Sonntag, 21. Dezember 2008

Thomanerchor Leipzig --- gequälte Engel aus Tradition?

SPIEGEL ONLINE

15. Dezember 2008, 00:00 Uhr

INSTITUTIONEN

Engel im Kasten

Von Peter Wensierski

In Leipzig rühren Eltern an ein Tabu: Sie kritisieren die Erziehung ihrer Kinder im weltbekannten Thomanerchor als Kasernierung rund um die Uhr.

Mitten in der Leipziger Altstadt drängeln sich die Besucher des Weihnachtsmarkts vor dem Portal der Thomaskirche. Touristen aus aller Welt sind darunter, und sie alle wollen einen guten Platz beim Konzert des Thomanerchors, der Leipziger Touristenattraktion Nummer eins. "Einmal die Engelstimmen hören", schwärmt eine der Wartenden, "und das in der Kirche von Johann Sebastian Bach!"

Der Chor, 1212 unter Otto IV. gegründet, ist der Stolz der Stadt. Vor zwei- bis dreitausend Besuchern singen die 91 Jungen im Alter zwischen 9 und 18 Jahren hier jede Woche in frommer Kulisse. Der Chor ist kein klassischer Kirchenchor. Träger ist die Stadt Leipzig, die Knaben mit ihren zarten Stimmen sind ein wichtiger Werbe- und Wirtschaftsfaktor. Ihre Tourneen führen nach Japan und Amerika.

Das ist die glänzende Seite, doch in die Öffentlichkeit gelangte bislang wenig von dem, was geschieht, wenn die blau uniformierten Kinder nach ihren Auftritten wieder verschwinden: im "Kasten", wie sie selbst ihr Internat nennen. Was sich in dem Bau von anno 1881 dann ohne Zuschauer abspielt, beschreibt eine Initiative von Eltern ehemaliger Thomaner in einem Brief an die Chorleitung als "ein Korsett von Ordnung, Disziplin, Anpassung, Verzicht, Leistung und Unterordnung", bei dem etliche Engelsgesichter auf der Strecke blieben. 17 Betroffene fordern mit ihrer Unterschrift eine "komplette Neufassung der Erziehungsphilosophie".

Wolfgang Jäger, dessen Sohn den "Kasten" erlebte, hat die Kritik seit mehr als drei Jahren intern vorgebracht, mit Briefen oder Petitionen - ohne wesentliche Resonanz. Nun bricht er mit einem Tabu und sucht die Öffentlichkeit: "Manche Kinder verlassen den Chor nach neun Jahren mit dem erleichterten Aufschrei, dass sie froh seien, endlich dieses Gefängnis verlassen zu können."

Im Zentrum der Kritik steht das eigenwillige Erziehungssystem, bei dem die jüngeren Kinder von älteren betreut werden. Kaum eine Handvoll Erzieher ist im Internat beschäftigt. "Mehrere Jahre lang", behauptet Johannes Toaspern, ein Leipziger Pfarrer, dessen Sohn das Internat besucht hat, "sind die 9- bis 14-Jährigen den oft willkürlichen Strafen der Älteren ausgesetzt - und damit einem enormen psychischen Druck." Eltern beklagten, dass sensible Jungs an dieser Praxis zerbrechen. "Nicht Strafe, Angst und Einschüchterung, sondern Lob, Motivation und Förderung" müsse deshalb zukünftig Grundgedanke der Thomaner-Erziehung sein.

Zuständig für Knaben und Internat ist der Leipziger Kulturbürgermeister Georg Girardet, 66. Seit 17 Jahren obliegt ihm diese Aufgabe. Jägers Kritik an den Zuständen im "Kasten" wehrt er kategorisch als "extrem polemisch und unsachlich" ab. Ende Oktober schrieb er Pfarrer Toaspern einen Brief, in dem er jeden zukünftigen Dialog verweigerte: "Eine weitere Kommunikation und Korrespondenz mit Ihrer Initiative ist unsererseits jetzt nicht mehr beabsichtigt."

Doch derlei Ignoranz des Verantwortlichen und das Ausbleiben versprochener neuer Erzieher ruft auch andere Kritiker auf den Plan. Jüngst hat sich eine zweite Elterninitiative zu Wort gemeldet, von gut einem Dutzend derzeit im "Kasten" lebenden jüngeren Thomanern: "Wir unterlagen nie dem Irrglauben, unsere Kinder in ein zweites Elternhaus zu geben", schreibt sie. In Bezug auf Erziehung, Fürsorge oder emotionale Zuwendung habe man allerdings "ein bestimmtes Maß erwartet, das zumindest über eine Kindergartenbetreuung hinausgeht".

Der viergeschossige Bau hat ohne Zweifel etwas von einer Kaserne: Flure und Gänge sind weitgehend kahl, bis zu elf Betten stehen in den sonst leeren Schlafräumen. Die Erzieher nutzen Lautsprecher zu Durchsagen an die Kinder, fast jedes Tun wird irgendwie kontrolliert oder überwacht. Ein "Duschwart" etwa treibt zur zügigen Säuberung an, ein "Wochenpräfekt" patrouilliert abends in den Gängen der Schlafetagen. Es gibt Schuhschrankwarte, Fahrradwarte, Flurwarte, den "Klingelultimus", drei ständige "Präfekte" sowie den "Domesticus". Übernommen werden diese Kontrolljobs von den Internatszöglingen selbst, meist von den älteren - woraus ein hierarchisches Machtsystem entsteht.

"Wir haben am Rande des Wahnsinns gearbeitet"

Mittag- und Abendessen müssen in 15 Minuten eingenommen werden, Störer werden zur Strafe draußen vor die Tür geschickt. Geweckt wird um 6.30 Uhr, der Tag ist vollgestopft mit dem Schulunterricht, der im gegenüberliegenden Thomas-Gymnasium absolviert wird, mit Proben, Übungen, Auftritten und der "strengen Arbeitszeit" für die Hausaufgaben, wie es in der Hausordnung heißt. Der persönliche Raum ist minimal: gut ein Meter Schreibtisch nebst Schrank. Fünf bis sechs Kinder und Jugendliche teilen so ein 20-Quadratmeter-Zimmer. Die Hausordnung muss beim "coetus" (zu deutsch: Versammlung) unterschrieben werden. Die Fassung, auf der die Betriebserlaubnis beruht, hat 22 engbeschriebene Seiten mit Vorschriften zum "Tagesablauf", zum "Orts- und situationsabhängigen Verhalten", zur "Persönlichen Ordnung", zum "Zeitabhängigen Verhalten", zu den "Diensten" und den "Bestrafungen".

Dass sich Kinder einem solchen Regime fügen, lässt sich am ehesten mit ihrer Leidenschaft für den Gesang erklären. "Man gewöhnt sich daran", sagt ein Zwölfjähriger und senkt den Blick: "Wenn ich singe, vergesse ich das aber alles." Andere hingegen erinnern sich noch Jahre nach ihrer Zeit im "Kasten" an die bitteren Lektionen, die sie von den älteren Mitschülern erteilt bekamen. So wurde ein Zehnjähriger von seinen Kameraden in einen Koffer gesperrt. Ein anderer Jungthomaner musste auf dem Fenstersims im ersten Stock so lange still stehen, bis die älteren das Stubenfenster wieder öffneten. "Gerade in solchen Situationen", erinnert sich Mark, ein Ex-Thomaner, "wo man rausging, um in einer stillen Ecke zu heulen, fehlten oft die erwachsenen Erzieher."

Weiter lesen?:


https://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,596530,00.html


Thomanerchor Leipzig

Montag, 15. Dezember 2008

Früher waren es angeblich die Frauen --- heute sind es die Kinder der Armen:

Kinder aus reichen und armen Familien haben unterschiedliche Gehirne

Nach einer EEG-Studie verarbeitet der präfrontale Kortex von Kindern aus der Unterschicht neue Reize langsamer.

Die Schere zwischen den Armen und Reichen geht zwischen Ländern, aber auch innerhalb von Gesellschaften auf. Reiche und Arme unterscheiden sich nicht nur im Lebensstil und dem, was sie sich leisten können. Auch auf Gesundheit und Lebenserwartung wirkt sich selbst in reichen Ländern das Vorhandensein von Wohlstand oder dessen Mangel aus. Und jetzt wollen Wissenschaftler herausgefunden haben, dass auch die Gehirne von Armen und Reichen durchaus verschieden sein sollen.

Wer weiterlesen will, hier klicken: http://www.heise.de/tp/blogs/3/120374



Die Wissenschaft ist doch immer wieder gut dafür, die Herrschenden in ihren gerade gängigen Denkmustern und Vorurteilen zu unterstützen.


Das ist der Mann der FDP in Berlin-Mitte, mit der Rattenfänger-Idee für Erwerbslose:

Vogelfrei auf Rattenjagd


http://kritik-und-kunst.blog.de/2008/12/15/rattenjagd-5228556

Rattenjagd

Elektronische Fussfesseln für Langzeitarbeitslose, Camps für die körperliche Zwangsertüchtigung, um der Spargelernte gewachsen zu sein, jetzt also Rattenjagd...es ist ja nicht so, dass die Politiker, die sich derart profilieren, nicht wüssten, dass so etwas derzeit zumindest sowieso keinen Bestand vorm BVG hätte. Es geht um etwas anderes: Darum, Erwerbslose für vogelfrei zu erklären, sie vorzuführen, sie zu demütigen. Erwerbslose sollen mit Hilfe solcher verbalen Gewalt nicht nur materiell - das sind sie längst - sondern auch symbolisch aus der Gesellschaft verbannt werden.

Schlimm ist dabei nicht einmal diese dahergelaufene, geistig insolvente FDP-Type. Schlimm ist, dass Einige ihm johlend und feixend zustimmen werden.


Vogelfrei? - und gefesselt, in jeglicher Freiheit eingeschränkt, wie Knastis auf Bewährung, das sind Erwerbslose ab nächstem Jahr auch. Es geht schon mehr, als je für möglich gehalten worden wäre. Die Bürger Deutschlands wurden schleichend, auch mit Hilfe der Medien, präpariert. Wollen wir hoffen, dass die Menschen aufwachen, rechtzeitig, und zu einem hellwachen, achtsamen Zustand.



Nächstes Jahr: Feiern mit der CDU

http://www.duckhome.de/tb/archives/4559-Rote-Socken,-liederlich-gestopft.html


Dienstag, 16. Dezember 2008

Rote Socken, liederlich gestopft


Mit freundlicher Genehmigung von Ralph Hartmann

Damals: Rote Socken-Kampagne 1994 von Hintze


Autor Ralph Hartmann

Das »Gedenkjahr 2009«, in dem der »friedlichen Revolution« in der DDR gedacht werden soll (s. Ossietzky 12/2008), rückt näher – die Wahlen zum Bundestag ebenso. Die CDU bereitet sich emsig darauf vor und hat die prächtige Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Beide Ereignisse fest im Blick will sie mit der »Verklärung der DDR« aufräumen und die »Aufklärung über das SED-Unrechtsregime« vorantreiben. Dazu verabschiedete die christlich-demokratische Unionsführung einen Antrag mit dem flotten Titel »Geteilt. Vereint. Gemeinsam. Perspektiven für den Osten Deutschlands«. Anfang Dezember soll der Text, der zugleich als eine der Grundlagen für die bevorstehenden Wahlschlachten vor allem gegen Die Linke dienen soll, in Stuttgart auf dem Parteitag beschlossen werden. Das Thema ist brisant, denn die Gefahr ist groß, und »leider stellen wir«, wie Generalsekretär Ronald Pofalla nach der Verabschiedung des Antrages alarmierte, »heute fest, daß eine Verklärung, ja teilweise sogar eine Geschichtsfälschung mit Blick auf das SED-Unrechtsregime stattfindet«. Das »Vergessen, Verdrängen und Beschwichtigen« dürfe keine Schule machen.



Wie ernst die Lage ist, hat Arnold Vaatz, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in einem Interview für das Berliner Inforadio, zwar untermalt mit zahllosen Stoiberschen »äh«, aber doch unmißverständlich, kundgetan: »Die DDR-Nostalgie schönt in zunehmenden Maße das Bild der DDR und verklärt die Geschichte ... Wir sehen einfach, daß mittlerweile in bezug auf die DDR die Wahrheit verdreht wird, daß sich die Balken biegen.« Deshalb diene die Kampagne »der Richtigstellung des gegnerischen Geschichtsbildes, das aus den Fugen zu geraten droht ... Wer die Wahrheit vergewaltigt, der verdient immer richtiggestellt zu werden.«

Die Richtigstellung ist im höchsten Maße beeindruckend, denn sie erinnert in nahezu unnachahmlicher Weise an die Geschichte selbst, und zwar an die der schwärzesten Zeiten des Kalten Krieges und der späteren berühmten »Rote Socken«-Kampagne. Was CDU-Pastor Hintze damals hastig gestrickt hat, wird jetzt, liederlich gestopft und nach Fußschweiß riechend, wieder auf die Leine gehängt. Die geschichtliche Wahrheit sieht dann im CDU-Papier beispielsweise so aus: »Die DDR wurde unter Führung des SED-Regimes auf Befehl Stalins gegründet und war eine Folge des sowjetischen Sieges im Zweiten Weltkrieg. Walter Ulbricht und seine Parteigenossen unterdrückten rücksichtslos am 17. Juni 1953 mit Hilfe sowjetischer Panzer den Freiheitswillen der Ostdeutschen und ihren Wunsch nach einem wiedervereinten Deutschland. Am 13. August 1961 zementierte der Mauerbau die Teilung Berlins und Deutschlands auf lange Zeit.«

Eine wahrlich tiefschürfende historische Analyse. Als offenbar nebensächlich werden Blockkonfrontation und Kalter Krieg mit keinem Wort erwähnt, desgleichen die Tatsache, daß Westdeutschland bei der Spaltung Deutschlands stets voranging: 1947 und 1948 wurden die westlichen Besatzungszonen zur Bi- und später zur Tri-Zone zusammengeschlossen. Am 20. Juni 1948 wurde die einheitliche Währung aufgespalten und in Westdeutschland und in Westberlin statt der bis dahin gültigen Reichsmark eine separate Währung eingeführt, die die bestehenden Wirtschaftsbeziehungen sprengte. Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland erfolgte am 7. September 1949, die der DDR am 7. Oktober des selben Jahres. Am 9. Mai 1955 trat die BRD der NATO bei, fünf Tage danach, am 14. Mai, wurde die DDR Gründungsmitglied des Warschauer Vertrages.

Um so wortreicher ist die Schilderung von Gewalt, Unrecht und wirtschaftlichem Niedergang, den das SED-Regime über Jahrzehnte verschleiert habe. Als Kronzeuge wird der ehemalige Vorsitzende der DDR-Plankommission, Gerhard Schürer, aufgerufen – er wird im kommenden Jahr noch häufig zitiert werden –, der im Oktober 1989 eine »dramatische Verschuldung« im »kapitalistischen Ausland« festgestellt habe. Tatsächlich, die Verschuldung war beträchtlich, sie hing wie ein Bleigewicht am Hals der DDR-Wirtschaft. Laut Angaben der Bundesbank betrug sie zwölf Milliarden Dollar, also nach heutigem Kurs rund 8,5 Milliarden Euro. Eine gewaltige Summe, aber ein Blick auf die Berliner Schuldenuhr zeigt, daß dieser Betrag gerade einmal ein halbes Prozent der heutigen Staatsverschuldung der Bundesrepublik darstellt.

Um die »Mißwirtschaft des SED-Regimes« zu belegen, mangelt es der Union nicht an lebhafter Phantasie. Einfallsreich behauptet sie zum Beispiel, daß »es in der DDR bereits im letzten Jahr ihres Bestehens eine verdeckte Arbeitslosigkeit von 1,4 Millionen Menschen« gegeben habe, was »einer Arbeitslosenquote von ca. 16 Prozent« entspreche. Ja, wo die Verfasser des Kampagne-Papiers Recht haben, haben sie Recht. Die Arbeitslosigkeit hatte ein so schauriges Ausmaß, daß gerade in den 1980er Jahren in der DDR händeringend nach Arbeitskräften gesucht, nahezu an jedem Werktor um »Arbeitskräfte aus der nichtberufstätigen Bevölkerung« gefleht und mit befreundeten Staaten, darunter Polen, Ungarn, ­Vietnam und Kuba, die Entsendung von Arbeitskräften vereinbart wurde.

Da sich die CDU offenbar bewußt ist, daß der angeführte und anderer Unsinn nur schwer denen zu vermitteln ist, die die DDR erlebt haben, gilt ihre Aufmerksamkeit besonders den nachwachsenden Generationen. Kategorisch fordert sie: »Die Geschichte der deutschen Teilung und der SED-Diktatur müssen zentraler Inhalt des Schulunterrichts in ganz Deutschland werden.« Deshalb fordert die Union das SED-Unrecht und die friedliche Revolution als verbindliche Unterrichtsinhalte in die Rahmenpläne des Fachs Geschichte der Sekundarstufen I und II aufzunehmen, den Schülern Fahrtkostenzuschläge zu gewähren, damit sie sich an authentischen Plätzen, »in den Stasi-Gefängnissen, an Grenzübergängen und in Gedenkstätten«, ein eigenes Bild von den Zuständen in der DDR verschaffen können. Um die bedauerlichen Wissenslücken über das Elend in der DDR auch mit den Waffen der Wissenschaft zu schließen, schlagen die CDU-Granden vor, einen Lehrstuhl zur Erforschung und wissenschaftlichen Aufarbeitung des »SED-Unrechtsregimes« an einer Berliner Universität einzurichten.

Heute: Die Hessenwelle (2008) schwappt in den Bund


Andere Lücken werden dafür gern hingenommen. Die Angaben über die erfolgreiche Entwicklung in Ostdeutschland nach dem Sieg der Revolution und dem Umbau der DDR zu den neuen Bundesländern sind spärlich. Zwar wird eingestanden, daß eine selbsttragende Wirtschaftsentwicklung noch nicht erreicht wurde, was aber nicht sonderlich verwundern kann, denn »auch im zweiten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung leidet die wirtschaftliche Entwicklung an den Folgen der sozialistischen Mißwirtschaft und der deutschen Teilung«. Um so höher ist zu bewerten, daß »beim Aufbau der neuen Länder Großartiges geleistet« wurde. Das Geleistete ist so grandios, daß die CDU auf kleine Mängel wie Deindustrialisierung, Überschuldung von Ländern und Gemeinden, Vergreisung und Verödung ganzer Landstriche, Abwanderung von 1,5 Millionen Menschen auf der Suche nach Arbeit, Massenarbeitslosigkeit, Diskriminierung der Ostdeutschen bei Tariflöhnen und Rente, Kinder- und Altersarmut gar nicht erst eingehen muß. Wenn es darum geht, im Gedenk- und Wahljahr der »Verklärung der DDR« den Kampf anzusagen und die »Aufklärung über das DDR-Unrechtsregime« zu verstärken, dann sollen solche Belanglosigkeiten die Erfolgsbilanz der zurückliegenden zwei Jahrzehnte nicht trüben.

Allerdings weist das CDU-Grundsatzpapier doch einen gravierenden Mangel auf: Es nennt die DDR noch immer DDR, statt sie wie einst in Anführungszeichen zu setzen oder sie schlicht und einfach wieder Ostzone oder »Zoffjett-Zone« (Adenauer) zu nennen. Aber keine Bange, wenn die Aufklärung erfolgreich voranschreitet, dann wird auch diese kleine, aber notwendige Änderung vorgenommen werden.


Autor: Ralph Hartmann
Erschienen in Ossietzky's Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft. Unter Mitarbeit von Daniela Dahn, Dietrich Kittner und Peter Turrini herausgegeben von Rolf Gössner, Ulla Jelpke, Arno Klönne, Otto Köhler und Eckart Spoo
Ausgabe 21/2008 Geschrieben von
He-Ka-Te
in Deutschland


Vom kalten Krieg scheint Frau Merkel samt ihrem politischen Anhang wenig Ahnung zu haben. Vermutlich haben sie sich früher, als es aktuell war, nicht damit befasst. Manche waren wohl zu jung, oder noch Kinder. Trotzdem hätte dies inzwischen nachgeholt werden müssen. Leider handeln die heutigen Politiker genauso, wie es damals der ehemaligen DDR vorgeworfen wurde: Sie halten sich und ihre Politik für das Optimale, für das Überlegene - und genauso wie damals soll das den Menschen eingebleut werden.

Montag, 8. Dezember 2008

Die Welt und wir...



Frau Bundeskanzlerin Merkel rudert zurück in Bezug auf den Klimaschutz. Die Erderwärmung macht Pause, und Frau Merkel hat keine Lust mehr, das Klima exzessiv zu schützen. Vor noch gar nicht so langer Zeit hörte sich das alles anders an. Da wurde behauptet, es würde keinen Schnee, keine Kälte mehr bei uns geben.

Aber, abgesehen davon: Umweltschutz wäre nach wie vor wichtig, damit wir nicht vollends alles ruinieren, was noch halbwegs intakt ist. Leider hat Frau Merkel dazu keinen Draht, wie es scheint. Alles was Geld bringt, den Reichtum jener mehrt, die sie ja so heftig alimentiert zur Zeit - die armen Reichen - ist angesagter.

In fast allen Ländern und Staaten dieser Erde mehrt sich die Armut, nimmt das Elend zu. Frau Merkel geht das nichts an, auch nicht die Armut im eigenen Land. Sie treten uns entgegen mit ihren geheuchelten Fassaden der Höflichkeit - die Mächtigen dieser Welt in Politik und Wirtschaft. Ihr Gruss ist das Ausstrecken der Hände, die nur gierig sind. Sie werben nur um unsere Gunst zu ihrem Vorteil, und in ihren Augen funkelt der Geltungsdrang.

Stärke predigen sie, Sozialdarwinismus vom Feinsten wird umgesetzt - denn in ihren Verführungskünsten dem Wähler, dem politischen Führer anderer Länder gegenüber - verbirgt sich weder ein selbstloses Angebot noch sonst eine Art von echter Hilfe. Politiker und ander Mächtige schaffen nur eines in der Welt: Bittere Abhängigkeiten, in denen die Menschen dieser Erde bitteren Zoll dafür bezahlen.

Gesetze, Verbote, in die Schranken gewiesen - überwacht und kontrolliert, wo es nur immer geht, das ist es, was den Menschen tatsächlich übergebraten wird. Im Zweifelsfall ist Folter wieder salonfähig, keine Gnade, Menschenrechte stehen auf dem Papier, und da stehen sie gut...

Im Fordern sind sie alle gut, die Herrschenden dieser Welt: Leistung und Opfer soll der Bürger bringen, den Gürtel enger schnallen, während sie alle selber habgierig sind und sich nicht zu Tode schuften.

Auch die Arroganz unserer Politiker stellt das Lebensrecht vieler anderer in Frage, das kann noch so toll verbrämt werden mit irgendwelchen Begründungen, das ändert nichts daran. Was mit den Arbeitslosen veranstaltet wird, ist Demütigung, Unterdrückung, Ausbeutung, Verarmung in voller Absicht, zu Gunsten der Unternehmer und Arbeitgeber.

Krieg ist ja als politisches Mittel auch wieder angesagter denn je. Damit sichert die Politik notfalls ihre Existenz. Eigentlich wäre die Welt ja immer noch schön gross, aber Politiker gibt es überall - und mit ihnen tritt die Macht über andere in Erscheinung, die Gier, die Jagd auf Rohstoffe, auf Geld. Damit einher geht die Missachtung der Würde anderer Menschen, trotz ihrer Sonntagsreden, in denen sie behaupten, die Menschenrechte zu achten und zu fördern.

Wir begehren auf, bei vielen Berichten die wir lesen - manchmal geht der Sturm in uns vorüber, geht unter in unserem schwieriger gewordenen Alltag, aber das niederdrückende Gefühl bleibt oft noch lange erhalten. Es ist das Gefühl der Angst dabei, nicht Kraft genug zu haben, nicht stark genug sein zu können. Wenn wir diesem Gefühl zu viel Raum schenken, ihm gar nachgeben, dann macht es uns fertig.

Dieses Jahr ist es ein Advent mit wenig froher Erwartung. Die kleinen Erleichterungen, die weniger üppigen Freuden zählen wieder mehr. Und doch geht eine Hoffnung nach der anderen dahin - sei es jene auf Frieden, auf einen Verdienst mit dem man leben kann. Die Hilfsorganisationen vermelden, dass die Spenden weniger werden, und dass manchmal nichts mehr zu verteilen gibt.

Die Weite der Welt wird uns auch bewußt, wenn wir von den Krisenherden erfahren. In vielen Gebieten mischt unsere Regierung ja auch mit, weiss wo hat sie ihre Finger mit im Spiel - die Soldaten eingesetzt. Immer mehr werden die Bürger entfremdet, sich selber, ihren ehrlichen Gefühlen und Empfindungen.

Immer mehr empfinden viele Menschen auch das Verhalten der Kirchen als Farce. Das fromme Gerede von der Geborgenheit in Gott will nicht mehr zünden, weil es nicht mehr erlebt werden kann. Alles muss der Mensch inzwischen bei sich selber finden: Mut, Aufrichtigkeit, Nächstenliebe, Kraft und Stärke.

Die Herrscher der Welt begegnen uns mit ihren kalten Augen und gierigen Händen, mit ihren Blicken, die an allem Wesentlichen vorbeigleiten und keine Realitäten erfassen, die mit den Menschen zu tun haben.

Deshalb - was gehen sie uns noch an, diese Politiker? - Das würden wir gerne so sagen. Und doch, wir müssen es einsehen, dass wir uns nicht einfach wegducken können, davonstehlen. Denn irgendwann erwischt es jeden durch ihre Politik. Sie mögen diese Politik nicht mehr für den Bürger machen, aber sie meinen ihn damit.

Adventszeit - Zeit der Erwartung. Wenn wir schon nichts Rechtes von den Politikern dieser Welt zu erwarten haben, sollten wir wenigstens uns selber nicht aufgeben: Erwarten wir von uns selber alles: Mut - Engagement - Aufrichtigkeit - Nächstenliebe, möglichst über Advent und Weihnachten hinaus - Kraft, Stärke und Wahrhaftigkeit.