Donnerstag, 6. August 2009

Gefährliche Mission

Nach einem Bericht von Frontal 21 über gefährliche Missionsvorgänge, wehrt sich zum Beispiel die Brüdergemeinde Korntal gegen die erhobenen Vorwürfe. Sie behauptet, dass das ZDF Rufmord begehe, usw.

Eine Bekannte von mir ist allerdings der Meinung, dass das ZDF ausnahmsweise nicht so ganz unrecht haben könnte. Sie ging vor vielen Jahren dort eine Weile zur Schule, und damals schon waren die Auswirkungen der dortigen Evangelikalen, samt Brüdergemeinde, ziemlich krass. Alle Schüler mussten am Mittag, zum Schulschluss antreten zum gemeinsamen Gebet. Der Zug welcher meine Bekannte zum Mittagessen nach Hause bringen sollte, war durch die Teilnahme am Gebet nicht mehr reichtzeitig zu erreichen, und sie hätte mehrere Stunden auf den nächsten warten müssen. Dies war dem damaligen Direktor egal, er verlangte, dass alle Schüler/innen am Gebet teilnahmen, ohne Ausnahme.

Meine Bekannte verliess diese Schule, weil sie dieses Vorgehen als unzumutbar empfand. Außerdem gehörte sie keiner dieser Gemeinden an. Vermutlich hat sich dies inzwischen geändert. Etwas krass waren diese Gemeinschaften allerdings schon immer.

Hier nun die Berichte dazu:

http://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen.html?&news[action]=detail&news[id]=2313


Nach "Frontal 21"-Beitrag über Missionare: Rechtliche Schritte gegen ZDF?

Christliche Missionswerke aus Deutschland prüfen rechtliche Schritte gegen die Redaktion des ZDF-Magazins "Frontal 21". Der Grund: In einem Beitrag, der am Dienstag ausgestrahlt wurde, haben Reporter mit versteckter Kamera und ohne deren Wissen Dozenten und Mitarbeiter der Akademie für Weltmission (AWM) in Korntal bei Stuttgart gefilmt und deren Aussagen veröffentlicht.

In der ZDF-Sendung lief der Beitrag über Missionare und Bibelschulen unter dem Titel "Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer". Moderatorin Hilke Petersen verglich in der Sendung etwa Christen mit Islamisten: "Bereit sein, für Gott zu sterben: Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten."

Zudem sagte die ZDF-Redakteurin in ihrer Anmoderation: "Jugendliche, die sich in Gefahr begeben: Da denkt man an Drogen oder ans Koma-Saufen - auf der Suche nach dem Kick. Doch den wollen häufig auch die, die nicht bloß aus Spaß unterwegs sind, sondern angetrieben von ihrer inneren Überzeugung: Missionare. Es gibt sie wirklich noch. Angeworben von evangelikalen Missionswerken wollen sie den rechten Glauben vor allem in solchen Weltgegenden verbreiten, die sie als 'unerreicht' beschreiben. Unerreicht von der Lehre Jesu: Und das sind weite Teile der Welt - Nordafrika, der Mittlere Osten, Asien. Willkommen sind die Verkünder des Gotteswortes dort nicht: Manche bezahlen ihr Missions-Abenteuer mit dem Leben."

In dem Beitrag kommen etwa Kursteilnehmer der Bibelschule Brake (Lemgo) zu Wort, die sich zur Gefahr äußern, denen Missionare insbesondere in muslimisch geprägten Ländern ausgesetzt sind. Im Gespräch mit der Redaktion sagt der Schweizer Theologe Georg Schmid, "aus Sicht junger freikirchlicher Menschen" sei das Martyrium "kein Nachteil". Schmid wird von der Redaktion als Vertreter des "Sekteninformationszentrums Zürich" vorgesellt, tatsächlich ist der Theologe Leiter einer kirchlichen Einrichtung, der Evangelischen Informationsstelle Kirchen-Sekten-Religionen. Die ist eine Arbeitsstelle der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich und wird durch andere Kantonalkirchen der Deutschschweizerischen Kirchenkonferenz unterstützt.

Verdeckte Bild- und Tonaufnahmen

Neben der Akademie für Weltmission wurde in dem ZDF-Beitrag auch die Missionsgesellschaft "ReachAcross" thematisiert. Ein Mitarbeiter wurde von den ZDF-Reportern mit versteckter Kamera gefilmt und befragt. Wie der Direktor der Akademie in einer Programmbeschwerde an das ZDF schreibt, habe es von Seiten des ZDF im Vorfeld keinerlei Anfrage gegeben, "ob wir nicht vielleicht für ein Interview zur Verfügung stehen". Es sei zudem keine Drehgenehmigung für das Filmen in den Räumen angefragt worden. Die beiden Reporter "gaben sich als interessierte Studenten aus, die gerne selbst einen Einsatz im Ausland machen wollten und nun Informationen einholen wollten", so Hopp weiter.

Das Vorgehen der ZDF-Reporter, sich als interessierte Studenten auszugeben, bezeichnete Hopp als "zutiefst unanständig" und "absolut unnötig". Am gleichen Tag, als die ZDF-Reporter verdeckt in der Akademie tätig gewesen seien, hätten auch ein Journalist und ein Fotograf eines großen, überregionalen Magazins in der Akademie recherchiert. "Sie nahmen an Veranstaltungen teil, interviewten Studenten, Mitarbeiter und mich selbst", so Hopp. "Wir verweigern uns nicht dem 'öffentlichen Interesse' nach Information. Wir gehen auch nicht davon aus, dass eine Berichterstattung über Mission, evangelische Christen und eine entsprechende Bildungsarbeit nur wohlwollend und unkritisch sein werden."

Der Akademie-Direktor kündigte daher an, rechtliche Schritte gegen das ZDF zu prüfen, da laut Strafgesetzbuch verdeckte Bild- und Tonaufnahmen und deren öffentliche Verbreitung strafbar seien. Gleiches gelte für den Tatbestand des Hausfriedensbruchs, der im Fall der ZDF-Reporter ebenfalls geprüft werde.

Verstoß gegen Paragraf 201 des Strafgesetzbuches?

Rechtliche Grundlage ist in diesem Fall Paragraf 201 des Strafgesetzbuches, der die "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" unter Strafe stellt. Demnach macht sich strafbar, wer "das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht". Paragraf 201a stellt zudem unter Strafe, wer "von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt". Eine "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" ist dann nicht gegeben, wenn "die öffentliche Mitteilung zur Wahrnehmung überragender öffentlicher Interessen gemacht wird" – wie es im Gesetzestext heißt.

Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP e.V., Wolfgang Baake, forderte in seiner Programmbeschwerde die "Frontal 21"-Redaktion auf, eine sachliche Richtigstellung zu veröffentlichen. Er warf der Redaktion vor, in dem Beitrag evangelikale Christen mit muslimischen, gewaltbereiten Fundamentalisten gleichgesetzt zu haben. "In dem Beitrag wurde bewusst der Versuch unternommen, christliche Märtyrer, die es auch heute noch gibt, zu diffamieren. Dass die christliche Kirche in ihrer 2.000-jährigen Geschichte Märtyrer hatte, wird verschwiegen. Allzu gern verweist man aber, wenn es ins politische Kalkül passt, auf Dietrich Bonhoeffer und Paul Schneider. Dass engagierte junge Christen in muslimischen Ländern wegen ihres diakonisch-caritativen Einsatzes, der aus ihrem christlichen Glauben motiviert ist, umgebracht werden, ist politisch nicht korrekt und wird deshalb auch so nicht dargestellt."

Brüdergemeinde Korntal: "Vorspiegelung falscher Tatsachen

Dieter Messner, Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, eine Mitgesellschafterin der Akademie für Weltmission, warf dem ZDF in einer Programmbeschwerde an ZDF-Intendant Markus Schächter eine "tendenziöse Berichterstattung" vor, "die Großteils durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen zustande gekommen ist". Die Autoren des Beitrages hätten sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Zutritt ins Gebäude der Akademie für Weltmission verschafft und vorher weder um ein Interview noch eine Anfrage an den Leiter der Akademie gerichtet. "Stattdessen vermitteln sie mit einer versteckten Kamera den Eindruck, als ob man hier nur heimlich filmen könne und suggerieren damit, dass die AWM konspirativ und damit für die Gesellschaft gefährlich sei. Die Journalisten haben somit das Gastrecht der AWM sträflich missbraucht", so Messner in dem Schreiben an ZDF-Intendant Schächter.

Weiter heißt es: "Aus unserer Sicht liegt der Tatbestand des Hausfriedensbruchs vor, die Rechtsordnung wurde nachhaltig verletzt. Hier haben wir es mit einer gezielten Rufmordkampagne zu tun." Es sei "schade und sehr bedauerlich, dass sich das auch mit Gebühren vieler bewusster Christen finanzierte ZDF in die Phalanx der unkritischen und unausgewogenen Berichterstatter über die angeblich gefährlichen Evangelikalen einreiht."

VON: AD | 05.08.2009


http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,7611653,00.html


Sterben für Jesus

Missionieren als Abenteuer

von Arndt Ginzel, Martin Kraushaar und Ulrich Stoll

Bibeltreue Missionare riskieren in islamischen Ländern ihr Leben. Radikale Evangelikale werben Jugendliche, das Wort Gottes zu verbreiten - auch dort, wo es gefährlich ist. In einem Video von "Jugend mit einer Mission" wird etwa zur "Untergrundevangelisation" unter Muslimen aufgerufen.

  • 04.08.2009

Im Jemen sind im Juni drei junge Frauen ermordet worden, darunter zwei Bibelschülerinnen aus Deutschland. Rita Stumpp und Anita Grünwald hatten die Bibelschule Brake im ostwestfälischen Lemgo besucht, von hier waren sie in den Jemen aufgebrochen. Die Trauer um sie wird von der Frage begleitet, ob die Christinnen ein zu großes Risiko auf sich nahmen.

Einige Mitschüler der Getöteten geben sich jedoch abgeklärt. "Man kennt ja die Gefahr, und dann macht man das freiwillig - und es wird ja niemand gezwungen", sagen sie. Auf die Frage, ob sie bereit seien, für die Mission ihr Leben zu geben, antworteten sie mit "ja".

Gefährlicher Einsatz als "Kick"

Die Bibelschule Brake wird geleitet von Evangelikalen. Zum Unterricht gehören auch Fächer wie "Missionsstrategie". Als ein Lernziel nennt die Schule in ihrem Internetauftritt: "Angesichts des Missionsbefehls Jesu Christi [...] soll jeder aktiv und vorrangig an der Weltmission beteiligt sein." Interessierten Jugendlichen wird der häufig gefährliche Einsatz im Ausland als regelrechter Kick verkauft. "Komm zum Mission-Live-Camp", "entdecke Gott", wirbt das Missionswerk "Jugend mit einer Mission". Ein Junge spricht darin von "Untergrundevangelisation im muslimischen Marokko".


Georg Schmid warnt vor Todesgefahr für Missionare.

Experten warnen vor solchen Missionseinsätzen. "Untergrundmission ist Mission in den Weltgegenden, wo keine Religionsfreiheit herrscht, wo freikirchliche Missionswerke nicht missionieren dürfen", erklärt Georg Schmid vom Sekteninformationszentrum Zürich. Man versuche dort durch heimliches Bibelverteilen, durch verdecktes Vorgehen und durch Unterstützung lokaler Kreise trotzdem Mission zu betreiben. "Das ist natürlich immens gefährlich, stellt einen Verstoß gegen die Gesetze der betreffenden Länder dar, wird hart bestraft und kann zum Tod führen."

"Wir bringen Muslimen das Evangelium"

Reach Across ist eine von mehreren Dutzend Missionsgesellschaften, die junge Leute für die Evangelisation auch islamischer Länder ausbildet. Ihr Motto ist laut Eigenwerbung im Internet: "Wir bringen Muslimen das Evangelium". Frontal21 dreht mit versteckter Kamera bei einem Kurs für Missionare, die in islamische Länder geschickt werden sollen. Auf die Frage, ob Reach Across auch in Pakistan tätig sei, antwortet der Kursleiter, derzeit seien keine Mitarbeiter in den Krisengebieten, "wir haben aber jetzt mit Flüchtlingen zu tun, die medizinische Hilfe suchen".

Auf der Homepage wird Reach Across deutlicher. Hier wird die "Missionsstrategie" erklärt: "Gott wird auch den Arabern ... irgendwann so begegnen, dass ... Gemeinden entstehen und dass aus diesen eine ganze Bewegung wird, die selbst durch Verfolgung nicht aufgehalten werden kann."


Oliver Müller warnt vor Folgen für andere Hilfsorganisationen.

Kritik von Caritas International

Nach internationalen Grundsätzen des Roten Kreuzes und anderer Organisationen dürfen Hilfswerke jedoch nicht helfen und missionieren zugleich. Fundamentalistische Evangelikale schaden so nach Ansicht von Oliver Müller von Caritas International den Aufbauprojekten seriöser Organisationen. "Es ist für uns als Caritas International sehr gefährlich, wenn andere Organisationen humanitäre Hilfe und Missionen miteinander verwechseln beziehungsweise absichtlich miteinander vermischen", sagt Müller.

Das bringt die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen in Gefahr und liefert den Fundamentalisten der anderen Religionen Argumente gegen den vermeintlich verlogenen Westen. In einem Video von "Jugend mit einer Mission" etwa sagt ein Missionar über ein buddhistisches Heiligtum in Nepal: "An diesem Platz werden Dämonen und der Teufel angebetet." Dies drücke einen Mangel an Respekt vor der anderen Kultur aus, sagt Müller. "Wenn Weltreligionen mit Begriffen wie Dämonen und Aberglaube beschrieben werden, dann ist das einfach nicht gerechtfertigt."

Lebensgefährliche Mission

In muslimischen Ländern treffen die christlichen Fundamentalisten auf tiefreligiöse Menschen, die sie von einem angeblich falschen Glauben abbringen wollen. Solche Mission kann lebensgefährlich sein. Von den Begleitern der im Jemen ermordeten Deutschen, einer christlich geprägten deutschen Familie mit drei kleinen Kindern, fehlt immer noch jede Spur.

1 Kommentar:

manfred-marder hat gesagt…

Ich schreibe zur Zeit an einem Buch, in dem auch der evangelikale Fundamentalismus eine Rolle spielt. In diesem Zusammenhang habe ich mich auch mit den Korntaler Missionsbestrebungen befasst. Mein Ergebnis: viele, besonders junge Menschen machen da mit, weil sie wirklich etwas Gutes und Sinnvolles tun wollen. die eigentlichen Drahtzieher sind eher rücksichtslose Politikbeeinflusser, die unter dem Deckmantel christlicher Werte versuchen, alle diejenigen, die nicht in ihr Weltbild passen, rücksichtslos aus dem Wege zu räumen. Christliche Nächstenliebe haben nur Gleichgesinnte zu erwarten. Diejenigen, die auf der schwarzen Liste stehen, werden z.B. mit Kettenbriefen gejagt.