Donnerstag, 13. August 2009

Selbstbeweihräucherung und Wählerverarsche


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CDU-Wahlkampf Slogan: „Wir haben die Kraft“

Verantwortlich: Wolfgang Lieb | Druckversion | Beitrag versenden | <>

Wer selbst Wahlkämpfe mitgestaltet hat, weiß, dass die Auswahl eines Wahlkampf-Slogans mit zu den wichtigsten Entscheidungen der Wahlstrategen gehört. Darüber wird lange nachgedacht und die Entscheidung wird auf höchster Ebene getroffen. Es lohnt sich also einige Gedanken darüber zu verlieren, was sich die Erfinder des Slogans „Wir haben die Kraft“ dabei gedacht haben, welche Botschaft sie damit verbinden wollen, welche Assoziationen damit beim Empfänger der Botschaft ausgelöst werden sollen? Wolfgang Lieb

CDU - Wir haben die Kraft

Das „Wir“ in dem Slogan ist nicht etwa mit den Parteifarben der CDU unterlegt, sondern mit den Farben der Nationalflagge schwarz-rot-gold. Die Erfinder wollen damit sicherlich versuchen, das „Wir“ (der CDU) zugleich mit der gesamten „Nation“ zu assoziieren. Man vereinnahmt sozusagen die ganze Nation für sich. „Wir“ (die CDU) sind Deutschland!

Mit der bewussten Ambivalenz zwischen „Wir“ (die CDU) und dem „Wir“-Gefühl des Volkes versucht sich die Partei offenbar mit der Bevölkerung gemein zu machen. „Wir“ sind eine Gemeinschaft, in der es keine (anderen) Parteien mehr, keine Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen Arbeiter und Unternehmer oder zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen mehr gibt.

Es ist das uralte Motiv der „Volksgemeinschaft“ mit dem die Herrschenden seit eh und je die Identität zwischen sich und den Beherrschten herzustellen versuchten. Schon Kaiser Wilhelm II. hat mit seinem Ausruf „Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche“ das Volk in den Ersten Weltkrieg gelockt.

Kaiser Wilhelm

Quelle: www.dhm.de

Und auch die NS-Propaganda hat mit der „Volksgemeinschaft“ also der Gefühlsgemeinschaft eines Volkes, das keine Klassen- und Standesgegensätze mehr kennt und die NSDAP und das Volk in eins setzte, um damit dem Volk Geborgenheit, Gerechtigkeit und nationale Erneuerung einzureden.

Ganz im Gegensatz zu dieser Kumpanei zwischen Partei und Volk bezieht die CDU in ihrem Regierungsprogramm jedoch alles, was sie für erfolgreich erklärt, ausschließlich auf sich: Wir, Wir, Wir wird auf 60 Seiten Selbstbeweihräucherung betrieben: „Wir haben die Kraft“.

Warum heißt es nicht, wir haben die besseren Ideen, wir haben die besseren Konzepte, wir haben die bessere Kanzlerin oder wir haben das bessere Personal?
Warum heißt es: Wir haben die „Kraft“?

Laut Herkunfts-Wörterbuch bezeichnet Kraft im Deutschen (im nicht physikalischen Verständnis) einmal „eine körperliche oder geistige Voraussetzung zu bestimmten Handlungen“ und zum anderen die Ausübung einer Handlung („eine Kraft ausüben“, in „Kraft“ setzen).

Die CDU will also suggerieren, dass diese Partei die „Kraft“ hat zu regieren und zugleich die „Kraft“ hat, etwas durchzusetzen. „Kraft“ soll vom Empfänger der Botschaft wohl mit einer positiven Vorstellung verbunden werden. „Kraft“ steht für Durchsetzungsvermögen gegenüber anderen, im Leben, in der Wirtschaft, gegen alle Widerstände im Inneren wie im Äußeren. Es wird also einem „Kraft“-Kult gehuldigt, von dem man meint, dass er bei den Menschen auf Sympathie trifft.

In der Tat finden wir in unserer Gesellschaft viele Motive mit denen „Kraft“ konnotiert wird, von der „Manneskraft“ über „Frauenpower“ bis hin zu den „Krafträumen“ in den Fitnessstudios oder der „Motorkraft“ eines Autos. Das Stärkere siegt über das Schwächere, „Kraft“ ist Voraussetzung, um im Wettkampf zu siegen.

In der griechischen Mythologie wird „Kraft“ dem Gott Mars zugeordnet, der später im antiken Rom als Gott des Krieges galt. In Nietzsches Übermenschen gilt „Kraft“ als Willen zur Macht („Alle treibende Kraft ist der Wille zur Macht“, Nachgelassene Fragmente, 1888).

„Kraft“ übt eine Faszination auf Menschen aus, die positiv wirkt, wenn man sich mit der „Kraft“ bzw. der Macht identifiziert, die aber negativ empfunden wird, wenn „Kraft“ gegenüber einem selbst eingesetzt wird.

„Kraft“ kann also ambivalente Gefühle auslösen, je nachdem, ob man sich auf der Seite der „Kraft“ stehend fühlt oder ob man ihr ausgesetzt ist.

„Kraft“ muss immer ein Objekt finden, an dem sie sich zeigt oder auslässt. Die Grundfrage ist also, worauf richtet sich die „Kraft“ der CDU oder worauf ist sie ausgerichtet?

„Kraft“ steht für eine starke Regierung, die sich auch gegen ihre Bürger durchsetzen kann. „Kraft“ seht für Sicherheit, die sie gegen diejenigen garantiert, die diese vermeintlich oder tatsächlich gefährden. „Kraft“ steht für politische und militärische Durchsetzungsfähigkeit nach innen und nach außen. Oder: „Kraft“ steht für eine Volkswirtschaft, die andere Volkswirtschaften im Wettbewerb besiegen kann.

„Kraft“ soll all jenen Angst einflößen, die schwächer sind oder die sich ihr gar widersetzen wollen. „Kraft“ steht jedenfalls nicht für Partizipation oder demokratische Teilhabe.

Es gibt allerdings auch die „Kraftmeierei“, damit beschreibt man abwertend jemand, der mit Kraft protzt, die er gar nicht hat.
In diesem Sinne dürfte der CDU-Slogan zwar nicht gemeint sein, doch wenn man sich das Regierungsprogramm ansieht, dann protzt die Union mit Erfolgen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

Es ist ein alter Propaganda-Trick aus der eigenen Schwäche eine Stärke zu machen. Die CDU will und muss wohl vor „Kraft“ strotzen, um das Scheitern ihrer Politik, das in der Krise offen zu Tage liegt, zu überdecken.


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Wir sind Deutschland - Zum Regierungsprogramm von CDU/CSU

Verantwortlich: Wolfgang Lieb | Druckversion | Beitrag versenden | <>

Die Union malt eine Welt, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Die Krise wäre nie gekommen, wenn man nur auf CDU und CSU gehört hätte. Alles was unter der Führung der Kanzlerin getan wurde, war erfolgreich. Für alles was schlecht läuft, sind die anderen schuld. Mehr an Schönfärberei und Selbstbeweihräucherung geht kaum. Das Programm bietet jeder Wählergruppe ein Zückerchen. Die Union setzt im Wahlkampf auf plumpen Klientelpopulismus. Hinter hohlem Pathos steht ein schlichtes Weiter-so. Wolfgang Lieb

Wenn man das Regierungsprogramm der Union durchliest, dann muss man den Eindruck gewinnen, die Christdemokraten lebten in einer anderen Welt. Da wird über die größte Wirtschaftskrise geredet, als hätten wir schon längst hinter uns und als stünde der Aufschwung schon vor der Tür. „Alles in allem steht unser Land heute – 2009 – besser für die Zukunft gerüstet da als 2005.“

Und das natürlich alles dank der Union.
Es wird so getan, als wäre die letzte Legislaturperiode unter Kanzlerin Merkel eine reine Erfolgsgeschichte, die nur noch durch eine Wiederwahl getoppt werden könnte.
Man könnte meinen, als habe es vier Jahre eine Alleinregierung von CDU/CSU gegeben. Die Union rechnet sich alles zu, was sie für erfolgreich erklärt. Da ist dann der Koalitionspartner SPD für alles verantwortlich, was nicht so erfreulich ist.

Mit einem „Wir“ auf schwarz-rot-goldenen Grund begnügt man sich nicht mehr mit den Parteifarben, sondern vereinnahmt gleich die ganze Nation für sich.
Wir sind Deutschland!

Wir haben gezeigt, dass wir die Finanzen sanieren können.
Für die höchste Neuverschuldung in der Geschichte ist Finanzminister Steinbrück verantwortlich.

Wir haben gezeigt, dass wir die Zahl der Arbeitslosen reduzieren können.
Für den Anstieg der Arbeitslosigkeit auf (real) viereinhalb Millionen Menschen ohne Beschäftigung ist Arbeitsminister Scholz verantwortlich.

Wir haben gezeigt, dass wir Bildung und Forschung voranbringen können.
Mit dem Rückgang der Bildungsausgaben in der letzten Legislaturperiode haben die Union und ihre 12 Ministerpräsidenten nichts zu tun.

Wir haben die Kraft. Wir, Wir, Wir, so geht es auf über 60 Seiten Selbstbeweihräucherung weiter.

  • Nur das entschlossene Handeln der von… (der Union) geführten Bundesregierung hat im Herbst 2008 das Schlimmste verhindert.
    Die schlimme Lage wird einfach ausgeblendet. (Und sie kann sogar ausgeblendet werden, weil der Medienmainstream mitspielt. Man stelle sich nur einmal für einen kurzen Augenblick vor, welche Stimmung gemacht würde, wenn wir keine CDU-geführte Bundesregierung hätten.)
  • Neue Ausbildungsplätze bleiben auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten unser vorrangiges Ziel. Wir wollen den erfolgreichen Ausbildungspakt mit der Wirtschaft über 2010 hinaus fortführen.
    Der angeblich so erfolgreiche Ausbildungspakt, hat fast eine halbe Million Jugendliche in eine „Warteschleife“ gedrängt. Das duale System erodiert.
  • Wir haben gegen große Widerstände die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland verankert und damit Wohlstand und soziale Sicherheit ermöglicht.
    Haben nicht die Widerstände etwa der Gewerkschaften oder der Sozialverbände der Marktwirtschaft soziale Züge abgerungen und zwar meist gegen die Widerstände aus der CDU?
  • Der Krise und ihren Ursachen setzen CDU und CSU die Wertvorstellungen entgegen, für die wir immer eingetreten sind und eintreten werden.
    Die Krise hat also mit der Politik von CDU/ CSU nichts zu tun. Wenn nur alle wie die CDU gehandelt hätten, dann wäre die Katastrophe nicht passiert.

Wer hat denn aber noch im Leipziger Programm nach mehr Markt und weniger Staat gerufen? Sollte nicht der Markt die Welt regieren? Ist schon vergessen, dass noch vor kurzem die CDU die „Soziale Marktwirtschaft“ durch eine „Neuen Soziale Marktwirtschaft“ ablösen wollte, die dem „Markt mehr Freiheit“ geben wollte. Wer wollte denn immer noch mehr Deregulierung (auch der Finanzmärkte), noch mehr Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme? Wer wollte die unsoziale Kopfpauschale und immer mehr Unternehmenssteuersenkungen und immer mehr Lohnsenkungen und wer pflegte den Mythos von den zu hohen „Lohnnebenkosten“? Siehe dazu CDU feiert ihr Grundsatzprogramm.

Ganz anders als noch vor der letzten Wahl, wo noch mit der Kopfpauschale oder der Steuer auf dem Bierdeckel neoliberaler Klartext geredet wurde, weil in Deutschland noch die „Strukturreformer“ Oberwasser hatten, tritt die Union diesmal mit der Maske des populistischen Biedermanns auf. (Aber populistisch sind ja immer nur die anderen.)

Ganz so als hätte man die eigenen Wählergruppen analysiert, sollen Rentner, die ein Leben lang Vollzeit beschäftigt waren, eine steuerfinanzierte Rente oberhalb des Existenzminimums erhalten, den wohlbestallten Familien wird ein höherer Kinderfreibetrag in Aussicht gestellt, es werden steuerfinanzierte versicherungsfremde Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung gefordert, Steuersenkungen von unten bis (vor allem) oben versprochen (Senkung des Eingangssteuersatzes, Milderung der „Kalten“ Progression, Abflachung des Mittelstandsbauchs, Verschiebung des Höchststeuersatzes), die gerade beschlossene Erbschaftssteuer soll einer Überprüfung unterzogen werden. Selbst für Hartz-IV-Empfänger soll es noch eine Wohltat geben: das Schonvermögen soll erhöht werden. Steuererhöhungen werden natürlich abgelehnt, eine höhere staatliche Belastung soll der Energiepreise solle es nicht geben.
Für jede Wählerklientel, gibt es ein wohldosiertes Zückerchen, von den Ärzten, den Apothekern, den Landwirten, den Mittelstand - je nach Wähleranteil. (Die Groß- und Finanzwirtschaft weiß ja ohnehin, was sie an der Union hat.)

Eine Sprachblüte wird neben die andere gesteckt:

  • Wohlstand und Klimaschutz wie auch Frieden in Freiheit sind immer die beiden Seiten einer Medaille.
  • Deutschland ist Integrationsland.
  • Modellregion für Elektromobilität.
  • Unser Land soll Bildungsrepublik werden.

Schon die Schönfärberei der Lage und die Lobpreisungen der zurückliegenden Politik müsste den unbefangenen Leser stutzig machen. Steht da nicht eine Kaiserin ohne Kleider da? Das Programm gaukelt ein Schlaraffenland vor, das so wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat, wie die Versprechungen, die dieses Programm enthält.

Weil die Wirklichkeit und das Motto „Wünsch Dir was“ so weit auseinanderklaffen, wie Wahrheit und Dichtung, kann man das Programm eigentlich nur als eine systematisch betriebene Irreführung bezeichnen. Es wird ein Wolkenkuckucksheim an schönen Zielen vorgespiegelt, ohne konkret und vor allem offen zu sagen, wie und vor allem auf wessen Kosten man diese erreichen will.

In hochstaplerischer Manier werden Widersprüche verkleistert:

  • Bildung darf keine Frage des Einkommens der Eltern sein. Aber kein Wort über die Studiengebühren. Nichts zum Widerspruch zwischen dem Festhalten am gegliederten Schulsystem und dessen sozialer Auslesewirkung.
  • Wir wollen endlich das Hochschulrahmengesetz abschaffen. Und, ohne über diesen Widerspruch zu stolpern, wird im nächsten Satz über die Notwendigkeit von nationalen Zielen geredet: Gleichzeitig wachsen die länderübergreifende Verantwortung und die Notwendigkeit, in zentralen Handlungsfeldern nationale Ziele und abgestimmte Maßnahmen von Bund und Ländern zu verabreden.
  • Wir begegnen den Sorgen vieler Menschen vor Abstieg und Überforderung, indem wir marktgerechte (!) Arbeitsplätze fördern statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren.
    Wer Vollzeit arbeitet, soll (!) in der Regel von seinem Einkommen leben können.

    Statt Mindestlohn, soll es ein Verbot sittenwidriger Löhne geben. Und: Die Mini-Jobs sollen erhalten bleiben.
  • Bekämpfung des Klimawandels durch Erschließung erneuerbarer Energien soll mit der Verlängerung der Restlaufzeit von Kernkraftwerken zusammenpassen, also der Erhalt der Großtechnologie, die nun geradezu ein Sinnbild der Blockade gegen erneuerbare Energien darstellt.

Großspuriges Pathos entpuppt sich als hohl, wenn man das Kleingedruckte liest:

  • Da wird von Mobilitätskultur schwadroniert und vor allem der Ausbau des Straßen- und Individualverkehrs und die Teilprivatisierung der Bahn gefordert.
  • Da wird von Deutschland als Integrationsland fabuliert, aber nur wer die Werte unserer Gesellschaft und Deutschland als seine Heimat annehmen will, wird seine Chance in unserem Land bekommen und ist uns herzlich willkommen.
  • Den Kindergartenbesuch wollen wir langfristig beitragsfrei ermöglichen. Aber: Voraussetzung ist eine solide und nachhaltige Finanzierung.

Der Einsatz der Bundeswehr im Innern ist geradezu ein Musterbeispiel für Tarnsprache:
Wir wollen Wege finden, wie alle Potenziale und Mittel der inneren und äußeren Sicherheit optimal genutzt werden können, um Bedrohungen wirksam ab zuwehren.

Wer das Programm liest, sollte vor allem danach fragen, was nicht drin steht, nämlich welche Konsequenzen die Union aus der Finanzkrise zieht, welche Wirtschaftspolitik sie machen will, um wieder aus der Krise herauszukommen, wer von den versprochenen Steuerentlastungen am meisten profitiert und wer die Opfer für die Milliarden für die Bankenrettung zu bringen hat.
Da hört man nur das alte Lied: Haushalt konsolidieren, Investitionen fördern sowie Bürgerinnen und Bürger entlasten, staatlich übernommenen Aufgaben auf ihre Notwendigkeit hin überprüfen, auf die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft setzen.

Um Deutschland aus der Krise „herauszuführen wollen wir, die Christlich Demokratische Union Deutschlands und die Christlich-Soziale Union, in der nächsten Legislaturperiode eine Regierung mit der Freien Demokratischen Partei bilden.“ Eine Koalition mit einer Partei, die bis heute, den Kurs feiert, der geradewegs in die Krise geführt hat.
Diesen Koalitionspartner brauchen CDU/CSU dringend, um nach der Wahl nicht an den Versprechen des Wahlprogramms gemessen werden zu können.




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ad sinistram: Verrat am Mitgeteilten


ad sinistram: Verrat am Mitgeteilten

Verrat am Mitgeteilten

Donnerstag, 13. August 2009

"Man wird als Schriftsteller die Erfahrung machen, daß, je präziser, gewissenhafter, sachlich angemessener man sich ausdrückt, das literarische Resultat für um so schwerer verständlich gilt, während man, sobald man lax und verantwortungslos formuliert, mit einem gewissen Verständnis belohnt wird. [...] Die zeitgemäße Logik, die auf ihre Klarheit so viel sich einbildet, hat naiv solche Perversion in der Kategorie der Alltagssprache rezipiert. Der vage Ausdruck erlaubt dem, der ihn vernimmt, das ungefähr sich vorzustellen, was ihm genehm ist und was er ohnehin meint. Der strenge erzwingt Eindeutigkeit der Auffassung, die Anstrengung des Begriffs, deren die Menschen bewußt entwöhnt werden, und mutet ihnen vor allem Inhalt Suspension der gängigen Urteile, damit ein sich Absondern zu, dem sie heftig widerstreben. Nur, was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen für verständlich; nur das in Wahrheit Entfremdete, das vom Kommerz geprägte Wort berührt sie als vertraut. Weniges trägt so sehr zur Demoralisierung der Intellektuellen bei. Wer ihr entgehen will, muß jeden Rat, man solle auf Mitteilung achten, als Verrat am Mitgeteilten durchschauen."
- Theodor W. Adorno, Moral und Stil aus der "Minima Moralia" -
Ein solches intellektuelles Jammertal, ein demoralisierendes Kampffeld, spiegelt sich in jenen Tagen in unseren Straßen wider. Es ist Wahlkampf: Gesichter, Brüste und Parolen prangern von Plakaten. Die verschlagwortisierte Gesellschaft wirft mit Wortfetzen um sich, die keiner erst verstehen muß, weil sie an sich sowieso schon verständlich sind, weil man ohnehin wusste, was gemeint war. Der Wahlkampf ist die absolute Perversion des verstümmelten Wortes, ist die höchste Disziplin des Sprechens, ohne dabei etwas zu sagen, dabei aber den Zuhörern Glauben machend, genau das gesagt zu haben, was ihnen schon immer unter den Nägeln brannte. Es ist die Kunstfertigkeit, den entwöhnten Menschen handzuhaben. Dem der strengen Eindeutigkeit des Wortes entwöhnten Menschen, der präzise und gewissenhafte Auslegungen der Worte als unverständlich abtut, einen Nasenring zu verpassen.

Die Tragik dieses Umstandes ist es heute nicht mehr, dass Eindeutigkeiten verschwunden sind, um Schlagworten, die beinahe immer doppeldeutig auslegbar sind, Zeilenhonorar zu sichern. Daran haben wir uns gewöhnt; wir sind des klaren Wortes Entwöhnte, die gewohnt des unklaren Ausdrucks sind; wir sind des Gegenteils anheimgestellt, intellektuell vom anderen Ufer, sind entfremdet, sind fremd in Sphären der Sprache. Die eigentliche Tragik dieses Umstandes, der zum täglichen Geschäft geworden ist, ist die Eindimensionalität der leichten Kost. Es sind nicht nur Staatsparteien, die mit Schlagworten und gestutzten Phrasen um sich schleudern, es ist die Gesamtheit des parlamentarischen Spektrums, auch jene Gruppierungen, die qua ihrer politischen Ausrichtung dem staatspolitischen und parteilichen Verstümmelungsorgien fernstehen müßten. Oppositionellen Geist suggerierend, dabei auf einer Frontlinie vorwärts preschend, so gibt sich dieser Tage - nur um ein einschlägiges Beispiel heranzuziehen - auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), die mit Losungen wie "Kinder brauchen Zukunft" oder "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" von den Laternenmasten dieser Republik winken.

Es ist, gemäß Adorno, als Verrat am Mitgeteilten zu erfassen, wenn selbst Gegengruppierungen sich einreihen, um mit Sinn- und Merksprüchen zu hantieren. Dies ist der Maßstab, mit dem die intellektuelle Verkümmerung auswertbar wird. Die leere Worthülse, die jedem Zuhörer allerlei Phantasien in jede Richtung belässt, die nicht präzise festlegt, beschreibt, erklärt und darlegt, stattdessen eben phantastische Wanderungen in alle Richtungen zulässt, dieser Wortfetzen intellektueller Beleidigung also, ist nicht das Machwerk herrschender Gruppierungen alleine. Ist nicht ausschließlich neoliberales Programm, sondern die Verkümmerung einer zeitgenössischen Technik- und Fortschrittsgesellschaft generell. Denn der vage Ausdruck ist ein pragmatischer Operationalismus, die Benutzung und der Missbrauch der Sprache als Werkzeug - es muß gesprochen werden, um aus dem Gesprochenen profitieren, um also verstehen, danach handeln und Vorteile daraus ziehen zu können. Der präzise Ausdruck, auch die literarische Spielerei mit präzisen Ausdrücken, hat ausgedient. Diese antiquierte Sprachnutzung ist nicht darauf getrimmt, schnelle Profite zu zeitigen. Das gewissenhafte Wort kriecht nur langsam in Gehirnwindungen, kann Denkvorgänge anstossen, kann Erkenntnisse bewirken, die dem Profit sogar entgegengesetzt sind. Es ist daher störend und den Interessen der Gesellschaft zuwiderlaufend.

Der Wahlkampf offenbart Alternativlosigkeit, denn es ist die Wahllosigkeit zwischen Schlagwort-Jongleuren, zwischen Gruppen und Parteien, die dem Rate folgten, man solle auf Mitteilung achten. Sie haben damit womöglich nicht einmal Verrat am Mitgeteilten begangen, weil ursprünglich gar keine Botschaft im Raume stand, sondern nur die Mitteilung selbst. Am Anfang war das Schlagwort! Die Botschaft war nicht Gegenstand, es wurde erst nach dem Schlagwort gegenständlich. Es ist eine Herangehensweise an Politik, die den fehlenden Intellekt unserer Zeit trefflich beschreibt. Man will Menschen erreichen, ersinnt sich flotte Sprüche, baut einige Worte ein, die freudig erregen und von Konservativen wie Fortschrittlichen genauso positiv konnotiert werden, bleibt dabei aber Präzision schuldig. Man nistet sich in Schwammigkeit ein, weil erst das Erreichen der Menschen geplant ist, bevor es an konkrete Erklärungen gehen soll. Selbst wenn Menschen erreicht wurden, wenn man sich im Parlamentarismus ausgebreitet hat, scheitert es mit dem Konkreten, weil es nun um die Bewahrung von Interessen geht, um den Erhalt von Posten und Stellungen, die man mit viel Konkreta schnell wieder aufgeben müßte. Der entwöhnte Mensch möchte sich nicht intellektuell erschlagen fühlen, wenn er in den Bundestag zappt. Er will die Wahlfreiheit bewahren, wenn er dort Sprechern lauscht, die Begriffe wie "Zukunft", "Freiheit", "Gerechtigkeit" und "Chancen" benutzen. Er will solche Begriffe so oder so oder ganz anders auslegen dürfen. Gäbe der Vorleser eindeutig vor, was jeweilige Begriffe denn zu bedeuten hätten, dann fühlte sich der dem präzisen Wort entwöhnte Zeitgenosse um seine politische Teilhabe betrogen.

Daher hat der Appell an diejenigen, die sich heute als oppositionelle Geister innerhalb einer weitestgehend eindimensionalen Gesellschaft einstufen, folgendermaßen zu lauten: Achtet nicht auf die Mitteilung, denn sonst seid ihr Verräter am Mitgeteilten! Zurück bleibt die bittere Erkenntnis, dass innerhalb des Parlamentarismus kein Pluralismus stattfindet, selbst dann nicht, wenn ganz neue Interessensverbände die Sitzordnungen unter sich ausmachen würden. Auch dann blieben wir in Sphären der Schlagwörterei. Oppositioneller Geist hat sich dann erschöpft, wenn er Schlagworte um sich wirft und ins Anti-Intellektuelle abgleitet. Sich der Verschlagwortisierung zu entziehen, so scheint es, kann nur vom Individuum vollbracht werden; Gruppierung neigen zur Vereinfachung und zum Operationalismus der Sprache. Der Einzelne kann sich selbst treu bleiben, eine Gruppe kennt kein Selbst, dem man Treue schenken könnte. Die wahre Opposition liegt im individuellen Auftreten gegen Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Erniedrigung - sofern das präzise Wort gewürdigt wird, sofern man mit Worten ringt, um sie zur Wahrheitsfindung zu benutzen.

Es geht nicht um die Bürger --- Postengeschacher

http://www.zeit.de/newsticker/2009/8/12/iptc-bdt-20090812-504-22071338xml


Um die Menschen in Deutschland geht es längst nicht mehr. Davon hat sich die Politik abgehoben, und steht drüber - sozusagen. Die Bemühungen im Wahlkampf halten sich in engen Grenzen - es geht einzig um Stimmenfang mit möglichst wenig Inhalt und Mühe.

Dadurch bleibt Zeit für das Eigentliche der Politiker: Um die Posten nach der Wahl schachern.


Parteien

Union und FDP streiten vor der Wahl über Posten

Berlin (dpa) - CDU, CSU und FDP streiten schon vor der Bundestagswahl über die Verteilung der Kabinettsposten. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte die FDP auf, noch vor dem 27. September einen Verzicht auf das Wirtschaftsressort zu erklären.

Amtsinhaber Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei eine «Idealbesetzung» und solle auf der Position bleiben, sagte der CDU-Vize der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. Die Freidemokraten erteilten ihm eine klare Absage. Selbst aus der Schwesterpartei CSU kam massive Kritik: Präsidiumsmitglied Stefan Müller nannte Wulffs Äußerung «ziemlich bescheuert».

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte dazu der dpa: «CDU, CSU und FDP liefern sich einen bizarren Streit um Posten und Macht, die längst noch nicht errungen sind.» Roth sprach von «Sommertheater» und «Verhohnepipelung der Wähler». Die Wähler hätten Schwarz-Gelb weder 1998 noch 2002 noch 2005 gewollt. «Das wird auch 2009 so kommen.»

Wulff wünscht sich «von der FDP, dass sie vor der Wahl deutlich macht, dass sie das Wirtschaftsressort nicht reklamiert». Der für Wirtschaftsfragen zuständige stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte dem «Hamburger Abendblatt» (Mittwoch): «Erst haben die Bürger die Wahl, dann werden Koalitionsverhandlungen geführt und am Ende wird über die Ressortverteilung und -besetzung entschieden.» Es gehe in erster Linie um Politik. «Und da ist festzustellen: Ordnungspolitik als Kernstück unserer Sozialen Marktwirtschaft ist bei Schwarz-Rot völlig unter die Räder gekommen.»

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der «Leipziger Volkszeitung» (Donnerstag), Wulffs Forderung sei «im Kern völlig unrealistisch». Er deutete an, dass bei der CDU Personalknappheit bestehe und sagte: «Die Tatsache, dass die CDU auf ihren Wahlplakaten bundesweit mit dem CSU-Wirtschaftsminister zu Guttenberg wirbt, spricht in diesem Zusammenhang für sich.» Es sei im Wahlkampf nicht sonderlich klug, Personalspielchen zu betreiben.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller, der Vorsitzender der Jungen Union in Bayern ist, sagte dem «Münchner Merkur» (Donnerstag): «Wir sollten jetzt einen anständigen Wahlkampf machen und die Wähler von unseren Positionen überzeugen. Erst nach der Wahl stellt sich die Frage, wer welches Ressort bekommt.» Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und bayerische FDP-Chefin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, nannte Wulffs Äußerung «eine Missachtung der Rolle des Souveräns».

Vor allem CSU und FDP streiten sich bereits seit Tagen. CSU-Chef Horst Seehofer streut immer wieder, dass er den Freidemokraten trotz ihres Bekenntnisses zu Schwarz-Gelb als Wunschkoalition auch ein Ampel-Bündnis mit SPD und Grünen zutraut. Er verlangt deshalb umgehend eine offizielle Koalitionsaussage der FDP zugunsten der Union. Die FDP will dies aber erst auf einem Parteitag eine Woche vor der am 27. September anstehenden Bundestagswahl beschließen.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wiederholte in der Münchner Zeitung «tz» (Mittwoch) Seehofers Forderung. Dabei bezog er sich auf eine Pressekonferenz von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vom Dienstag, in der dieser eine Ampelkoalition nicht ausgeschlossen hatte. (FDP-Chef Guido) «Westerwelle widerspricht ihm nicht mit dem leisesten Mucks», kritisierte Dobrindt.


Das Bankett


Genommen wird gerne und oft. Noch etwas mehr als drei Monate, dann haben wir wieder Dezember - das Fest der Liebe naht.

Das Bankett findet wieder einmal zu Lasten derer statt, die sowieso nichts haben.

Zuvor gibt es für manche die arbeiten Weihnachtsgeld. Viele sind Aufstocker, ihnen wird es wieder genommen. Damit es nicht so schwierig sein soll, wird es über Monate hinweg abgezogen. Es grenzt schon fast an Folter, was da abgezogen wird. Auch jede Überstunde, die etwas mehr Lohn einbringt, wird sofort wieder angerechnet.

Da wäre es doch einfacher, die Arbeitsagentur würde diese Beträge gleich direkt kassieren. Da jammern aber die Arbeitgeber, und alle Beteiligten wieder, das sei zuviel Aufwand, usw. Alles wird nur auf dem Rücken der Betroffenen, sowieso schon Armen und Gepiesackten ausgetragen, da kommt es anscheinend denen, die es bequem haben wollen, nicht so darauf an.

Dieses Jahr wird es wohl noch so bleiben, danach befürchten viele Menschen, dass es noch schlimmer kommen wird. Die Hoffnung ist in vielen zunichte gemacht worden. Diese Politik, wie sie durchgezogen wird, macht Menschen nur fertig. Hilfreich ist sie nicht sonderlich, ausser für die, welche sowieso schon genug haben - oder jene, die Herrenmenschentum ausleben wollen. Die einzige Chance, etwas zu ändern, wäre im Herbst.

Hoffen wir, dass es funktioniert. Leute, geht wählen ! --- Aber nicht wieder diese Menschenschinder.

Dienstag, 11. August 2009

ad sinistram: De auditu

ad sinistram: De auditu


Anonym 11. August 2009 19:13

Victor Klemperer merkte einmal sehr richtig an:

"Sprache kann aus giftigen Elementen gebildet oder zu Trägern von Giftstoffen gemacht werden. Worte können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da."


De auditu

Dienstag, 11. August 2009

Jörg Tauss, ehemaliger Sozialdemokrat und Piratenfrischling, ist ein Kinderporno. Zumindest steht er unter Verdacht, ein Kinderporno zu sein. Kinderporno-Verdacht! Egal ob niedergeschrieben oder den Zusehern und -hörern verlesen, eingeleitet und aufgemacht wird im verknappten Stile, jegliches Verb entbehrend: Tauss unter Kinderporno-Verdacht! Was hierzulande Springer-Unkultur war, die Bindestrich-Komposition, ist zum journalistischen Usus verkommen. Tauss steht nicht unter Verdacht, Kinderpornos besessen, angesehen oder verkauft zu haben - er ist zum Kinderporno geworden. Er ist seine Tat - (lassen wir hier mal beiseite wieviel Wahrheit oder Lüge an der Unterstellung ist) -, er ist, was man ihm unterstellt.

Wir leben in Zeiten, in denen schnelle Lösungen, schnelle Informationen, schnelle Konzepte gefordert sind. Auch die Sprache ist davor nicht bewahrt, sie wird pragmatisch verstümmelt, unnötige Verben werden geschluckt und unnötig sind fast alle Verben. Der Bindestrich wird zum eilfertigen Botschafter, egal ob gedruckt und geschrieben oder beim Sprechen unausgesprochen: ohne Bindestrich keine Nachricht. So steht heute kein Täter unter Verdacht, ein Frau genötigt, vergewaltigt oder belästigt zu haben, er steht vielmehr unter Sexmonster-Verdacht. Ministerinnen haben Dienstwagen-Affären, anstatt verdächtigt zu werden, den Dienstwagen zweckentfremdet zu haben. Die verstümmelte Sprache, in der keiner mehr tut, in der der Bindestrich die Gewalt an sich reißt, beseitigt jeden Zweifel: der Delinquent, der Verdächtigte ist zu seiner Tat, besser zu seiner Untat verwandelt.

Erhabene Sprache, wohlklingende Worte, der Wettbewerb mit Sätzen und geschliffenen Ausdrücken zu glänzen, die Eitelkeit Aussagen liebevoll zu gewanden - alles Spielereien aus vergangenen Tagen. Sprache hat heute funktionell zu sein, muß ohne falsche Ablenkung informieren, soll nicht unnötig aufhalten. Die Syntax verkommt zum toten Gegenstand im Grammatikbuch, ist ihres Daseins enthoben. In einem Kurzsatz, der keine Verben mehr kennt, in dem nicht mehr getan und gemacht werden kann, in der das Tunwort also, um es mal grundschulisch zu benennen, ausgeschlossen ist, da kann der Beschuldigte, der Empfänger des Vorwurfs nicht mehr handeln, er kann nur noch handlungsunfähig sein. Er kann nur noch der Vorwurf selbst sein, zur Untat in Person verkommen. Die fehlende Syntax enthebt den Beschuldigten seiner Handlungsfreiheit, entmenschlicht ihn, macht ihn zum steinernen Symbol seiner möglichen Verfehlung, damit zur Verfehlung selbst.

Der Protagonist der medialen Berichterstattung verkümmert jammervoll zum handlungsunfähigen Konstrukt. Der Aufmacher erlaubt keine Ausführlichkeiten, der Konsument muß im Laufe einer Zehntelsekunde informiert sein, darf nicht zum Nachdenken kommen, muß sofort die Richtung des Berichtenswerten kennen. Natürlich wird später ausgeführt, was der Beschuldigte getan hat, darf das Verb zur Geltung kommen. Aber zu jenem Zeitpunkt hat der Großteil der Konsumenten schon umgeblättert oder umgeschaltet. Die kurze Bindestrich-Komposition polarisiert und entscheidet über Sympathie oder Ablehnung. Was hernach kommt ist Beiwerk, denn es steht dann bereits fest, dass der Beschriebene ein Kinderporno oder dergleichen ist.

...von und zu Guttenberg

http://kriegspostille.blogspot.com/2009/08/was-eben-so-ein-gschaftlshuber-ist-den.html


Dienstag, 11. August 2009

Was eben so ein Gschaftlshuber ist, den findet man in vielen Verbänden...

Rückblick:

http://www.zuguttenberg.de/index.php?url=/person.htm


Veröffentlichungen: Bayerischen Staatszeitung, 25.07.2008 - "Sollen Gelöbnisse regelmäßig vor dem Brandenburger Tor stattfinden?"

PRO: Zwischen Bendlerblock und Platz der Republik

„Ihr könnt Euch darauf verlassen: Dieser Staat wird Euch nicht missbrauchen.“ So endete die beachtenswerte Gelöbnisrede von Altkanzler Helmut Schmidt am 20. Juli dieses Jahres. Nun bildeten ausgerechnet jene, die offen den Staat zu missbrauchen pflegen, einen Kernbestand der Demonstranten an diesem Tage. Jene, die das Gelöbnis bestenfalls in Kaser-nen verbannt sehen wollen, üblicherweise aber „Mörder, Mörder“ – Rufe skandieren. Gruppen, die sich zudem mit der Teilnahme ehemaliger RAF-Terroristen schmücken dürfen.

Das Gelöbnis ist, zumal vor dem Hintergrund unserer Geschichte, das öffentliche – und nicht heimlich oder verschämt geflüsterte – Bekenntnis einer Armee zur parlamentarischen Demokratie. Wo könnte man diesen Anspruch besser zum Ausdruck bringen als vor dem Parlamentsgebäude? Wo ließe sich der gewachsene Wert einer Parlamentsarmee klarer mit unaufgeregtem Selbstverständnis versehen als auf dem Platz der Republik? Und wann würde der Bezug zu allem, was es auch künftig zu vermeiden gilt, offensichtlicher als am 20. Juli?

Gedenken und Geloben sind zwei tief menschliche Befindlichkeiten, die einander bedingen dürfen. Sie stehen unserem Land besser durch überprüfbare öffentliche Kundgabe als durch Verschweigen zu Gesichte.

Geboten erschiene es, das Gelöbnis am 20. Juli jährlich im Wechsel zwischen Bendlerblock und Platz der Republik stattfinden zu lassen. So würde weder das ortsgebundene Gedächtnis an die Verschwörer noch die Deutungshoheit über die Würde eines Ortes der Definitionswut radikaler Vereinigungen oder überforderten Grünflächenämtern überlassen. Idealerweise korrespondiert Würde mit einer durch – auch kritische – Offenheit gewonne-nen gesellschaftlichen Akzeptanz.

Übrigens: Wenig überraschend hatte die Linkspartei die Gegendemonstrationen unterstützt. Ausgerechnet die Linke mit ihrem bis heute peinlich ungeklärten Verhältnis zu politisch motivierter Gewalt. Erforderliche Scham wird gerne durch opportunistischen wie verlogenen Exhibitionismus kaschiert.

Der Autor ist Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages und CSU-Bezirksvorsitzender in Oberfranken.








http://www.zuguttenberg.de/index.php?url=/person.htm


Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg

  • geboren am 05. Dezember 1971 in München
  • röm.-kath.
  • verheiratet, 2 Kinder
  • Mitglied des Dt. Bundestages
  • Beruf (vor der Tätigkeit als MdB): Geschäftsführer
  • Bundesminister für Wirtschaft und Technologie

Mitgliedschaft in folgenden Gremien (national und international):

  • Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Auswärtigen Ausschuss (bis Nov. 2008)
  • Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für Abrüstung- und Nichtverbreitung- und Rüstungskontrolle (bis Nov. 2008)
  • Leiter des Fachausschusses Außenpolitik der CSU auf Landesebene (bis Dez. 2008)
  • Mitglied im Auswärtigen Ausschuss (bis Nov. 2008)
  • Stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss
  • Stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss
  • Vorsitzender Deutsch-Britische Parlamentariergruppe
  • Vizepräsident Südosteuropa-Gesellschaft
  • bis 2005 Mitglied in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates sowie in der WEU
  • Mitglied in der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Kommunalpolitik

Biographie (bis 2002):

  • Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald, Unteroffizier d. Res.
  • Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, Prädikatsexamen, Promotion im Jahr 2007 zum Dr. jur. (summa cum laude)
  • Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin, berufliche Stationen in Frankfurt und New York
  • Geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH, München
  • u.a. Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG (bis 2002)
  • u.a. Freier Journalist bei der Tageszeitung DIE WELT

Weitere Mandate:

  • Kreisrat im Kreistag Kulmbach

Ehrenämter und Mitgliedschaften:

  • Vorsitzender des CSU-Bezirksvorstandes Oberfranken
  • CSU-Generalsekretär (bis Feb. 2009)
  • Mitglied im Landesvorstand der CSU
  • Mitglied der CSU-Grundsatzkommission
  • Ortsvorsitzender des CSU-Ortsverbandes Guttenberg (bis Dez. 2008)
  • Mitglied des CSU-Kreisvorstandes Kulmbach
  • Mitglied der Jungen Union
  • Erster Vorsitzender von focus-europa e.V.
  • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin
  • Vorsitzender des "Neuen Akademischen Forums e.V."
  • Mitglied im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik
  • Mitglied zahlreicher weiterer Vereine, Fördervereine und Ausschüsse

Sonntag, 9. August 2009

Haben Sie ein kleines Problem? --- Ändern Sie doch das Grundgesetz

Unsere Regierenden tun sich keine Hemmungen mehr an - sie probieren herum, wir alle sind die Versuchskaninchen - und dauernd wird das Grundgesetz geändert.

http://feynsinn.org/?p=1257



Eine verfassungsfeindliche Gesinnung kann ja viele Formen annehmen. Was als “extremistisch” gilt, wird von diversen Sicherheitsorganen überwacht und regelmäßig mit Sanktionen bis hin zu langen Haftstrafen belegt. Seit langem aber, insbesondere seit die Große Koalition den Braunkohlebagger in der politischen Landschaft wüten läßt, legen diejenigen die Lunte ans Grundgesetz, die sich zugleich in einer neuen Dimension der Lächerlichkeit als deren Hüter gerieren.

Einmal mehr ist es Weltverteidigungminister Jung, dem alles ein Dorn im Auge ist, was die Bundeswehr noch von der Wehrmacht unterscheidet. Es reicht ihm nicht, daß Steuermillionen verschleudert werden, um Schiffe zu eskortieren, die weitaus preiswerter und effektiver gegen Überfälle geschützt werden könnten. Das müßten freilich die Reedereien und Gesellschaften selbst bezahlen und einrichten. Bekanntermaßen sparen die aber lieber noch an dem Personal, das die Pötte durch die Wellen manövriert. Sicherheitspersonal? Technische Einrichtungen zur Abwehr von Eindringlingen? Wozu? Schließlich ist es in offensichtlichem Interesse der Regierung so zu tun, als müsse die Bundesmarine auf allen Weltmeeren präsent sein.

Und wenn dann vor Somalia ein Kutter geentert wird, ist das natürlich auch ein Grund, Soldaten im Inneren einzusetzen. Wäre ja ein Aufwasch quasi. Warum nicht gleich die ganze Erde zu deutschem Territorium erklären? Die Sicheherheit ist schließlich überall gefährdert, vom Hindukusch bis an die Memel, von der Arktis bis zum Belt. Landesverteidigung ist Sache des Weltordnungsamtes. Es kann nicht lange dauern, bis der Parlamentsvorbehalt auch zur Disposition steht. “Wir brauchen mehr Kompetenzen im Kanzleramt”, so wird es heißen, “Sicherheit braucht kurze Reaktionswege”.

Durch Sachsen marodiert derweil ein Verfassungsfeind, dessen Anmaßungen immer skurriler werden, während er “seine” SPD bei den Landtagswahlen in den einstelligen Bereich geführt hat. Niemand will ihn und seine Gurkentruppe an der Macht sehen, er hat sich trotzdem einen Ministerposten gesichert. Ein Mensch mit einem Funken Anstand hätte sich eher das Leben genommen oder wenigstens für immer die Klappe gehalten. Aber nein, solche Clowns sind in diesen Zeiten genau die Richtigen:

“Thomas Jurk: Hallo lieber “Pirat”. Wenn wir gegen das Grundgesetz verstossen, weil wir Pädophilen unmöglich machen kinderpornografische Bilder aus dem Internet herunterzuladen, dann nehme ich das in Kauf. Ich persönlich hoffe darauf, dass wir das Problem lindern, wenn wir den Kunden von Kinderpornografie das Leben schwerer machen. Wenn deshalb irgendwo auf der Welt nur ein Kind nicht zu pornografischen Bildern mißbraucht wird, hat sich das gelohnt.”

So sieht es aus. Wir verstoßen gegen das Grundgesetz, wenn es uns einfällt. Das Grundgesetz ist diesem Hanswurst nicht einmal Dispositionsmasse, er nimmt es sich schlicht heraus, selber darüber zu befinden, wann es gilt und wann nicht. Wenn ein Kind theoretisch eventuell gerettet, ein Terrorist gefasst, ein Verbrechen verhindert, ein Grünstreifen erneuert werden kann, dann verstoßen wir halt dagegen. Solange freilich nur, bis wir es ändern, um erneut dagegen zu verstoßen.
Solche Leute gehören nicht in Ämter, nicht in Parlamente und nicht einmal in einen Gemeinderat. Und wer so etwas wählt, bettelt förmlich um die Aberkennung seiner Bürgerrechte.