebrochen wird.

In der Medienlandschaft ist Gaza fast völlig untergegangen, stattdessen ist sich von BILD bis SPON "alle Welt" einig im "antifaschistischenKampf" gegen die Holocaustleugner von der Piusbruderschaft. Merkel fordert die Exkommunikation des Papstes (Scherz) und der "Zentralrat der Juden",der fälschlicherweise im Namen der Juden auftritt und nach meiner Meinung nichts anderes als eine Vereinigung von Alibijuden im Dienste des massenmörderischen Militärindustriellen Komplexes ist, predigt Politikern und Klerikern Moral.

Könnte eine Satire sein, ist es aber nicht. Dazu sind die Hintergründewohl auch viel zu ernst. Es wird weiter täglich gemordet und gestorbenim Gaza - Streifen und zumindest ich bin nicht naiv genug, da auch nureine Sekunde an einen Zufall zu glauben.
Es handelt sich mal wieder um das sattsam bekannte "Wahrnehmungsmanagement", mit dem die Aufmerksamkeit der Menschen, diedurch ihre Schädelklobrillen ("Toilettenhirne") die Ausscheidungen der imperialen Enddärme (genannt Medien, Nachrichtenagenturen, PublicAffairs Institute) empfangen, "günstig disponiert" werden soll.

Die imperiale Propagandamaschine droht nämlich den Informationskrieg umdas Gaza - Pogrom eindeutig zu verlieren. Trotz zusätzlicher in Gefechtgeworfener Rekrutenverbände gehen die Imperialtrolle in Foren und Kommentarfeldern sang- und klanglos unter, weil es dummerweise nichtmehr rückgängig zu machen ist, dass das Wort "Gaza" mit hundert- undtausendfachem Kindermord assoziiert wird.Da hilft nur ein "Reset", ein "Reboot tut immer gut", der Fokus der"öffentlichen Meinung" muss auf was ganz anderes "fokussiert" werden.

Wie wärs denn mit einer "antifaschistischen" Einheitsfront von ganzlinks bis ganz rechts gegen die Piusbruderschaft, und vorneweg der heuchlerische "Zentralrat der Juden" (gibt fälschlicherweise vor, für alle Juden zu sprechen, ist in Wahrheit meines Erachtens eine zionistische Propagandaagentur des massenmörderischen Militärindustriellen Komplexes) ?
Mit Merkel gemeinsam gegen den Papst, mit der israelischen Armeegemeinsam gegen die Radikalkatholen, die ohnehin keiner mag... Na dasist doch eine "clevere" Lösung des Problems, was?

Schlau gemacht, was?

Aber nicht schlau genug, meine Herren.
Es fällt selbst Leuten auf, die sich sonst gern ins Hirn scheissen lassen.
Wenn Sie sich für dasThema Piusbrüderschaft wirklich interessieren, dann haben sie hier denLink zur "hochspannenden" Webseite dieser Vereinigung.
Obwohl ich auch kein Muslim bin, finde ich folgende Betrachtung derAngelegenheit "Knobloch-Merkel-Papst-Pius" ganz treffend und lesenswert (der Artikel gibt allerdings nicht meine persönliche Auffassung zu religiösen Fragestellungen wieder).
Und das Illustrationsbild soll daran erinnern, worum es eigentlich geht und was vertuscht werden soll.

Lassen wir es nicht zu.

Letzte Aktualisierung ( 05.02.2009 )


Der Papst-Skandal:

Nein, der Skandal ist nicht alleine nur die Holocaust-Leugnung des Herrn Williams, einer der Bischöfe des Lefebvre; - der Skandal ist auch, dass sich auf der Website der Bruderschaft ein Dokument befindet, welches offen zugänglich ist, und das zweite vatikanische Konzil ungeniert und unverblümt als "das größte Unglück des vergangenen Jahrhunderts" bezeichnet.

Dieses Doku kann hier (PDF) heruntergeladen werden:

http://www.fsspx.info/lehre/schriften/zeitbomben.pdf

Der Titel der Schrift verrät auch schon, wes Geistes Kind sie ist: Das zweite vatikanische Konzil enthalte Zeitbomben...

Mindestens dies müßte - bei ein wenig Recherche - dem Papst und seinen zuständigen Mitarbeitern bekannt gewesen sein. Zu Ende gedacht bedeutet dies, dass sich alle Beteiligten wohl in der Ablehnung des Inhaltes dieses Konzils irgendwie einig sein müssen. Wie sonst sollte es sonst eine Gemeinsamkeit der Glaubensgrundlagen geben können?

Es gibt noch einige aufschlussreiche Schriftwerke auf der Website.

Man kann nun zur Entscheidung des Papstes stehen wie man will - zweifehaft ist diese auf jeden Fall. Die Traditionalisten werden ihre Freude daran haben, während die anderen sich mit Grausen abwenden. Entscheidend ist aber, dass das zweite vatikanische Konzil abgelehnt wird - und, dass der Papst dabei anscheinend mitmacht - wenn nicht offen, so doch durch einzelne seiner Handlungen.

Es bleibt letztendlich den Katholiken überlassen, sich damit auseinandersetzen, was in ihrer Kirche abgeht. Es ist auf jeden Fall unerträglich, dass eine derartige "Zack-Zack-Truppe" rückwärtsgewandter Art, die alles leugnet was ihnen nicht in ihren altmodischen Lehrkram passt, eine derartige Aufwertung erfährt. Das sagt viel über den Papst aus, ob er es so will oder nicht.