Sonntag, 28. Dezember 2008

Wer stoppt die Kriege in der Welt? - Betrachtung anläßlich des Überfalls von Israel auf Gaza.

Kaum war bei uns in der westlichen Welt der verbale Pulverdampf gegen die Weihnachtsansprache von Ahmdinedschad aus dem Iran im britischen Fernsehen verpufft, da überfiel Israel die Palästinenser in Gaza. Nein, sie kamen nicht persönlich vorbei, und brachen irgendwie ein - das wollen sie erst dann nachholen, wenn fast alle schon platt sind. Es wurde und wird bombardiert, und das mit einer Heftigkeit, dass es viele Tote gibt.

Zu viele, denn jeder Mensch der so umgebracht wird, ist einer zuviel, der stirbt. "Du sollst nicht töten", das steht auch im alten Testament - gilt auch für Israel. Leider ist festzuhalten, dass sich die Staaten - egal ob christlich, islamisch, oder jüdisch, nicht daran halten - nie daran gehalten haben. Und gerne wird ein Gott beschworen, dem es wohlgefällig sein soll, dass ausgerechnet dieses oder jenes Volk seine erklärten Feinde niedermetzelt.

Doch heute, in der neuen Zeit gottlos gewordener Barbarei, läuft so Vieles anders: Der Sabbat ist egal geworden, und so manche andere Hemmschwelle auch. Es war der israelischen Verteidigung schon beim Waffenstillstand klar, dass sie die Palästinenser überfallen würden. Also, mußte dafür gesorgt werden, dass diese schwach sind, wenn es denn passiert. Dafür wurde Sorge getragen mit der Blockade - nichts zu beissen, sonst auch keine Versorgung, das hilft mit, die Leute klein zu bekommen, so dachte man.

Aber, würden wir klein beigeben? Ich weiss es nicht, weil ich nicht in dieser Lage bin. Wenn ich aber versuche, mich hineinzuversetzen in einen betroffenen Menschen, dann spüre ich, wie mich Zorn überkommt. Folglich wäre ich wohl kein Fall fürs Aufgeben. Ich würde versuchen alles daran zu setzen, dass die Übergriffe publik werden, dass alle Ungerechtigkeiten - die gesamten Verbrechen gegen die Menschlichkeit - hinausgeschrien werden, und wäre es das Letzte, was meine Lungen hergeben würden.

Wie ich sonst drauf wäre, kann ich nicht sagen, denn ich stamme aus einer anderen Art der Kultur, wie die Menschen dort. Aber, ich erlaube mir darum auch kein einfaches Urteil über sie. Es ist immer so leicht, mit dem Finger auf einige in der Welt zu zeigen, und zu behaupten, dass diese Menschen böse sind, und es ist leicht, diese dann zu Sündenböcken zu machen.

Das berechtigt meiner bescheidenen Meinung nach aber keinen Staat, über diese Menschen herzufallen und sie zusammenzubomben und zu töten. Schlimm dabei ist, dass es ohne Rücksicht geschah auf Kinder, auf Zivilisten.

Überall in der Welt sterben unsere Menschenbrüder und Menschenschwestern, aber wir lehnen uns zurück, und sind zufrieden, dass es uns noch nicht erwischt hat. Wir wehren ab, wenn es um die zu "Bösen" abgestempelte geht: "Sie sind ja selber schuld!" Die Frage ist immer: Sind wirklich alle schuld?

Wir Deutsche wehren uns ja auch gegen Kollektivschuld, besonders die Jüngeren heute. Sie sagen, dass sie nicht dabei waren, und das stimmt ja auch. Dass sie heute wieder an Kriegen teilnehmen müssen, hineingezogen werden in die Kriegshändel anderer, weil unsere Regierenden es so wollen, ist eine betrübliche Entwicklung.

Es sind nie alle schuldig, und immer gibt es Unschuldige, die es erwischt. Kollateralschäden? Das ist ein böses Wort, und tut Menschen als etwas ab, das sie nicht sind. Es tut ihr Leben ab, als unwichtig, als zu vernachlässigen. Genau solche Sichtweisen auf Leben und Lebendigkeit ist das Verächtliche, das weitere Unmenschlichkeiten und Grausamkeiten begünstigt.

Die Menschenverachtung zieht sich durch alle Handlungen und Vorhaben der Regierenden - sei es in den Kriegen, sei es im beabsichtigten EU-Vertrag, sei es - weltweit - in den Anti-Terror-Gesetzen, usw. Sie wollen den Menschen nach Mass, der in ihre Denkungsart und Politik passt, alle die anderer Meinung sind, schätzen sie nicht.

Eigenheiten von Menschen, die anders sind, als jene die sie für genehm erklärt haben, sollen gewaltsam zurecht gebogen werden. So lange, wie dies der Fall ist, kann es keinen Frieden geben. Die Menschen sind verschieden, haben verschiedene Kulturen hervorgebracht, und das ist an sich nichts Verkehrtes - wie ich finde. Es muss nur akzeptiert werden - auch dann, wenn erkannt wurde, dass wir alle Geschwister sind auf dieser Erde - im weitesten Sinne.

So lange, wie wir nicht in dieser Dimension denken, werden wir sinnlos aufeinander eindreschen. So lange, wie wir nicht fähig sind, an einem Strang zu ziehen für das Leben und Lebendige, werden wir uns und andere ins Verderben reissen.

Leider hängt eine ganze Kriegsindustrie davon ab, dass sich Menschen totschlagen und ausrotten wollen. Das ist eines der grössten Handicaps dabei, Frieden schaffen zu wollen.

Israel ist hochgerüstet, irgendwie muss das Zeug ja auch mal eingesetzt werden. Leider ist es nicht das einzige Land, das genug Kriegsgerät hat - es gibt noch mehr davon. Hoffen wir, dass sie rechtzeitig vor einem umfassenden Weltkrieg zurückschrecken. Weit davon entfernt sind wir - wenn wir die Kriege zusammennehmen - nicht mehr.

1 Kommentar:

Calwer-Wildnis hat gesagt…

Es ist das Fatale des Lebens: Wenn der Mensch am Morgen erwacht, seinen Fuss auf den Boden vor dem stellt und sich vom nächtlichen Schlummer erhebt, macht er sich schuldig. Er muss handeln, um zu leben.

Wer das weiterdenkt, bis zur Bitternis des Handelns aus Rache, wenn etwas eskaliert, Kriegshandlungen, der weiss, dass es berechtigte Handlungen gibt, und weniger berechtigte.

Verteidigung ist auch immer ein Abwägen der Verhältnismässigkeiten. Getroffene Hunde bellen nicht immer nur, sie beissen auch.

Wie gesagt, das ist ein Dilemma im Leben des Menschen. Doch nichts kann als Entschuldigung herhalten, wenn Menschen einfach massakriert werden.